Wein: Warum deutschen Winzern der heiße Sommer nützen könnte
Die Winzer kämpfen mit den Folgen des extremen Sommerwetters. Carolin Spanier-Gillot und Hans Oliver Spanier erklären jedoch, welche Chancen für deutsche Weine das mit sich bringen könnte.
Carolin Spanier-Gillot und Hans Oliver Spanier: Hitze ist kein Stress. Foto: Greiner
Hohen-Sülzen. Frau Spanier-Gillot, Herr Spanier, Ihre Kollegen stehen Mitte August schon im Weinberg, teils vier Wochen früher, als sie erwartet hatten. Manches Weingut sucht per Facebook spontan Erntehelfer, die vorzeitig einspringen können. Warum sitzen Sie so entspannt hier?
Carolin Spanier-Gillot: Weil es absehbar war. Schon über das ganze Jahr hinweg, mit Blick auf Witterungsverlauf und Vegetationsentwicklung. Vor einigen Tagen haben wir die ersten Reifemessungen gemacht, und wir sind weit weg von der Lese. Wir haben noch mindestens bis Ende August Zeit.
Haben Sie hier anderes Wetter gehabt?
Hans Oliver Spanier: Nein, aber wir waren genau darauf vorbereitet. Reifung, Laubwandmanagement, Bodenbearbeitung – das haben wir auf dem Tableau. Und wir haben unsere Lagen beim Erwerb auch schon dahin konzipiert. Das Zellertal zum Beispiel liegt teilweise auf 240 Metern. Da werden die Trauben sehr spät reif, auch unter diesen Bedingungen.
Was bringt das mit sich?
Carolin Spanier-Gillot: Reife kann auch ein wertvolles Gut sein. Wenn Weine zu früh geerntet werden, sind sie manchmal ein halbes Prozent niedriger im Alkohol, aber sie sind teilweise sehr bitter. Wir nennen das auch Bleistiftton. Das ist wahnsinnig unsexy und nicht schön zu trinken.

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