Stand: 21.10.2026, 07:45 Uhr
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Die Feindseligkeit des US-Präsidenten gegenüber der Ukraine wird nur noch von seiner offenbar bevorzugten Behandlung von Putins Russland übertroffen. Ein Kommentar.
Ist Donald Trump ein russischer Agent? Ich frage nur, weil das Ganze am Wochenende weit über einen schlechten Scherz hinausging. Auf Truth Social erhob der Präsident den bösartigen Vorwurf, der ukrainische Staatschef verlängere den Krieg, um sich finanziell zu bereichern. „Selenskyj ist das egal, und ehrlich gesagt will er bei all dem Geld, das Europa ihm bekanntermaßen gibt … diesen Krieg gar nicht beenden und wollte es wahrscheinlich auch nie“, wetterte er.
Dieser jüngste Seitenhieb auf den ukrainischen Präsidenten ist das Ergebnis einer beschämenden Abfolge von Ereignissen. Zunächst unterlief das Weiße Haus seine eigenen Sanktionen, um ein Dieselgeschäft mit Russland zu sichern – offenbar in der Hoffnung, Trumps Verluste bei den Zwischenwahlen zu begrenzen und zugleich Wladimir Putins Position in der Ukraine erheblich zu stärken. Dann verkündete der Präsident eine erfundene „Energie-Waffenruhe“. Anschließend setzte er Selenskyj unter Druck, seine Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur einzustellen, indem er die Weitergabe von Geheimdienstinformationen einschränkte und Elon Musks Starlink-Dienst auf undurchsichtige Weise störte.
Ein fest etabliertes Muster der Nachsicht gegenüber Putin
Inmitten all dessen unterzeichnete Trump ein Dekret, das ein von beiden Parteien getragenes Sanktionspaket gegen Russland aufschob. Es war nach dem verstorbenen Senator Lindsey Graham benannt und richtete sich gegen Amtsträger, Banken, Energiehändler und Ölförderanlagen. Als er das Paket blockierte, berief sich der Präsident auf das nationale Interesse der USA. Diesem ist offenbar inzwischen am besten gedient, indem man dem Feind der freien Welt zu mehr Macht verhilft.
Dies war keine einmalige Phase der Nachsicht gegenüber dem Kreml, um den innenpolitischen Druck zu mindern. Das wäre schon schlimm genug, aber nein: Es ist Teil eines längst fest etablierten Musters. Fällt Ihnen irgendein bedeutender Staats- oder Regierungschef ein, den Trump weniger beleidigt hat als Putin? Und wer hätte es mehr verdient? Um eines klarzustellen: Ich behaupte nicht, dass es irgendwelche handfesten Beweise für meine Verschwörungstheorie über Trump gibt. Ich weise lediglich darauf hin, dass sein Verhalten in keiner Weise anders wäre, wenn er ein Agent des Kremls wäre.
Wir dürfen die inszenierte Demütigung Selenskyjs im Oval Office im vergangenen Jahr nicht vergessen – einen der Tiefpunkte in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft. Danach setzte Trump die Militärhilfe und den Austausch von Geheimdienstinformationen mit Kiew aus. Ebenso wenig dürfen wir den berüchtigten, von Trump vorgeschlagenen „Friedensplan“ mit 28 Punkten vergessen, der sich las, als wäre er im Kreml verfasst worden. Im Februar vergangenen Jahres stimmten die USA gemeinsam mit Russland, China, Belarus und Nordkorea gegen eine UN-Resolution, die die Aggression des Kremls verurteilte. Trump gab zudem der Ukraine die Schuld an Russlands Invasion und bezeichnete Selenskyj als „Diktator“.
Bewunderung für autoritäre Machthaber oder finanzielle Interessen
Im Jahr davor wetterte er – zu Recht – dagegen, dass Europa auf Kosten der amerikanischen Großzügigkeit gegenüber der NATO Trittbrett fährt, und drohte, Russland zu ermutigen, zu tun, „was zum Teufel sie wollen“. Und 2018, während seiner ersten Amtszeit, stellte er sich auf Putins Seite gegen seine eigenen Geheimdienste, die Russland eine Einmischung in die Wahl von 2016 vorgeworfen hatten. Dies sind nur einige ausgewählte Beispiele aus einer langen Reihe putinfreundlicher Verhaltensweisen des moralisch verkommensten Präsidenten Amerikas. Was steckt dahinter? Vielleicht Trumps unersättliche Schwärmerei für autoritäre Machthaber – siehe auch seine Vorliebe für den islamistischen türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan und seinen Flirt mit Nordkoreas Kim Jong-un während seiner ersten Amtszeit?
Oder geht es ums Geld? Schließlich hat Trump seit Langem weitreichende wirtschaftliche Interessen in Russland. Schon 2008 sagte sein Sohn Donald Jr. auf einer Immobilienkonferenz: „Russen machen einen ziemlich unverhältnismäßig großen Anteil unserer Vermögenswerte aus. Wir sehen, dass viel Geld aus Russland hereinströmt.“ Im selben Jahr, auf dem Tiefpunkt eines Immobiliencrashs, kaufte der Düngemitteloligarch Dmitri Rybolowlew Trumps Villa in Palm Beach für 95 Millionen Dollar – mehr als das Doppelte der 41 Millionen Dollar, die Trump vier Jahre zuvor dafür bezahlt hatte. Ein Beweis für Fehlverhalten? Nicht unbedingt.
Russland-Verbindungen und eine Politik des persönlichen Vorteils
Ebenso wenig ist die Tatsache ein solcher Beweis, dass Trumps Anwalt Michael Cohen noch weit bis in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 hinein das Projekt eines Trump Towers in Moskau vorantrieb. Über dieses Vorhaben belog er später den Kongress. Vergessen wir auch nicht, dass Trumps Wahlkampfchef Paul Manafort für den kremlfreundlichen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch arbeitete und interne Umfragedaten an Konstantin Kilimnik weitergab, den ein parteiübergreifender Senatsausschuss später als „ehemaligen russischen Geheimdienstoffizier“ bezeichnete.
Was ist also die wahrscheinliche Erklärung für Trumps zahllose Handlungen und Äußerungen, die zumindest auf dem Papier Russland und Putin zu begünstigen scheinen? Meiner Ansicht nach ist es weniger ein Führungsoffizier, der ihm aus einem Moskauer Keller seine Aussagen diktiert, sondern etwas Schlichteres: eine giftige Mischung aus Eitelkeit, Käuflichkeit, Bewunderung für autoritäre Machthaber, Verachtung für Verbündete und einer auf Tauschgeschäften beruhenden Weltsicht, in der die Kronjuwelen der Demokratie persönliche Verhandlungsmasse sind – ganz gleich, welchen Blutzoll Kiew dafür zahlt. Eines sollte ich noch hinzufügen: Wenn Trump ein russischer Agent wäre, würde er es dann wirklich so offensichtlich machen? (Dieser Artikel von Jake Wallis Simons entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)