Weber tut nach Gold-Wurf vom vielen Schreien der Kiefer weh

Stand: 16.08.2026, 05:30 Uhr

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Leichtathletik: Europameisterschaft

Jubelte nach seinem Gold-Wurf bei der EM: Julian Weber. © Sven Hoppe/dpa

Ein außergewöhnlicher Wurf beschert Favorit Julian Weber auf den letzten Drücker doch noch den zweiten EM-Titel. Danach lässt er seinen Gefühlen freien Lauf.

Birmingham - Nach dem zweiten Europameistertitel fiel alle Anspannung der vergangenen Monate, vielleicht sogar Jahre von Speerwurf-Ass Julian Weber ab. Viel fehlte nicht, und dem gebürtigen Mainzer wären nach dem Goldwurf bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham die Tränen gekommen.

„Meine komplette Familie, meine Eltern sind hier, meine Verlobte ist hier, und ich wollte einfach auch ihnen diesen Moment geben“, sagte der 31-Jährige. Daheim fieberten schon in der Qualifikation seine kleinen Neffen und Nichten mit. Weber wusste nicht, ob sie im Finale zu später Stunde in Deutschland noch auf waren, um seinen letzten Wurf auf 90,40 Meter live zu sehen. „Das macht das Ganze für mich noch emotionaler“, sagte der Wahl-Berliner beim Gedanken an die besonderen Fans.

Weber zeigt Nervenstärke: „So viel Adrenalin“

Seit dem ersten EM-Titel vor vier Jahren in München jagte Weber vergeblich einer Medaille bei einer WM oder Olympia hinterher, oft wurde ihm angesichts vierter Plätze fehlende Nervenstärke nachgesagt.

Das widerlegte er mit dem letzten Versuch, der im Alexander Stadium stürmisch gefeiert wurde - und Weber noch den Sieg vor dem Überraschungszweiten Nick Thumm brachte. Der erst 21 Jahre alte Stuttgarter hatte bis dahin mit 83,76 Metern fünf Zentimeter Vorsprung gehabt.

„Das war so viel Adrenalin, deswegen muss ich mir überhaupt erstmal angucken, was ich da gemacht habe“, sagte Weber und berichtete: „Mein Kiefer tut auch echt weh, ich habe so viel rumgeschrien, das musste einfach raus. So viel hat sich über die Monate angestaut.“

Wie der Tiger im Käfig

Beschwerden an der Schulter und der Achillessehne machten ihm zu schaffen, ließen nur wenige Würfe zu und führten zu einem verspäteten Saisoneinstieg. Wie ein Tiger im Käfig habe er sich gefühlt, erklärte Weber vor der EM. „Ich habe so viel darauf hingearbeitet, es war echt schwer, die schwerste Vorbereitung, die ich je hatte“, sagte Weber nun. „War wirklich echt nicht einfach.“

Und jetzt dieser Wurf, in diesem entscheidenden Moment: „Das ist auf jeden Fall der Wurf, wo mir am meisten ein Stein vom Herzen gefallen ist“, urteilte Weber. „Sehr, sehr besonders, schon mit so das geilste Feeling, das ich bisher so hatte.“ Das soll ihm nun auch auf dem Weg zur WM im kommenden Jahr in Peking und zu Olympia 2028 in Los Angeles helfen. dpa