Italien
Waldbrände in Friaul eskalieren: Straßen und Autobahn betroffen
Löschhubschrauber und Feuerwehren aus Venedig und Triest bekämpfen Flammen. Italien warnt Touristen via Cell-Broadcast-System IT-alert
Tarvis – Mehrere Waldbrände haben sich am Samstag in Friaul-Julisch Venetien, der norditalienischen Nachbarregion Kärntens, ausgebreitet und die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen gestellt. Nachdem zunächst drei neue Brandherde in den Bergen gemeldet wurden, kamen im Laufe des Tages weitere Feuer hinzu. Besonders angespannt war die Lage am Karst zwischen Monfalcone und Duino.
Feuerwehrmannschaften aus Monfalcone und Triest rückten mit Tanklöschfahrzeugen an. Zusätzlich wurde der Löschhubschrauber "Drago" der Feuerwehr aus Venedig angefordert. Auch am Monte Nero bei Tarvis waren Forstkräfte sowie freiwillige Feuerwehrleute im Einsatz. Sie bekämpften dort einen weiteren Waldbrand. Ein weiteres Feuer brach im Ortsteil Selz der Gemeinde Ronchi dei Legionari aus.
Einschränkungen
Die Brände wirkten sich auch negativ auf den Verkehr aus. Um den Einsatzkräften freie Zufahrtswege zu ermöglichen, wurden am Autobahnknoten Lisert an der A4 (Venedig-Triest) ab dem späten Samstagnachmittag zwei Fahrspuren gesperrt. Auch auf der Autobahn selbst kam es zu Einschränkungen. In Richtung Redipuglia wurde eine Fahrspur gesperrt, in der Gegenrichtung eine Überholspur. Zudem wurden die Autobahnauffahrten Redipuglia und Villesse in Richtung Triest vorübergehend geschlossen. Für den starken Reiseverkehr am Wochenende bedeutete dies zusätzliche Behinderungen.
Weitere Einsatzkräfte wurden in der bei österreichische Touristen beliebten Badeortschaft Lignano Sabbiadoro gefordert. Dort meldete der Zivilschutz einen Waldbrand im Übergangsbereich zwischen Vegetation und bebautem Gebiet. Feuerwehr und kommunaler Zivilschutz rückten aus.
Wie Touristen gewarnt werden
In den vergangenen Jahren waren einige italienische Gebiete zunehmend von großen Waldbränden betroffen, insbesondere Sardinien, Sizilien, Kalabrien, Apulien und die Toskana. Gleichzeitig gehört Italien zu den weltweit führenden Reisezielen. Dies hat die italienischen Behörden dazu veranlasst, ihre Kommunikation über Waldbrandrisiken gegenüber Touristen und Menschen, die mit der jeweiligen Region nicht vertraut sind, neu zu überdenken.
Italien hat seine Kommunikation bei Waldbrandgefahr in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Eine zentrale Rolle spielt dabei das nationale Warnsystem IT-alert, das 2024 eingeführt wurde. Die Warnungen werden über sogenannte Cell-Broadcast-Technologie direkt an die Mobiltelefone geschickt, die sich in einem betroffenen Gebiet befinden. Dafür ist keine Registrierung notwendig. Auch die Nationalität, der Mobilfunkanbieter oder eine zuvor heruntergeladene App spielen keine Rolle. Wenn nötig, können die Nachrichten auch auf Englisch verschickt werden.
Solche Warnungen werden insbesondere dann eingesetzt, wenn eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung besteht – beispielsweise bei Evakuierungsanordnungen oder wenn sich ein Feuer schnell ausbreitet und bewohnte Gebiete bedroht.
Im Notfall kommen mehrere Informationskanäle gleichzeitig zum Einsatz. Neben den nationalen und regionalen Zivilschutzbehörden informieren auch Gemeinden über ihre Webseiten und sozialen Medien. Bei Evakuierungen können zusätzlich SMS, Sirenen und Lautsprecherdurchsagen eingesetzt werden. Die italienischen Regionen haben auch eigene Waldbrand- und Notfallpläne. Darin sind unter anderem besonders gefährdete Gebiete, Evakuierungsverfahren und Kommunikationswege festgelegt.
Sardinien ist eines der besten Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Jeden Sommer startet die Regionalregierung umfangreiche Informationskampagnen, in denen über Maßnahmen zur Waldbrandprävention, gesetzliche Einschränkungen und Notfallverfahren informiert wird. Die Informationen werden über Flughäfen, Häfen, touristische Webseiten, soziale Medien und lokale Medien verbreitet. Ähnliche Initiativen werden in Zeiten erhöhter Waldbrandgefahr auch auf Sizilien und in der Toskana umgesetzt.
Waldbrand verhindern
In Italien geht es nicht nur darum, Menschen im Ernstfall zu warnen. Während der sogenannten Zeit mit hoher Waldbrandgefahr gelten auch besondere Regeln zur Vorbeugung. Je nach Region können beispielsweise das Entzünden von Feuer, das Grillen in bestimmten Gebieten oder das Verbrennen landwirtschaftlicher Abfälle verboten sein. Die entsprechenden Einschränkungen werden öffentlich bekannt gemacht.
Gerade für Urlauber ist das wichtig, denn wer eine Region nicht kennt, kennt möglicherweise auch die dort geltenden Regeln nicht. Deshalb werden Informationen über Waldbrandgefahr und verbotene Aktivitäten unter anderem von Tourismusstellen, Unterkünften und geschützten Naturparks weitergegeben. (APA, Silvia Martelli, Il Sole 24 Ore, 8.8.2026)
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