Wehrheim begrenzt Solarflächen: Maximal 10 Hektar pro Anlage

Stand: 15.09.2026, 19:06 Uhr

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Gerade der Ortskern wird als attraktive Lage für Einzelhandel bezeichnet. Allerdings fehlt gerade dort ausreichend Platz für beispielsweise einen Discounter.

Gerade der Ortskern wird als attraktive Lage für Einzelhandel bezeichnet. Allerdings fehlt gerade dort ausreichend Platz für etwa einen Discounter. Ein Wirtschaftsförderer könnte zudem neue Firmen ins Apfeldorf locken. © Friedrich

Die Gemeinde Wehrheim hat einen Leitfaden für Fotovoltaik auf Gemeindeflächen beschlossen. Er schreibt vor, dass einzelne Anlagen höchstens 10 Hektar groß sein dürfen.

Wehrheim – Als die Gemeindevertreter am Freitag die Holzbachtalhalle verließen, war es bereits 23 Uhr. Die Tagesordnung war außerordentlich lang, es gab zahlreiche Anträge abzuarbeiten, und auch die Berichte aus den Ausschüssen und Verbänden zogen sich. Insgesamt kann man sagen: Die gute und konstruktive Kommunikation der Fraktionen miteinander wurde auch mit dem Wechsel der Regierungskoalition nicht eingestampft, sondern in der ganzen Wehrheimer Ausschussrunde bis hin zur Gemeindevertretersitzung beibehalten. Und die Ausschüsse scheinen an geballter Fachkompetenz noch einmal eine ganze Schippe zugelegt zu haben.

Einer der wohl wichtigsten Punkte an diesem Abend war der Beschluss eines Leitfadens für den Umgang mit Fotovoltaik auf Flächen im Gemeindegebiet. Anfragen dazu habe es bereits gegeben, bekräftigte auch Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) lakonisch. Nun jedoch habe man mit dem (mit einigen Enthaltungen) beschlossenen Leitfaden ein rechtssicheres Handout in der Hand, welches die Gemeinde etwaigen Interessenten in die Hand drücken und an dem sie sich selbst entlanghangeln kann, wenn eine Firma mit einem Angebot daherkommt.

Wichtig war der SPD vor allem, dass bestimmte sensible Naturschutz- und FFH-Gebiete nicht überbaut werden dürfen (was schon alleine aus Rechtsgründen nicht gehe, betonte Sommer). Zudem wollte die SPD im Leitfaden noch zusätzlich den Hinweis, dass ein Investor gleichzeitig prüft, ob die Errichtung eines Energiespeichers nicht sinnvoll sei. Ein Vorschlag, der von allen anderen Fraktionen nur zu gerne in den Leitfaden aufgenommen worden ist.

Hintergrund für die Erstellung des Leitfadens waren Absichten des norwegischen Unternehmens Statkraft, das in Weilrod eine der größten Fotovoltaikflächen Deutschlands errichten wollte. Weilrod hatte dem Mammutprojekt in letzter Minute mit der Erstellung des Leitfadens einen Riegel vorgeschoben. Hätte das doch bedeutet, dass eine Fläche in der Größe des Bizzenbachtals vollständig von Anlagen überbaut worden wäre. Wehrheim hatte dies übernommen. Nun dürfen auch im Apfeldorf die Flächen, auf denen Fotovoltaik errichtet werden darf, höchstens 10 Hektar groß sein. Der Leitfaden war von Umweltkoordinator Martin Ringwald zweimal an Wehrheims Bedürfnisse angepasst worden.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der am Freitagabend zur Abstimmung kam (und auch mehrheitlich angenommen wurde), war ein Antrag der Koalition bezüglich einer Wirtschaftsförderung. Denn das vor ein paar Wochen vorgestellte Einzelhandelskonzept erfordere noch einige Weiterentwicklungen. Dazu gehören auch ein Beteiligungsverfahren, bei dem Nachbarkommunen einbezogen werden müssen, sowie ein formaler Beschluss. Die bisherige Wirtschaftsförderung sei dafür nicht ausreichend ausgestattet, betonte Ingmar Rega von der FDP dazu, zumal Amtsleiter Volker Minet bald in Rente gehen wird. Die Koalition möchte mit ihrem Antrag der Wirtschaftsförderung ausreichend Raum geben. Zudem würden weitere Kapazitäten eines neuen Amtsleiters durch die (in dieser Sitzung ebenfalls beschlossene) interkommunale Zusammenarbeit im Vergabewesen mit Oberursel und Glashütten frei, an der übrigens auch andere Kommunen bereits Interesse bekundet haben. Genau dieser Bereich erfordert in den Verwaltungen einiges an Fachkompetenz, während Oberursel in dem Bereich mit Spezialisten ausgestattet ist.

Sowohl Grüne als auch SPD forderten diesbezüglich einiges an Erklärungen. Für sie sei dies, kurz gesagt, die Schaffung einer Stelle durch die Hintertür und das bei der momentanen Finanzsituation. „Dieser Antrag ist kein Freibrief für eine Stellenvermehrung“, betonte Grünen-Fraktionsführer Torsten Kunz. Patrick Fuß von der SPD wollte wissen, welche Qualifikation ein Wirtschaftsförderer mitbringen sollte, während der Bürgermeister in diesem Zusammenhang hervorhob, dass Personalangelegenheiten immer noch Sache des Gemeindevorstands seien.

Rega versuchte dann, die Intention der Koalition zu erläutern. Er erklärte, dass natürlich dem Gemeindevorstand vorbehalten sei, zu beurteilen, welche zusätzlichen Kompetenzen geschaffen werden sollen. Man wolle keine klaren Vorgaben machen. Und Fraktionsvorsitzender Teja Müller (CDU) betonte in dem Zusammenhang noch, dass man dem Stellenplan nicht vorgreifen wolle, sich aber an der Stelle des Wirtschaftsförderers jemanden mit Kompetenz und Vernetzung wünsche.