Die schwarz-rote Koalition will den Kapitalmarkt stärker für die Absicherung im Alter nutzen. An diesem Freitag wird der Bundestag abschließend über die sogenannte Frühstartrente für Kinder beraten. Hier wird der wohltuende Effekt von Zins und Zinseszins sich besonders stark auswirken, weil das Kapital sechs Jahrzehnte zunächst steuerfrei für die Begünstigten arbeiten wird. Auf die übliche laufende Kapitalertragsteuer von 25 Prozent wird verzichtet. Daher werden Zuzahlungen etwa von Eltern begrenzt auf 6840 Euro im Jahr. Aber dieser Teil wird nicht gefördert, das heißt, diese Mittel müssen gegebenenfalls aus dem Nettoeinkommen geleistet werden. Der über die Jahrzehnte aufgebaute Kapitalstock wird dann nachgelagert besteuert, also erst im Alter. Allerdings schonend.
Künftig werden Kinder vom vollendeten sechsten Lebensjahr an zwölf Jahre jeden Monat zehn Euro vom Staat für ihre Altersvorsorge erhalten. Die Förderung fließt direkt in ein eigenes Depot, das die Eltern bei einem privaten Anbieter eröffnen können. Wird kein individueller Vertrag geschlossen, legt die Bundesbank das Geld kollektiv am Kapitalmarkt an. Bis zum 35. Lebensjahr können sich Betroffene ohne eigenes Depot ihre Mittel nachträglich abrufen und in einen eigenen Altersvorsorgevertrag stecken.
Zuzahlungen steigern die Altersvorsorge enorm
Welches Vermögen über die Jahrzehnte aufgebaut werden kann, hat das Bundesfinanzministerium in seinem aktuellen Monatsbericht aufgelistet. Die staatliche Förderung addiert sich über die zwölf Jahre auf 1440 Euro. Mit Zins und Zinseszins kann man mit 18 Jahren auf einen Depotwert von 2200 Euro kommen – und mit 65 Jahren auf rund 53.000 Euro, das allerdings ohne Garantie. So ein Betrag könnte für eine zusätzliche Monatsrente in der Größenordnung von 200 bis 300 Euro gut sein. Unterstellt wurde eine durchschnittliche Wertentwicklung von sieben Prozent. Das ist mit Sparbüchern, Tagesgeld, Anleihen nicht möglich. Doch entspreche dies der durchschnittlichen Rendite weltweit gestreuter Aktienanlagen nach Abzug etwaiger Kosten, heißt es. Die Geldentwertung ist bei der Prognose zu berücksichtigen. Das Bundesfinanzministerium kommt inflationsbereinigt immerhin noch auf rund 19.400 Euro – ohne Eigenleistung, wohlgemerkt.
Es gibt weitere Berechnungen für den Fall, dass Eltern, Onkel, Tanten oder Paten regelmäßig etwas zur Frühstartrente beisteuern: Eine Zuzahlung von zehn Euro führt am Ende zu 107.000 Euro, von 20 Euro zu 160.000 Euro und 50 Euro sogar rund 320.000 Euro. Inflationsbereinigt sind das immer noch rund 38.700 Euro, 58.100 Euro beziehungsweise 116.100 Euro. Bei der Berechnung der inflationsbereinigten Werte wurde eine jährliche Geldentwertung von zwei Prozent unterstellt.
Frühe Kapitalmarktbildung als zusätzliches Ziel
Nächstes Jahr geht es los. Als Erstes werden 2020 geborene Kinder profitieren – sie bekommen rückwirkend 120 Euro gutgeschrieben, zudem gibt es bis zum 18. Geburtstag zusätzlich zehn Euro. Der Jahrgang 2021 kommt dann schrittweise hinzu, jeweils mit dem sechsten Geburtstag. Das Geld soll in ein Standarddepot fließen. Um die Renditechancen zu erhöhen, wird das Kapital zu einem Teil auch in Aktien angelegt. So will man Kinder und Jugendliche früh mit den Chancen des Kapitalmarkts vertraut machen. Für das Standarddepot gilt ein Kostendeckel von einem Prozent des Kapitals. Der Anbieterwechsel soll ohne Extrakosten möglich sein.
Die Auszahlung der mit staatlicher Hilfe angesammelten Mittel ist frühestens nach dem 65. Geburtstag möglich. Andere Beiträge können vorzeitig ausgeschüttet werden, dann sind die darauf entfallenden Erträge zu versteuern. Im Alter wird die Differenz zwischen den entrichteten Beiträgen und der ausgezahlten Leistung besteuert. Bei langjährigen Vertragsverläufen – wie es bei der Frühstartrente der Fall sein wird – sollte zudem die Voraussetzung des Halbeinkünfteverfahrens erfüllt sein, danach wäre nur die Hälfte des Unterschiedsbetrags zu versteuern.
Die Kosten der Frühstartrente für den Bund belaufen sich auf jährlich knapp 80 Millionen Euro je Förderjahrgang. Wenn am Ende zwölf Geburtsjahrgänge unterstützt werden, sind das rund eine Milliarde Euro im Jahr.