„Prinzip wende ich auch heute noch an“: Weggefährte enthüllt Lebensweisheit von Michael Schumacher

Stand: 03.09.2026, 08:32 Uhr

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Michael Schumacher prägte Ferrari – und hinterließ Weggefährte Stefano Domenicali einen besonderen Rat. Am Wochenende in Monza wird es emotional.

Monza – Stefano Domenicali kennt Michael Schumacher aus jener Ferrari-Zeit, in der die Scuderia wieder zum Maßstab der Formel 1 wurde. Der Italiener arbeitete seit den 1990er-Jahren in verschiedenen Funktionen für das Team und erlebte Schumachers Aufstieg aus nächster Nähe. Im Gedächtnis blieb ihm nicht nur das Talent des Deutschen, sondern vor allem eine Arbeitsweise, die bis heute als Beispiel für Spitzenleistung gilt.

Stefano Domenicali und Michael Schumacher gingen jahrelang gemeinsam durch die Formel 1.

Stefano Domenicali und Michael Schumacher gingen jahrelang gemeinsam durch die Formel 1. © picture-alliance/ dpa | Jens Buettner

An diesem Wochenende ehrt der italienische Rennstall beim Großen Preis von Italien in Monza den Deutschen. Anlass ist seine erste Saison bei der Scuderia, die inzwischen 30 Jahre zurückliegt. Lewis Hamilton und Charles Leclerc sollen besondere Rennanzüge tragen, zudem treten die Ferrari-Autos mit einer Sonderlackierung und Schumachers Logo an. Im Vorfeld blickt Stefano Domenicali auf die Zusammenarbeit mit dem Rekordweltmeister zurück.

Michael Schumacher prägte Weggefährte bis heute

Im Gespräch mit dem Corriere della Sera schilderte Domenicali, was er von Schumacher gelernt hat: „Mit Michael zu arbeiten, hat mir gezeigt, dass man manchmal langsamer werden muss, um danach schneller voranzukommen.“ Eine wörtliche Lebensweisheit Schumachers ist das nicht, sondern Domenicalis persönliche Lehre aus der gemeinsamen Zeit. Wer gelegentlich das Tempo herausnimmt, gewinnt Abstand und kann anschließend gezielter handeln.

Schumacher zerlegte eine Runde in kleinste Abschnitte: jede Kurve, jeden Bremspunkt und jede Einstellung. Laut Domenicali konnte er eine Strecke sogar mit geschlossenen Augen in seinem Kopf abspulen – in einer gedanklichen Superzeitlupe. In jedem einzelnen Bild suchte er nach einer kleinen Verbesserung. Aus dieser Detailarbeit entstand das Vermächtnis des Rekordweltmeisters.

Für Ferrari war diese Akribie ein enormer Vorteil. Schumacher lieferte den Ingenieuren konkrete Hinweise für die Weiterentwicklung des Autos. Er war nie zufrieden und wollte die Fahrzeugbalance immer genauer auf seine Bedürfnisse abstimmen. Auch bei den Einstellungen am Lenkrad suchte er nach zusätzlichen Möglichkeiten. Fahrer und Technik wurden so zu einem gemeinsamen Projekt, das jedes noch so kleine Potenzial ausschöpfen sollte.

Ebenso prägend war Schumachers Umgang mit dem Team. Domenicali betonte, der Weltmeister habe die Scuderia niemals öffentlich für ein Problem verantwortlich gemacht. Als Schumacher 1999 in Silverstone nach einem Bremsproblem verunglückte und sich ein Bein brach, blieb eine Schuldzuweisung aus. Intern konnte er Fehler klar ansprechen, nach außen aber stand er vor seiner Mannschaft. So wuchs das Vertrauen im Team.

Für Domenicali ist dieser Gedanke bis heute relevant. „Dieses Prinzip wende ich auch heute noch im Geschäft der Formel 1 an“, sagte der heutige CEO. In der Königsklasse gehe es ebenfalls darum, den Kopf freizubekommen und Entscheidungen nicht vorschnell zu treffen. Die Ehrung in Monza erinnert dabei an Schumachers erste Ferrari-Saison und an seine prägende Zeit bei der Scuderia. (kk)