Stand: 17.10.2026, 06:00 Uhr
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Petra Kipper betreibt eine staatlich anerkannte Auffangstation für Wildtiere und Gefahrentiere. Einen Großteil der Kosten zahlt sie selbst.
Rodgau – Wer das Grundstück von Petra Kipper betritt, betritt eine ganz eigene Welt. Ob exotische Gefahrentiere wie giftige Skorpione, Spinnen und Schlangen oder heimische Wildtiere wie Füchse, Marder, Igel und Rehe – bei der 61-jährigen Vorsitzenden der Wildtierarche Rodgau finden Notfälle aller Art eine geschützte Zuflucht. Die Einrichtung ist weit mehr als eine gewöhnliche Station: Sie ist Hoffnungsträger und Rettungsanker für Tiere in Not.
Die Leidenschaft für den Tierschutz begleitet Petra Kipper bereits seit ihrer frühesten Kindheit: „Schon als Kind habe ich immer Tiere gefunden, wie eine Fledermaus mit gebrochenem Flügel, die dann in meiner Garderobe gelebt hat.“ Als ihre eigenen Kinder später ein vermeintlich mutterloses Feldhasen-Junges mit nach Hause brachten, zögerte sie nicht und päppelte es liebevoll auf. Was damals mit fundiertem Selbststudium und eigenen Haustieren wie Fischen, Schlangen oder Papageien begann, entwickelte sich über die Jahre nach dem Schneeballprinzip immer weiter. Selbst ein kleines Reh wurde ihr eines Tages überraschend über den Zaun gesetzt.
Haltung illegaler Gefahrentiere
Um all ihre Schützlinge stets legal und fachgerecht betreuen zu können, eignete sich Kipper umfassendes Wissen an und holte sich frühzeitig sämtliche erforderlichen behördlichen Genehmigungen ein. Heute ist die Wildtierarche Rodgau ein gemeinnütziger Verein und eine seit Langem vom Regierungspräsidium Darmstadt staatlich anerkannte Auffangstation für exotische und heimische Wildtiere sowie Gefahrentiere. Dazu gehören regelmäßig auch Tiere aus behördlichen Sicherstellungen, etwa nach plötzlichen Todesfällen von Haltern: „Letztens hatten wir einen Todesfall, zu dem ich dazugerufen wurde, denn die Person hatte unter anderem verbotene Gefahrentiere, wie Skorpione, die jetzt hier leben. Die Gefahrentiere wurden mir vom Veterinäramt überlassen“, erklärt Kipper. Da die Haltung dieser Tiere in Hessen verboten ist, könne sie die Tiere zwar weitergeben, aber nur an Personen mit Genehmigung oder außerhalb Hessens. Denn andere Bundesländer haben in Bezug auf Gefahrentiere andere Richtlinien.
Die Arbeitsbelastung der Auffangstation schwankt von Jahr zu Jahr erheblich. Während die Station in vergangenen Jahren zwischen 500 und 900 Tiere versorgte, waren es im aktuellen Jahr rund 160 Tiere. Doch hinter den Kulissen bringt dieses unermüdliche Engagement nicht nur körperliche Arbeit, sondern auch immense finanzielle und bürokratische Herausforderungen mit sich.
Einen Großteil der laufenden Kosten für Tierärzte, nötige Medikamente und das tägliche Futter finanziert die Stationsleiterin aus ihrem eigenen Gehalt. Zwar erhält der Verein einmal jährlich einen städtischen Zuschuss der Stadt Rodgau, doch dieser fließt oft erst sehr spät im Jahr nach der behördlichen Freigabe des Haushalts. Bis dahin muss Kipper sämtliche Ausgaben aus eigener Tasche vorstrecken.
Zudem machen strenge gesetzliche Vorgaben wie das Jagdrecht oder seuchenrechtliche Bestimmungen die Auswilderung mancher Tierarten kompliziert oder gar unmöglich. So dürfen Tiere, die dem Jagdrecht unterstehen, nicht ohne Weiteres freigelassen werden. Zwar hilft hier die enge Zusammenarbeit mit kooperationsbereiten Jägern, um Füchse oder Marder wieder in die Freiheit zu entlassen, doch bei Feldkaninchen oder Frischlingen gelten strengere Regeln. Seit der Schweinepest ist es für jegliche Stationen so gut wie unmöglich, eine entsprechende Genehmigung zu bekommen.
Auch die behördliche Zusammenarbeit war in der Vergangenheit keineswegs immer einfach. Zwischen 2005 und 2023 habe Kipper wegen behördlicher Hürden mehrfach rechtliche Schritte eingeleitet. Umso erfreulicher sei die deutliche Wende, die in den vergangenen Jahren eingetreten sei: „Seitdem die damalige Leitung des Veterinäramts gewechselt hat, habe ich mit den neuen Mitarbeitern eine sehr gute Zusammenarbeit. Sie rufen mich auch in Bedarfsfällen an und bringen mir Tiere vorbei. Umso glücklicher bin ich, dass die Kooperation heute wieder super ist.“
Trotz des oft kräfteraubenden Einsatzes und der zeitraubenden Bürokratie schaut Kipper mit Freude in die Zukunft. Denn neben der direkten Pflege der Tiere schlägt ihr Herz für den nachhaltigen Naturschutz und das Vermitteln von Wissen: Als Referentin hält sie regelmäßig Vorträge in Kindergärten sowie Schulen und schult Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Flughafen.
Diese umweltpädagogische Arbeit gibt ihr stets neue Kraft und die Gewissheit, langfristig etwas Entscheidendes zu bewegen: Indem sie Kinder zu kleinen Tierexperten macht, Vorurteile abbaut und Ängste nimmt, legt sie den Grundstein für einen respektvollen Umgang mit der Natur – und sorgt dafür, dass der Tierschutz auch in kommenden Generationen weiterlebt. (Elias Mantwill)