10 Wander-Touren in Hessen, auf denen sich der goldene Herbst besonders gut erleben lässt

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Von der Rhön bis zum Odenwald Zehn Wandertouren für den goldenen Herbst

Der Sommer ist vorbei, doch die Wandersaison noch lange nicht. Bunte Wälder, weite Ausblicke und spektakuläre Hängebrücken: Wir zeigen zehn Touren in Hessen, auf denen sich der goldene Herbst besonders gut erleben lässt.

Ein Feld an einem Wald während eines herbstlichen Sonnenuntergangs

Blicke wie dieser bieten sich in Hessen nur über wenige Wochen im Jahr. Bild © IMAGO/ Jan Eifert

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01:19 Min.|Paul Mosbacher

Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite

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Der Sommer ist vorbei. Punkt, Aus, Ende. Der meteorologische Herbstbeginn war sogar schon am 1. September. Zeit für Freunde der Sonne, die Trauer ab- und die leichten Jacken überzustreifen. Denn für alle, die sich darauf einlassen, steht schon das nächste Highlight des gemäßigten mitteleuropäischen Jahres bevor: der goldene Herbst.

Der Duft von Laub und feuchter Walderde in der klaren Luft, dazu Bäume in feurigen Farben: Wir haben einige Orte im Land zusammengefasst, an denen sich die natürlichen Vorzüge der Jahreszeit ausgiebig genießen lassen.

  • Gipfeltour Schotten im Vogelsberg
  • Die Große Nalle in der Rhön
  • Der Bornschisserweg bei Rotenburg an der Fulda
  • Wandern im Frau Holle-Land
  • Habichtswaldsteig & Hoher Steiger
  • Skywalk in Willingen
  • Edersee: Kein Weg zurück
  • Freistaat Flaschenhals und Aar-Schleifen
  • Trommturm bei Rimbach
  • Felsenmeer-Wanderung am Lautertal

Gipfeltour Schotten: Wandern auf dem Vulkan

Damit es sich auch mal so richtig lohnt, die Wanderschuhe rauszuholen: Auf der Gipfeltour Schotten geht es über 14 Kilometer durch den Vogelsberg. Dafür sollte man etwa viereinhalb Stunden einplanen. Und die haben es in sich - nicht nur wegen der Strecke. Der Rundweg beginnt am Parkplatz Hoherodskopf (Vogelsberg).

Entlang des Waldrands geht es vorbei an Magerrasen. Dort hat man einen Blick auf die Taufsteinhütte. Durch den dichten Buchenwald erreicht man einen idyllischen Forellenteich und die besonders geschützten Wiesen, die das Herzstück des Naturparks bilden.

Der Pfad führt weiter durch den Wald hinab, durch offene Felder hinauf zur Platte - einer kaum erkennbaren, grasbewachsenen Anhöhe, die mit einem spektakulären Panoramablick über die gesamte Route belohnt. Von diesem Punkt aus ist es nur noch ein kurzer Weg bis nach Busenborn. Der letzte Kilometer bis zum Gipfel des Bilstein ist steil, aber der Anstieg lohnt sich.

Grasende Schafe auf einer Wiese

Sogar diese Schafe haben die Aussicht vom Hoherodskopf schon für sich entdeckt. Und Sie lassen immer noch auf sich warten? Danke nochmal an hessenschau.de-Nutzerin Ursula Kernbach für das Bild. Bild © Ursula Kernbach

Gersfeld: Die Große Nalle

Wenn es um Ausflüge in die hessische Natur geht, darf die Rhön nicht fehlen - hier wimmelt es nur so von möglichen Zielen. Etwa Hessens höchster Berg, die Wasserkuppe. Oder die Milseburg mit der bekannten Kreuzigungsgruppe auf dem Gipfel und dem schönen Rundumblick über die Region. Die beiden Rhöner Schwergewichte sind sicher auch im Herbst einen Besuch wert.

Aber warum nicht auch mal einem "Underdog" eine Chance geben? Die 768 Meter hohe "Große Nalle" bei Gersfeld (Fulda) bietet ein Rhön-Panorama, das dem seiner berühmten Nachbarn in nichts nachsteht - bei etwas weniger touristischem Andrang. Den Gipfel kann man allerdings nur zu Fuß erreichen, zum Beispiel vom Bahnhof in Gersfeld aus. Von dort zum Gipfel und zurück dauert es etwa dreieinhalb Stunden. Wer schon häufiger in der Rhön unterwegs war, weiß: Neue Perspektiven auf Altbekanntes lohnen sich.

Im Vordergrund links steht ein großer Baum, dessen Blätterdach sich ein Stück über der Szenerie im Hintergrund erstreckt. Die zeigt ein Feld bei strahlendem Sonnenschein mit ein paar weißen Wolken am Himmel. Im Hintergrund erhebt sich ein bewaldeter Hügel, noch weiter dahinter recken sich noch größere Erhebungen in die Höhe - eine von ihnen ist die Wasserkuppe, deutlich erkennbar am Rundbau des Radoms auf der Spitze

Die Rhön lockt jedes Jahr über eine Million Menschen an. Kein Wunder, bei solchen Aussichten, oder? Bild © Paul Mosbacher (hr)

Rotenburg: Wer traut sich den Bornschisserweg?

Eine Achterbahn der Gefühle: Der "Bornschisserweg", ein vom Deutschen Wanderinstitut zertifizierter Premiumrundwanderweg, bei Rotenburg an der Fulda (Hersfeld-Rotenburg) vereint die stille Magie des Waldes mit einem aufregenden Abenteuer - und das auf nur knapp sechs Kilometern. Sein Name geht auf den Bornschisser zurück, eine Sagengestalt Rotenburgs.

Startpunkt ist der Parkplatz am Herz-Kreislauf-Zentrum in Rotenburg. Von dort geht es durch ruhigen Wald zur Burgruine Rodenberg - sie spielt eine wichtige Rolle in der Bornschisser-Sage. Danach kommt man zur Nadelöhr-Hütte und mit einem kleinen Abstecher vom Rundweg auch zu einem Jagdschlösschen.

Ab da geht es wieder zurück. Zum Schluss wartet das Highlight mit Herzklopfen: der Rotenburger Highwalk, eine der längsten Hängebrücken Deutschlands. Sie führt in bis zu 60 Metern Höhe mehr als 600 Meter weit über das Kottenbachtal. Die Überquerung kostet für Erwachsene 9,50 Euro.

Hängebrücke Highwalk Rotenburg

Um nicht zu viel vorwegzunehmen, ein Bild aus einer anderen Jahreszeit: Die Hängebrücke Highwalk Rotenburg. Bild © picture-alliance/dpa

Wanfried: Auf den Spuren von Kurfürsten und Spionen

Geht es erstmal steil nach oben? Ja. Ist es dann vorbei mit dem Anstieg? Nein. Kommt man an der dicken Eiche vorbei? Ja! Eröffnet sich einem danach eine Mischung aus natur- und kulturhistorischen Elementen und einem lebendigen Relief mit Wald und offener Feldflur? Bei Frau Holle: JA!

Kann sich das Wanderherz mehr wünschen als den "Premiumwanderweg P12 Mainzer Köpfe"? Urteilen Sie selbst: Auf einer Strecke von 9,6 Kilometern durch den Geo-Naturpark Frau-Holle-Land gibt es nicht nur viele schöne Ausblicke, sondern auch ein Stück Geschichte: Der Name der Höhenzüge, die sich bei Wanfried-Altenburschla (Werra-Meißner) über das Werratal erheben, erinnert daran, dass die Region bis Anfang des 19. Jahrhunderts den Mainzer Kurfürsten unterstellt war. Wegsteine mit einem eingemeißelten Mainzer Rad markieren noch heute den Grenzverlauf des damaligen Kurfürstentums.

Auf dem Weg überquert man außerdem immer wieder die ehemalige innerdeutsche Grenze - entlang des Weges sind noch ein Stück Grenzzaun und eine alte Agentenschleuse ("Stasiröhre") erhalten, durch die man krabbeln kann. Einen schönen Rastplatz gibt es bei "Kimms Ruh", wo man sich auch in ein Gipfelbuch eintragen kann. Der Abstieg führt durch Mischwald zum "Bode-Blick" über Wanfried und dann zurück zum Wanderparkplatz.

Bewaldete Hügel, im Tal sind viele kleine Häuser mit roten Dächern zu sehen, die zu Wanfried gehören.

Der “Bode-Blick” auf Wanfried. Auch hier ein sommerlicher Platzhalter, die volle Herbst-Power zu erleben bleibt allein Ihnen überlassen. Bild © Geo-Naturpark Frau-Holle-Land / Claudia Krabbes

Breuna: Habichtswaldsteig und Hoher Steiger

"H9". Dieses Wegzeichen führt Wandernde auf der "Extratour H9" von der Gemeinde Breuna (Kassel) zum Hohen Steiger. Der hört sich mehr nach Aufstieg an als er tatsächlich fordert. Der Gipfel liegt auf "nur" rund 320 Metern Höhe. Dennoch bietet die Tour schöne Weitblicke und waldreiche Abschnitte, die vor allem im Herbst ihre volle Wirkung entfalten dürften. Startpunkt ist der Parkplatz Einstiegsportal H9 Breuna an der A44.

Auf rund zehn Kilometern geht es durch Wiesentäler, Wald, Trockenrasen, Felder und Naturschutzgebiete. Die Route führt zum Berg der Kugelsburg, der auf der Nordseite umrundet wird. Hier kann man einkehren und hat vom Bergfried aus eine Rundumsicht auf das Waldecker Land, die Warburger Börde, den Naturpark Habichtswald und die Fachwerkstadt Volkmarsen. Und ganz in der Nähe liegt auch das Naturdenkmal "Scharfer Stein": ein bizarrer Fels aus urzeitlichen Seelilien.

Vera John Trekking Habichtswald

Der Habichtswald bietet viele schöne Aussichten. Bild © Privat

Skywalk in Willingen: Herbst von oben

Der Skywalk in Willingen dürfte vielen schon ein Begriff sein. Kein Wunder: Mit 665 Metern Länge ist er Deutschlands längste Fußgängerhängebrücke. Sie zu überqueren ist für schwindelfreie Begeisterte des bunten Blattwerks im Herbst besonders lohnenswert - die Gegend ringsum ist von hügeligen Mischwäldern durchzogen. Und man kann von oben senkrecht darauf schauen - eine seltene Perspektive für flugunfähige Schlurfer wie uns.

Wie so viele schöne Aussichtspunkte lässt sich auch der Skywalk in eine schöne Herbstwanderung einbauen. Zum Beispiel vom nahegelegenen Parkplatz Skywalk Willingen an der B251 aus. Von dort geht es über den Skywalk zur Mühlenkopfschanze, zum Ettelsberg auf 838 Metern Höhe und zurück. Für die insgesamt knapp zehn Kilometer braucht man etwa zweieinhalb Stunden.

Alternativ kann man auch mit der Seilbahn aus Willingen auf den Ettelsberg fahren und von dort zum Skywalk laufen. Dieser etwas bequemere Rundweg ist nur gut vier Kilometer lang und dauert eine gute Stunde. Einfach den rot-grauen Wegweisern folgen. Und den Geldbeutel nicht vergessen, sonst ist am Skywalk Schluss - egal, welche Route man geht.

Skywalk Willingen

Wir wollen nicht spoilern, deswegen ein Bild aus dem Sommer, aber stellen Sie sich DAS Mal im goldenen Herbst vor. Herr(bst)lich!! Bild © hr/Silvia Ritter

Edersee: 1.000 Jahre alte Eichen auf dem Urwaldsteig

Der Urwaldsteig führt in mehreren Etappen auf 66 Kilometern um den Edersee (Waldeck-Frankenberg). Ein bisschen viel für einen Spaziergang, aber die Abschnitte bei Waldeck zwischen Asel und Scheid (10 Kilometer) oder Asel und Nieder-Werbe (16 Kilometer) am Nordufer des Sees eignen sich für eine Tagestour. Bis zu 1.000 Jahre alte Eichen prägen die Landschaft. Die Strecke führt entlang steiler Hänge und sogenannter Blockhalden - das sind natürliche Felsenmeere. 

Einer der Höhepunkte ist die "Schöne Aussicht". Sie liegt etwas oberhalb des Wegs und macht ihrem Namen alle Ehre: Der Blick schweift über die Baumkronen und über den See zum gegenüberliegenden Ufer. Der Weg ist teils schmal und steil - ein echtes kleines Abenteuer. Ein (zu) großes Abenteuer könnte es werden, wenn man sich keine Fahrgelegenheit aus Scheid oder Nieder-Werbe zurück nach Asel organisiert hat - die Touren sind keine Rundwanderwege.

Blick über Baumwipfel hinweg auf einen großen See. Darüber blauer Himmel.

Wanderern am Edersee eröffnen sich großartige Ausblicke. Bild © HA Hessen Tourismus, Roman Knie

Heidenrod: Historisch im Hintertaunus

Schon mal was vom "Freistaat Flaschenhals" gehört? Den gab es im heutigen Hessen von 1919 bis 1923, zwischen französischen und US-amerikanischen Besatzungszonen - eine Folge der Gebietsaufteilung nach dem Ersten Weltkrieg. Auf einer Wanderroute durch das ehemalige Flaschenhals-Staatsgebiet im Hintertaunus erfährt man kuriose Details aus dieser Zeit.

Start- und Endpunkt der gut elf Kilometer langen Tour ist Heidenrod-Laufenselden (Rheingau-Taunus), zum Beispiel der Parkplatz Im Brühl. Es geht erst durch das obere Dörsbachtal bis zur "Grenzstation". Von dort führt unter anderem der verschlungene Schmugglerpfad durch tiefe Wälder bis zur Grillhütte Laufenselden und wieder zurück. Dauer: etwa dreieinhalb Stunden.

Ein mit Laub bedeckter Waldweg führt durch herbstlich gefärbte Bäume. Neben dem Weg liegt ein Stapel gefällter Baumstämme.

“Der Herbstwald in Heidenrod”, schreibt uns hessenschau.de-Nutzer Rudolf Machar zu seinem Foto. So lässt es sich auch bei etwas kühleren Temperaturen gerne spazieren. Bild © Rudolf Machar

Rimbach: Hoch hinaus auf dem Trommturm

Tief im Süden Hessens zwischen Weschnitztal und Überwald im Kreis Bergstraße ragt das 577 Meter hohe Trommmassiv empor. Auch das lässt sich bei einer Wanderung erkunden: Von Rimbach und dem Ortsteil Zotzenbach (Odenwald) führen jeweils mehrere Touren hinauf - einige führen auch über den sehenswerten Kunstweg Tromm - bis zum Trommturm.

Und der setzt nicht nur noch mal 34 Meter obendrauf, er setzt auch Maßstäbe in Sachen Aussicht. Wer die 192 Stufen erklimmt, wird mit einem Blick weit über das Weschnitztal und die Rheinebene bis zu den Pfälzer Bergen belohnt. Auch Überwald und Katzenbuckel sind von oben zu sehen. Im Herbst sicher ein Farbenfeuerwerk vom Feinsten.

Hügel-Panorama mit Dörfern und Sonnenuntergang

Der Blick vom Trommturm in Rimbach auf den Odenwald… ja, oder? Bild © IMAGO / imagebroker

Lautertal: Durchs Felsenmeer im Odenwald

Bei Lautertal (Bergstraße), nur gut 15 Kilometer nördlich von Rimbach, liegt das berühmte Felsenmeer. Es gehört zum Naturschutzgebiet "Felsberg bei Reichenbach". Überdimensionale Felsblöcke liegen dort wie von Riesen hingeworfene Kieselsteine übereinander. Rundherum führt ein Wanderweg - zu 90 Prozent durch Mischwald, also ideal für Bewunderer der herbstlichen Natur.

Die gut neun Kilometer lange Rundtour startet am Wanderparkplatz "Kuralpe" bei Lautertal. Von dort geht es in Richtung Beedenkirchen und über den Wanderparkplatz "Römersteine" wieder in den Wald. Der Weg passiert den "Hohen Stein" und einige römische Denkmäler. Immer wieder bieten sich dabei Blicke ins Lautertal.

Ein Haufen großer Steinblöcke in einem Wald.

Wandern im Felsenmeer erfordert gute Beweglichkeit. Bild © HA Hessen Tourismus, Roman Knie