«Lex Netflix» entblösst die Schwächen des Schweizer Fördersystems

Filmförderung: Die Schweiz ist Netflix nicht gut genug

Das neue Schweizer Filmgesetz verpflichtet Streaming-Firmen, in den Schweizer Film zu investieren. Allerdings zählen auch Trailer im Fernsehen als Investition. So war das nicht gemeint mit der «Lex Netflix».

16.08.2026, 05.30 Uhr

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Unternehmen wie Netflix zögern weiterhin, in Schweizer Filme und Serien zu investieren.

Unternehmen wie Netflix zögern weiterhin, in Schweizer Filme und Serien zu investieren.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Es klang nach einem Erfolg, was das Bundesamt für Kultur (BAK) vergangene Woche am Locarno Film Festival vermeldete: Internationale Streaming- und nationale Telekomanbieter investierten letztes Jahr 25 Prozent mehr in den Schweizer Film. Sie taten das, weil das neue Filmgesetz vorschreibt, 4 Prozent ihres jährlichen Umsatzes in Schweizer Produktionen zu investieren.

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Dieser Umsatz belief sich 2025 auf 817 Millionen Franken, was eine zu investierende Summe von 32,7 Millionen ergäbe. Das Problem ist aber, dass die Unternehmen zögern. So flossen nur 12 Millionen direkt ins Filmschaffen. Weitere 6,6 Millionen gingen in die Promotion von Filmen.

Das Parlament habe Sendern erlaubt, die Schaltung von Trailern im Fernsehen als «Investition» anzurechnen, erklärt das BAK. Der Produzent Ivan Madeo kritisiert, das sei sehr viel Lex-Netflix-Geld für Werbung: «Das sind mehrere Millionen von Schweizer Kulturgeldern, die an die Medienhäuser gehen. Wir als Filmschaffende finden das ungesund, und das war unseres Wissens auch nicht die Grundidee der Lex Netflix.»

Am deutlichsten zeigt sich das Zögern der Streamer bei den «aufgeschobenen Investitionen». Diese belaufen sich auf ganze 12,8 Millionen Franken. Das heisst, Netflix und Co. finden hier nach wie vor zu wenige attraktive Projekte.

Der BAK-Sprecher äussert sich zuversichtlich, dass dies bis zum Ende der ersten Vierjahresperiode 2027 gelinge: «Wenn wir erst mal High-End-Serien haben, werden wir das Volumen wahrscheinlich erreichen.» Aber wo sollen diese Qualitätsserien herkommen? Das BAK selbst sagt: «Uns gehen die Drehbücher aus.» Filmschaffende weisen seit Jahren auf das Problem hin, dass ausgerechnet die Entwicklung von Stoffen viel zu schlecht finanziert sei. Vom BAK, einer der drei wichtigen Förderstellen, gibt es für die Entwicklung im Schnitt pro Jahr 20-mal weniger Geld als für die Herstellung.

Was also nach Erfolgsmeldung klang, hebt nun Schwächen des Fördersystems hervor.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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Das Locarno Film Festival zeigte auf der Piazza die Schweizer Serie «The Deal». Diese kann locker mit internationaler Konkurrenz mithalten. Mehr davon, bitte. Dank der «Lex Netflix» wäre jetzt auch Geld dafür vorhanden.