Waldbrandgefahr in Sachsen-Anhalt: Neue Kameras schließen gefährliche Überwachungslücken

Kameras und KI

Wie die Waldbrandzentrale in Annaburg Feuer in Sachsen-Anhalts Wäldern erkennt

Stand: 23.07.2026 12:28 Uhr

Trotz etwas mehr Regens zuletzt: Die Lage in Sachsen-Anhalts Waldbrandzentrale in Annaburg bleibt angespannt. Denn vielerorts im Land ist es in den Wäldern noch immer staubtrocken, die Waldbrandgefahr ist hoch. Um Feuer noch schneller zu erkennen, wird die Waldbrandzentrale im Kreis Wittenberg nun technisch aufgerüstet.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Der Boden schwarz, die Bäume verkohlt, es riecht noch immer verbrannt. Das Feuer nördlich von Jessen Anfang Juli hat den Wald auf einer Fläche von anderthalb Hektar komplett zerstört. Und es ging alles blitzschnell: "Bei einem Waldbrand zählt jede Minute, gerade wenn es ein bisschen windig ist und super trockene Bedingungen sind, der Wind facht das einmal an, das zieht in den trockenen Wald mit einer brachialen Geschwindigkeit", erklärt Justus Presse.

Blick auf einen verbrannten Wald.

Der Brand hat dem Wald in Jessen zugesetzt.

Weiße Flecken bei der Überwachung

Der Leiter der Waldbrandzentrale Sachsen-Anhalt weiß daher auch um die Bedeutung der Früherkennung. "Unsere Aufgabe ist, dass möglichst schnell die Feuerwehr zuverlässig an den tatsächlichen Brandort kommt." Das klappe schon gut, aber es gäbe noch Lücken.

Unsere Aufgabe ist, dass möglichst schnell die Feuerwehr zuverlässig an den tatsächlichen Brandort kommt Justus Presse

Justus Presse zeigt einige weiße Flecken auf der großen Landkarte. Die bereiten dem Chef der Waldbrandzentrale erhebliche Sorgen. Denn es handelt sich um Waldgebiete, die bislang nicht mit Kameras überwacht werden. Eine dieser Lücken konnte nun aber geschlossen werden: Mit einem Kameraturm mitten im Fläming.

Ein Mann an einem Schreibtisch schaut auf einen Monitor.

Justus Presse leitet die Waldbrandzentrale seit drei Jahren.

Bundesländer helfen sich gegenseitig

"Das ist für uns super wichtig, dass wir einen Brand nicht nur mit einer Kamera erfassen können, denn dann wissen wir nur die ungefähre Richtung. Aber wenn wir den Brand mit zwei Kameras erkennen können, dann können wir den Feuerwehren bis auf einen Meter genau die Koordinaten melden. Das hilft natürlich im Wald ungemein", erklärt Presse die Vorteile der neuen Überwachungsstelle.

Der Turm ist einer von 16 verteilt in ganz Sachsen-Anhalt. Er befindet sich nahe der Grenze zu Brandenburg. Die Lage ist kein Zufall. Denn beim Waldbrandschutz wird seit diesem Jahr nun auch länderübergreifend enger zusammengearbeitet. „Niedersachsen, Brandenburg und auch Sachsen nutzen das gleiche Kamerasystem. Damit können wir in den Grenzbereichen nun viele Stellen wunderbar abdecken, die vorher nicht abgedeckt waren.“ So können die Waldschützer zusätzlich auf etwa 25 Überwachungstürme der Nachbarländer zugreifen.

Sommer heißt Sonderschichten

Hochauflösende Kameras über den Baumwipfeln liefern 360-Grad-Aufnahmen. Bilder aller Kamerastandorte laufen in der Waldbrandzentrale in Annaburg ein. Sie gehört zu den modernsten Deutschlands. Ab der Warnstufe 3 ist sie dauerhaft besetzt. Denn vom Osten des Landkreises Wittenberg aus werden mehr als 500.000 Hektar Wald in Sachsen-Anhalt überwacht.

MDR Fallback Image

In einem abgedunkelten Raum stehen dazu viele Monitore. Die Mitarbeiter schieben jetzt im Hochsommer Sonderschichten, bis zu zehn Stunden am Tag. Zwar hilft die Künstliche Intelligenz beim Aussortieren unverdächtiger Aufnahmen. An besonders heißen Tagen gilt es für geübte Augen dennoch mehr als 2000 Bilder auszuwerten. "Da ist Erfahrung schon wichtig", sagt Hendrik Schulz.

Ein Mann an einem Schreibtisch schaut auf einen Monitor.

Hendrik Schulz, Mitarbeiter der Waldbrandzentrale, hat die Rauchsäulen auf den Bildschirmen im Blick.

Keine Sekunde lässt er die Bildschirme auf dem Tisch vor ihm aus den Augen. Jede Rauchsäule wird analysiert. "Das hier ist Staub von Erntemaschinen und hier dampft ein Industrieschornstein." Schulz klickt auf das nächste Bild. Bei Verdacht auf ein Brandgeschehen sind die Abläufe klar. "Aus verschiedenen Kamera-Positionen versuchen wir eine Kreuzpeilung, dann informieren wir die Leitstellen", beschreibt der Mitarbeiter den Plan. Im Notfall rücken dann umgehend die Feuerwehren aus.

Aus verschiedenen Kamera-Positionen versuchen wir eine Kreuzpeilung, dann informieren wir die Leitstellen Hendrik Schulz

Trockenheit gefährdet Sachsen-Anhalts Waldbestände

Je schneller, desto besser. Mit jeder Stunde nach Ausbruch eines Brandes verdreifacht sich der Aufwand an Personal und Technik, um die Flammen zu löschen, schätzen Experten. Im vergangenen Jahr haben Feuer in Sachsen-Anhalt knapp 80 Hektar Wald vernichtet. Kaum auszudenken, wie viele es ohne Frühwarnungen wären, sagt Justus Presse. Der 33-Jährige geht davon aus, dass die Gefahr weiter steigt: "Nach Datenlage werden die gesamten Niederschlagsmengen zwar nicht unbedingt weniger, aber sie verlagern sich. Es ist kurz sehr nass und dann sehr lange, sehr trocken. Die Tendenz durch die steigenden Temperaturen ist einfach eine zunehmende Trockenheit." Und das, so Presse, gefährde die Waldbestände auch in Sachsen-Anhalt sehr.

Mehrere Personen betrachten eine Drohne auf einer planen Fläche.

Der Brandschutz wird in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Und da nimmt der Leiter der Waldbrandzentrale auch alle in die Pflicht. "Wenn Sie einen Waldbrand entdecken, rufen Sie unbedingt die Feuerwehr. Und auch, wenn Sie einen Waldbrand vermuten, eine Rauchsäule über dem Wald sehen oder auch ungewöhnliche Gerüche beim Spaziergang bemerken, zögern Sie nicht." Im Ernstfall sagt Presse, lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig.

MDR (Martin Krause); zuerst veröffentlicht am 22.Juli 2026