Hilfe für Opfer von Straftaten
50 Jahre Weißer Ring: Opferschutz wird wichtiger denn je
Stand: 29.09.2026 13:32 Uhr
Seit 50 Jahren unterstützt der Weiße Ring Opfer von Straftaten. Doch die Anforderungen wachsen: Neben häuslicher Gewalt beschäftigen die Helfer zunehmend auch digitale Kriminalität. In Sachsen-Anhalt kann der Weisse Ring auf ein flächendeckend großes Netz zurückgreifen, sucht aber gleichzeitig neue ehrenamtliche Helfer.
von Fabian Brenner, MDR SACHSEN-ANHALT
Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt in Sachsen-Anhalt in einem Wort beschrieben: überbordend. So sagt es Cornelia Enke. Sie ist Landespräventionsbeauftragte beim Weißen Ring und leitet die Außenstelle in Dessau-Roßlau. "Seit Corona ist das wirklich eskaliert. Man kann sagen, dass es doppelt so viele Fälle gibt." Häusliche Gewalt ist nur eines der zentralen Themen, mit denen sich Cornelia Enke und ihre Kolleginnen und Kollegen beschäftigen.
Neue Herausforderungen durch digitale Gewalt
Zunehmend geht es auch um digitale Gewalt. "Es gibt mittlerweile Delikte, an die vor 50 Jahren noch nicht zu denken war", sagt Kerstin Godenrath. Seit mehr als vier Jahren ist sie Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt.

Setzen sich für den Opferschutz ein: Kerstin Godenrath, Prof. Dr. Hans-Jürgen Sack, Cornelia Enke und Antje Häge bei einer Veranstaltung des Weissen Rings im März 2026.
Ehrenamtliche Helfer dringend gesucht
Sie ist stolz auf rund 600 Mitglieder im Land und die knapp 80 ehrenamtlichen Helfer in insgesamt 14 Außenstellen. "Das klingt erstmal sehr toll. Aber wir haben auch Außenstellen, die personell kaum oder gar nicht besetzt sind", ist Godenrath ehrlich. In solchen Fällen würden andere Außenstellen aushelfen. Das könne aber kein Dauerzustand sein.
Man hört wirklich viele schreckliche Geschichten. [...] Aber es ist gleichzeitig auch sehr erfüllend. Kerstin Godenrath, Landesvorsitzende des "Weißer Ring Sachsen-Anhalt e. V."
Man brauche unbedingt mehr Opferhelfer und Menschen, die sich beim Weißen Ring engagieren wollen. "Man hört wirklich viele schreckliche Geschichten. Das ist nicht vergleichbar mit vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Aber es ist gleichzeitig auch sehr erfüllend, wenn man anderen Menschen die Möglichkeit gibt, wieder in ihr Leben zurückzufinden."
Der Weiße Ring
Der Weiße Ring wurde 1976 von 17 Frauen und Männern gegründet – unter ihnen der Journalist und bekannte Fernsehmoderator der Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst" Eduard Zimmermann.
Ziel des Vereins ist es, Menschen zu unterstützen, die Opfer einer Straftat geworden sind, und ihnen auf dem Weg zurück in den Alltag zu helfen. Die Hilfe reicht von Beratung und Begleitung zu Polizei- oder Gerichtsterminen über Unterstützung bei Anträgen bis hin zur Vermittlung von Anwälten, Trauma-Ambulanzen und anderen Fachstellen. In Notlagen kann der Weisse Ring auch finanzielle Soforthilfe leisten.
Bundesweit ist der Verein mit zahlreichen Außenstellen vertreten und arbeitet überwiegend mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Das Opfer-Telefon des Weissen Rings ist täglich von 7 bis 22 Uhr unter 116 006 erreichbar.
Hilfe ohne große Hürden
Die Hilfe durch den Weißen Ring hat unterschiedliche Formen. Entscheidend für die Opferschützer ist, dass es keine Hürden zur Hilfe gibt. Um Hilfe zu bekommen, sei nicht zwingend eine Anzeige bei der Polizei erforderlich, sagt Kerstin Godenrath. "Unser Grundsatz ist: Wir glauben den Opfern".
MDR (Fabian Brenner, Susanne Liermann), zuerst veröffentlicht am 25.09.2026