Warnung vor dubiosen Handwerkern: Wie eine Thüringerin Opfer von Pfusch am Bau wurde

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Dubiose Handwerker

Stand: 15.07.2026 06:50 Uhr

Achtung: Unseriöse Handwerksbetriebe locken mit attraktiven Preisen und positiven Bewertungen. Doch statt fachgerechter Arbeit drohen Pfusch und hohe Folgekosten. Wie schnell Verbraucher Opfer von Baupfusch werden können, zeigt ein Fall aus dem Saale-Orla-Kreis. Tipps zum Schutz vor Betrug und Pfusch im Handwerk.

von Alexander Reissland, MDR THÜRINGEN

Die Verbraucherzentrale Thüringen und die Kreishandwerkerschaft aus Jena warnen vor unseriösen Handwerksbetrieben.

Einige Anbieter verlangen vor allem beim Einbau von Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen oder bei Gartenarbeiten überhöhte Preise. Andere Unternehmen würden unsauber arbeiten oder Baustellen einfach abbrechen.

Bauarbeiter errichten bei Sonnenaufgang ein Gebäude am Kronberg

Suche nach Handwerksbetrieb: Ein vermeintlich seriöses Online-Angebot

Sindy Hoffmeister aus Ranis im Saale-Orla-Kreis suchte Anfang des Jahres Handwerker, die ihr Bad barrierearm umbauen würden. Die 45-Jährige hat selbst einen Pflegegrad, genau wie ihre Tochter.

Opfer von Baupfusch

Sindy Hoffmeister: Dubiose Firma baute ihr Bad mit schweren Mängeln.

Bei der Suche nach einem Handwerksbetrieb wurde sie im Internet fündig. Der erste Treffer klang vielversprechend. Laut Google sitzt das Unternehmen in Jena, auch die Bewertungen waren durchweg positiv. Bei einem ersten Vor-Ort-Termin versicherte der Mitarbeiter zudem einen fachgerechten Umbau von deutschen Handwerksbetrieben.

Barrierefreie Badewanne bei Sindy

Der hohe Einstieg bei Badewanne und Dusche sollte weg, stattdessen sollte es eine große Dusche mit Haltegriffen werden.

Badumbau endet mit Pfusch und Rechtsstreit

Sie war überzeugt und unterschrieb. Eine Woche später stand ein osteuropäischer Bautrupp vor der Tür. Die Männer gehörten zu einem Reinigungsunternehmen aus Kassel, wie Sindy Hoffmeister später recherchierte.

Zwei Tage dauerte der Badumbau, dann sollte die 45-Jährige einen angeblichen Stundennachweis unterschreiben - in Wirklichkeit das Abnahmeprotokoll. Erst als die Handwerker weg waren, erkannte Sindy Hoffmeister den Pfusch. Die Glastür war angeschlagen, die neuen Paneele an Wand und Boden wackelten, beim Duschen lief das Wasser auf den Badboden.

Wasserwaage zeigt schiefen Bau der Badewanne

Sindy hat mit mehreren Baumängeln zu kämpfen.

Sindy Hoffmeister reklamierte die Mängel und bat die Pflegekasse vorerst nicht zu zahlen. Seitdem muss sie sich mit einem Inkasso-Unternehmen herumschlagen und hat einen Anwalt eingeschaltet. Laut der Kreishandwerkerschaft Jena ist sie nicht die einzige Geschädigte des Unternehmens.

Warnung vor dubiosen Handwerkern

Generell häufen sich derzeit Meldungen über Schwarze Schafe, auch aus anderen Bereichen erklärt Kreishandwerksmeister Matthias Dröschler. So rufe auch die Wärmewende viele Betrüger auf den Plan. Es gebe Fälle bei denen Kunden eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen wollten, die Handwerker fingen an zu bauen, verlangten dann eine sehr hohe Abschlagszahlung und verschwanden.

Bauarbeiten an der Badewanne bei Sindy

Sindy wurde letzlich zum Opfer eines Baupfutsches.

Ein Handwerker aus der Region erklärte sich bereit, das Projekt zu Ende zu bringen. Überhöhte Preise oder Pfusch gebe es auch im Bereich Wärmepumpen oder bei Gartenarbeiten. Die Kreishandwerkerschaft rät nur Meisterbetriebe zu nehmen, ein Blick in die Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer hilft weiter.

Sindy Hoffmeister hat sich inzwischen eine Fachfirma vor Ort gesucht. Deren Einschätzung: Auch der Boden sei nicht tragfähig. Das verpfuschte Bad muss von Grund auf saniert werden. Die Kosten dafür liegen bei über 5.000 Euro.

So schützen Sie sich vor Betrug und Putsch

10 Tipps für Verbraucher von der Kreishanderwerkerschaft

1. Niemals unter Zeitdruck unterschreiben
Seriöse Handwerksbetriebe geben ihren Kunden Zeit für eine Entscheidung. Wer zu einer sofortigen Unterschrift drängt oder mit vermeintlichen Sonderangeboten Druck aufbaut, sollte misstrauisch machen.

2. Immer ein schriftliches Angebot verlangen

Mündliche Preisabsprachen reichen nicht aus. Alle vereinbarten Leistungen und Kosten sollten schriftlich festgehalten werden.

3. Angebote vergleichen
Holen Sie mindestens zwei oder drei Angebote ein. Auffällig große Preisunterschiede sollten Sie genau hinterfragen.

4. Firmendaten prüfen
Achten Sie auf eine vollständige Anschrift, ein Impressum und darauf, dass die Firma erreichbar ist.

5. Keine hohen Vorauszahlungen leisten
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn hohe Summen bereits vor Arbeitsbeginn verlangt werden. Seriöse Betriebe arbeiten mit nachvollziehbaren Zahlungsmodellen.

6. Vorsicht bei Haustürgeschäften
Lassen Sie niemanden unter Druck in Ihr Haus und unterschreiben Sie Verträge niemals spontan an der Haustür.

7. Bei Handwerksarbeiten auf Qualifikation achten
Gerade bei Elektro-, Sanitär-, Heizungs- oder Dacharbeiten sollte geprüft werden, ob der Betrieb die erforderliche Qualifikation besitzt.

8. Rechnungen und Verträge aufbewahren
Bewahren Sie alle Unterlagen sorgfältig auf. Nur so können Ansprüche im Streitfall später geltend gemacht werden.

9. Bei Unsicherheit Rat einholen
Verbraucherzentrale, Kreishandwerkerschaft, Handwerkskammern oder Innungsbetriebe können bei Fragen und Unsicherheiten weiterhelfen.

10. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl
Wenn ein Angebot zu gut klingt, jemand starken Druck ausübt oder Preise unrealistisch niedrig erscheinen, ist Vorsicht geboten. Lieber einmal mehr nachfragen als später viel Geld verlieren.

MDR (lab)