Italien verschärft Strafen für Gewalttaten bei Demonstrationen

Sicherheit

Italien verschärft Strafen für Gewalttaten bei Demonstrationen

Eltern haften nun dafür, sollten sich ihre minderjährigen Kinder an den Ausschreitungen beteiligen. Die Ermittlungen dauern an

Eine Person steht auf einer Leiter und befestigt Holzplatten vor der Fassade eines Foot Locker-Geschäfts. Fußgänger passieren den Bereich auf einer Straße. Das Geschäft ist teilweise mit Sperrholz verkleidet.
Geschäfte im Mailand rüsten sich vor etwaigen weiteren Ausschreitungen.

Rom – Nach den Ausschreitungen in Mailand und anderen Städten hat die italienische Regierung neue Sicherheitsmaßnahmen beschlossen. Das Kabinett verabschiedete am Dienstagabend einen Erlass, der härtere Strafen für gewalttätige Demonstranten, einen neuen Straftatbestand für die Beteiligung an gewaltsamen Protesten und eine finanzielle Haftung von Eltern für Schäden durch ihre Kinder vorsieht.

Eltern haften

Wer bei einer Demonstration als Teil einer Gruppe von mindestens fünf Personen die öffentliche Sicherheit gefährdet, muss künftig mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 20.000 Euro rechnen. Bei Vermummung oder Verletzten drohen höhere Strafen. Die Behörden können zudem eine zeitnahe Entschädigung für verursachte Schäden anordnen.

Eltern sollen für Sachbeschädigungen und Plünderungen durch ihre minderjährigen Kinder finanziell haften. Die Polizei darf außerdem Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne eine bereits begangene Straftat festhalten, sofern konkrete Hinweise auf eine Gefährdung vorliegen. Der Erlass tritt unmittelbar in Kraft.

Straßenszene in Mailand während einer Demonstration gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Menschen in Masken und dunkler Kleidung laufen und bewegen sich in verschiedene Richtungen, während Müll auf der gepflasterten Straße verstreut liegt. Im Hintergrund sind historische Gebäude zu sehen.
Zuletzt kam es am 18. Oktober in Mailand zu Ausschreitungen.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verteidigte die Maßnahmen. Sachbeschädigung und Diebstahl seien kein Protest, sondern Kriminalität, erklärte sie in den sozialen Medien. Zugleich betonte sie, dass soziale Not und fehlende Zukunftsperspektiven keine Rechtfertigung für Gewalt seien. Die Regierung kündigte an, bis Ende 2026 zusätzlich 500 Soldaten zur Unterstützung der Polizei in Mailand einzusetzen. Sie sollen wichtige Einrichtungen schützen und die Überwachung sensibler Bereiche verstärken. Die Maßnahmen folgen auf Ausschreitungen am vergangenen Wochenende, bei denen überwiegend junge Menschen Schaufenster zerstörten, Geschäfte plünderten und Polizisten angriffen.

Regierung unter Druck

Hinter den gewaltsamen Ausschreitungen könnte nach Einschätzung eines Mailänder Richters "ein gezielter Versuch stehen, die öffentliche Ordnung zu destabilisieren". Darauf verwies der Untersuchungsrichter Fabrizio Filice in einem Beschluss, mit dem er die Festnahme von vier der fünf volljährigen Verdächtigen bestätigte und Untersuchungshaft anordnete. "Es ist offensichtlich, dass angesichts der fortgesetzten Aufrufe zu weiteren Protesten über soziale Medien an den kommenden Wochenenden ein gezieltes Projekt zur Destabilisierung der öffentlichen Ordnung im Gange ist", schrieb Filice in seiner Entscheidung. Die Ermittlungen zu den gewaltsamen Vorfällen dauern an.

Leere Kühlschrankregale in einem Supermarkt in Neapel, Italien, am 20. Oktober 2026. Die Regale sind aufgrund eines anhaltenden Streiks von Lastwagenfahrern in Süditalien, die gegen steigende Kraftstoffpreise protestieren, fast vollständig leer.
Die Proteste gegen die hohen Spritpreise führen dazu, dass manche Supermärkte, wie hier in Neapel, leer sind.

Die Regierung steht unterdessen auch wegen Protesten im Süden des Landes unter Druck. Dort blockieren Lastwagenfahrer aus Protest gegen gestiegene Dieselpreise und hohe Lebenshaltungskosten Straßen und beeinträchtigen damit Lieferketten. Einige Nudelhersteller mussten ihre Produktion zeitweise einstellen. Landwirtschaftliche Verbände warnen vor Verlusten, falls Obst und Gemüse wegen der Transportprobleme verderben. Die Regierung hat nach Gesprächen mit Branchenvertretern weitere Hilfen für Transportunternehmen zugesagt. (APA, red, 21.10.2026)

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