Was macht eigentlich . . .? „Das vergesse ich nie“ – Monika Bachmann über Ruhestand, Stolz und einen traurigen Vorfall
Serie | Kreis Saarlouis · Fast drei Jahrzehnte prägte Monika Bachmann die Politik im Saarland, darunter auch als Landrätin des Landkreises Saarlouis. Welcher Vorfall sie bis heute nicht mehr loslässt – und wie sich die ehemalige Gesundheitsministerin fit hält.
16.10.2026 , 06:28 Uhr
Als Landtagsabgeordnete, Landrätin des Landkreises Saarlouis und unter anderem Sozial- und Gesundheitsministerin prägte Monika Bachmann fast drei Jahrzehnte lang die Politik im Saarland. Mit dem Wechsel der Landesregierung schied sie 2022 aus dem Amt aus. Im Interview erzählt die 76-Jährige, wie sie ihren Ruhestand verbringt und wie sie sich fit hält.
Foto: BeckerBredel
Frau Bachmann, Sie waren von 1994 bis 2004 Landtagsabgeordnete, von 2004 bis 2011 Landrätin des Landkreises Saarlouis und danach Ministerin für Soziales, Inneres und Sport und Gesundheit, bis Sie 2022 aus dem Amt geschieden sind. Wie war für Sie damals der Übergang von der politischen Bühne in Ihren Ruhestand?
BACHMANN Es fällt einem nie leicht, den Ort zu verlassen, an dem man gerne gearbeitet hat – auch mit den Mitarbeitern. Allein kann man gar nichts machen. Aber ich war vorbereitet und wusste: Wenn ich ab morgen nicht mehr zur Arbeit fahren muss, dann mache ich Ehrenamt, und zwar zu mehr als 100 Prozent.
In welchen Ehrenämtern engagieren Sie sich?
BACHMANN Ich bin seit 23 Jahren die Kreisvorsitzende vom DRK-Kreisverband Saarlouis und seit drei Jahren DRK-Vizepräsidentin im Saarland. Zudem bin ich seit 2023 Vorsitzende des Stiftungsvorstands der cts Caritas-Stiftung Saarbrücken sowie der Gesellschafterversammlung der Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken mbH (cts). Dieses Amt habe ich vom ehemaligen Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi übernommen. Außerdem bin ich noch Vorsitzende des Stiftungsrates der Sportstiftung Saar am Olympiastützpunkt in Saarbrücken.
Was begeistert Sie so besonders am DRK?
BACHMANN Ich bin infiziert, weil ich hier tolle 800 Ehrenamtliche sowie 400 Hauptamtliche habe und weil wir als Einzige im südwestdeutschen Raum ein Katastrophenschutzzentrum gebaut haben. Ich bin jemand, der sich gerne sozial engagiert und so gehe ich gerne zu den Altenehrungen und zu Menschen mit Behinderung, da ich sie sehr schätze. Stolz bin ich auch auf die Rettungswachen. Als ich noch Landrätin war, hatte ich festgestellt, dass die alte Rettungswache gegenüber vom Landratsamt eine Katastrophe war. Mit meinem Mitstreiter Roland Henz, dem damaligen Oberbürgermeister von Saarlouis, der leider viel zu früh verstorben ist, haben wir für eine neue Rettungswache in Saarlouis gekämpft. Außerdem habe ich mich als Landrätin für die Dependancen des Rettungsdienstes eingesetzt.
Sieben Jahre lang waren Sie Landrätin des Landkreises Saarlouis, ehe Sie ins Kabinett der damaligen Ministerpräsidentin, Annegret Kramp-Karrenbauer, berufen wurden. Worauf blicken Sie zurück - positiv wie negativ?
BACHMANN Worauf ich heute noch mit Stolz blicke, ist, dass wir den Mut hatten, das Kinderland ins Leben zu rufen. Gott sei Dank hat mein Nachfolger das weiter und größer gemacht. Eine traurige Geschichte hatte ich 2007 mit den verwechselten Babys in Saarlouis. Das vergesse ich nie. Dadurch wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, denn so etwas darf nicht vorkommen. Als Frau, als Mutter, als Landrätin war das unheimlich schwer. In den folgenden Wochen der Aufarbeitung habe ich sehr gelitten. Ich war unheimlich gerne Landrätin, und es macht mich stolz, wenn ich heute durch Saarlouis gehe und jemand ruft: Unsere ehemalige Landrätin, wie schön, dass ich Sie noch mal sehe, das ist eine Ehre. Ich bin nur gegangen, weil ich ins Kabinett gerufen wurde. Diese Entscheidung habe ich mir jedoch nicht leicht gemacht.
52 Bilder
Bilder des Tages – die interessantesten Fotos aus aller Welt
52 Bilder
Foto: AFP/PETER PARKS
Haben Sie diese Entscheidung je bereut?
BACHMANN Nein. Aber wenn ich heute noch am Landratsamt vorbeigehe oder für einen dienstlichen Termin beim jetzigen Landrat bin, merke ich: Ich war gerne dort. Ich war aber auch sehr gerne in meinen Ministerien. Politik ist mein Leben.
Seit vier Jahren haben Sie aber kein politisches Amt mehr. Fehlt Ihnen die Politik?
BACHMANN Nein, aber ich bin sehr interessiert. Das Einzige, was ich noch mache, ist, in meinem eigenen Ortsverband Mitglied und Beisitzer und im Gemeindeverband kooptiert zu sein. Sie werden aber nie lesen, dass ich mich eingemischt habe. Ich könnte vieles kritisieren. Aber die Amtierenden sind jetzt dran und die werden ihre Arbeit auch ohne Kommentar der ehemaligen Ministerin machen.
Juckt es Ihnen dann aber doch vielleicht hin und wieder in den Fingern?
BACHMANN Natürlich. Aber ich sage nichts. Das heißt nicht, dass ich keine Meinung habe. Aber ich halte mich mit Kommentaren zurück.
Sie sagen, Sie interessieren sich nach wie vor für Politik. Wie empfinden Sie die aktuelle politische Lage?
BACHMANN Sie bereitet mir Sorgen. Wir müssen von Orts-, Gemeinde-, Kreis-, und Landesebene unsere Hausaufgaben machen und die beiden großen Volksparteien ihre Argumente so verarbeiten, dass der Bürger uns versteht. Das gelingt uns wohl nicht mehr. Wir müssen den Menschen das Gefühl geben: Es ist jemand da. Mein Stil war immer, die Menschen mitzunehmen. Solange das im demokratischen Spektrum bleibt, bin ich glücklich.
Als ehemalige Landrätin verfolgen Sie auch die Entwicklung des Landkreises. Was beschäftigt Sie da zurzeit?
BACHMANN Mich beschäftigt am allermeisten die politische Diskussion im Stahlbau, im Mittelstand und in der Wirtschaft generell. Nur wenn wir stark sind, können wir stark bleiben. Außerdem haben wir auch wieder Neuwahlen. Dann hätte ich gerne einen Kreistag, der mit dem Landrat oder der Landrätin eine gute Arbeit für den Landkreis macht. Aber auch da werde ich mich nicht einmischen.
Zurück zu Ihnen: Wie halten Sie sich fit?
BACHMANN Ich gehe ins Turnen und im Sommer jeden Tag schwimmen. Zudem fahre ich morgens nach dem Aufstehen auf dem Hometrainer Fahrrad.
Abseits dessen: Wofür haben Sie jetzt mehr Zeit?
BACHMANN Wenn Sie Vollzeitpolitiker sind, dann verpassen Sie viel in der Familie. Da muss ich noch viel nacharbeiten und dafür nehme ich mir jetzt Zeit, ebenso für meine Freunde. Außerdem bin ich seit drei Jahren im Italienischkurs, genieße meine Ruhe und dass ich Freunde treffen kann. Ansonsten ist mein Ehrenamt das, was mich ausmacht. Auf meine Initiative hin haben wir beim DRK seit einem halben Jahr einen Kurs für Gebärdensprache. Da mache ich selber mit. Man muss ein Vorbild sein. (pte)
-
Saarbrücken
-
Saarland
-
Saarlouis
-
Zur Startseite