Stand: 21.09.2026, 20:37 Uhr
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Künstliche Intelligenz verändert die Urlaubsplanung: Sie schlägt Reiseziele, Hotels und Restaurants vor und könnte künftig helfen, Touristenströme zu lenken. Doch Experten sehen auch Risiken.
Bonn – Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Für reisefreudige Menschen gehören Planung und Vorbereitung zum Vergnügen dazu. Wer hilft dabei ruckzuck? Die Künstliche Intelligenz (KI). Sie übernimmt zunehmend das, was früher die Lektüre von Reiseführern, die stundenlange Recherche im Internet oder tatsächlich einen Besuch im Reisebüro erforderte.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
KI steht auch im Mittelpunkt des diesjährigen Welttourismustages, der seit 1980 jedes Jahr am 27. September begangen wird. Wie wird Künstliche Intelligenz das Reisen verändern? Der Tourismus steht vor einem großen Umbruch, denn mittlerweile lässt sich nicht nur der Urlaub mit allen Etappen digital buchen – vorher hat die KI dafür schon die Planung übernommen.

„Schon heute hat KI die Art, wie wir unseren Urlaub planen, verändert“, sagt Tourismusforscher Harald Pechlaner von der Katholischen Universität Eichstätt. Vielfach werde KI mittlerweile anstelle traditioneller Online-Suchmaschinen verwendet: Chatbots nähmen dadurch Einfluss auf das, was überhaupt an Urlaubsoptionen zur Verfügung steht.
KI wird bereits für den Urlaub genutzt
„Die detaillierte und maßgeschneiderte Erstellung von Reiseplänen verändert die traditionellen Geschäftsmodelle im Tourismus sowie die Sicht auf Reisen und Urlaubserlebnisse.“
Harald Zeiss, Direktor des Instituts für Tourismusforschung der Hochschule Harz, verweist auf eine entsprechende Umfrage des Digitalverbands Bitkom vom August: Demnach nutzt ein Viertel schon jetzt KI in der Reiseplanung. „Die Zahlen zeigen also, dass KI kein Zukunftsthema mehr ist“, sagt er.
Diese Entwicklung befindet sich nach seiner Ansicht noch in einer frühen Phase. Mit der Integration in Suchmaschinen und Buchungsplattformen dürfte ihre Nutzung aber sehr schnell zunehmen.
Der persönliche Reiseplaner: die KI
„Die Reiseplanung wird sich von der klassischen Suche zu einem Dialog entwickeln“, sagt Tourismusforscher Zeiss. Statt zahlreiche Webseiten zu vergleichen, könnten Reisende künftig ihre Wünsche, ihr Budget und ihre zeitlichen Möglichkeiten schildern und daraus einen individuellen Reisevorschlag erhalten.
Flüge, Unterkünfte und Aktivitäten ließen sich miteinander verbinden und unterwegs an Wetter, Verspätungen oder veränderte Interessen anpassen. Die KI werde damit zunehmend zum „persönlichen Reiseassistenten“.
Wie individuell beraten KI-Tools?
Wird KI dazu führen, dass Reisen stärker personalisiert werden – oder bekommen am Ende alle dieselben Empfehlungen? „Beides ist möglich“, vermutet Zeiss. Systeme könnten zwar sehr individuelle Vorschläge machen. Zugleich lernten viele von ihnen aus denselben Bewertungen, Buchungen und Popularitätsdaten.
Daher droht seiner Einschätzung nach eine „algorithmische Gleichförmigkeit“: Eine Reise könne persönlich wirken und trotzdem zu denselben Sehenswürdigkeiten und Restaurants führen wie die aller anderen.
Experte Pechlaner sieht deshalb auch die Reisenden selbst in der Verantwortung. Entscheidend sei, wie anspruchsvoll Nutzer mit den Antworten der KI umgingen – ob sie sich etwa mit einer erstbesten Empfehlung zufriedengäben. Erst wenn sie mit der KI in einen Dialog träten und die Ergebnisse hinterfragten, würden Reisepläne tatsächlich individuell.
Das Problem Overtourism könnte wachsen
Wenn alle in den gleichen Monaten die gleichen Reiseziele oder touristischen Hotspots aufsuchen, kommt es zu noch stärkerem Overtourism – ein Problem, mit dem Orte wie Venedig oder Barcelona längst kämpfen. KI könne indes auch helfen, Besucherströme besser zu lenken, sagt Pechlaner.
Dafür müssten die Tourismusziele allerdings entsprechend trainierte Systeme einsetzen und möglichst Anbieter und Nachfragende auf einer gemeinsamen Plattform zusammenbringen.
Tourismusforscher Zeiss sieht ebenfalls Chancen: KI könne Zeiten mit besonders hoher Nachfrage erkennen und Alternativen bei Reiseziel, Route oder Besuchszeit vorschlagen. „Ein Algorithmus, der ausschließlich Klicks und Buchungen maximiert, kann Overtourism sogar verstärken“, gibt Zeiss jedoch zu bedenken.
Wo bleibt das Abenteuer beim Reisen?
Und was geht beim Reisen verloren, wenn Algorithmen immer mehr Entscheidungen übernehmen? Reisen lebt von Begegnungen und Überraschungen, sagt Zeiss. Er befürchtet, dass „Zufall, Neugier und die Offenheit für das Unerwartete“ verloren gehen könnten. Wer nur noch das sehe, was zum bisherigen Verhalten passe, bewege sich in einer „touristischen Filterblase“.
Tourismusforscher Pechlaner beschreibt die Gefahr aus einer anderen Perspektive. Tourismus lebe von „Begegnungsräumen“ – bei der Vorbereitung, vor Ort und auch bei der späteren Erinnerung an eine Reise. Wenn Gäste nicht mehr die Rezeptionistin nach einem Restauranttipp fragen, sondern den KI-Chatbot, verändere sich auch die Gastfreundschaft.
Denn gerade das, was sich nicht planen lässt, gehört für beide Experten zum Wesen des Reisens. Diese Erfahrung sollte nicht vollständig optimiert werden. Pechlaner betont: KI könne bei Reiseplanung und Navigation helfen. Aber woran Menschen sich nach einer Reise erinnerten, seien die zwischenmenschlichen Begegnungen. „Das macht Reisen aus – und das wird auch KI nicht ersetzen.“