Wenn der Strand tiefergelegt wird: Das wohl ungewöhnlichste Tuning-Treffen an der Adria

Stand: 16.09.2026, 18:50 Uhr

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250 Autos, ein Strand, viel Tiefgang: Das ist Stance Adria.

Jadranovo kann sehr leise sein. Kleine Motorboote dümpeln im Hafen, daneben ein paar Fischerboote und Yachten. Aus den Bars am Wasser kommt Musik, vor ihnen glitzert die kroatische Adria. Wer hierherkommt, rund 25 Autominuten südlich von Rijeka und mit Blick auf die Brücke zur Insel Krk, sucht normalerweise Sonne, Meer und ein bisschen Ruhe.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.

Am vergangenen Wochenende funktionierte Jadranovo allerdings anders. Da hörte man die Autos manchmal schon, bevor man sie sah. Motoren dröhnten aus den Hügeln über dem Ort, Fehlzündungen knatterten durch die Straßen. Ein beachtlicher Teil europäischer Tuningkultur rollte hinunter ans Meer.

Wenn der Strand tiefergelegt wird: Das wohl ungewöhnlichste Tuning-Treffen an der Adria

250 Autos, ein Strand, viel Tiefgang: Das ist Stance Adria. © © News in Five / stl

Stance Adria war in der Stadt.

Am 11. und 12. September verwandelte sich der sonst picobello aufgeräumte Strand von Jadranovo innerhalb weniger Stunden in eine ungewöhnliche Freiluft-Automesse. Wo normalerweise Handtücher und Sonnenliegen stehen, parkten plötzlich BMW, Audi, Mercedes, VW, Mini und zahlreiche weitere Marken dicht nebeneinander.

Und zwar möglichst tief.

Stance bedeutet: Hauptsache runter

Denn Stance ist eine spezielle Spielart der Tuning-Szene. Dabei geht es vor allem um die Haltung des Autos – daher der Name. Fahrzeuge werden extrem tiefergelegt, Räder und Kotflügel möglichst exakt aufeinander abgestimmt. Teilweise stehen die Reifen sichtbar schräg im Radkasten. Entscheidend ist weniger maximale Motorleistung als der gesamte Look.

Das Ergebnis ist nicht unbedingt praktisch. Dafür ist es kaum zu übersehen.

Am Strand leuchteten Lackierungen in Farben, die man auf normalen Parkplätzen eher selten findet. Breite Felgen füllten die Radkästen aus, Auspuffrohre erreichten mitunter das Format eines Regenrohrs. Vor allem aber schwebten manche Karosserien nur wenige Millimeter über dem Asphalt – oder hier eben dem Sand.

Was zwangsläufig zu einer Frage führte: Wie kamen diese Autos überhaupt heil bis an den Strand?

Viele Besitzer nutzen dafür ein höhenverstellbares Luftfahrwerk. Luftbälge ersetzen oder ergänzen dabei klassische Federn. Auf Knopfdruck kann das Auto für Bodenwellen, Rampen oder schlechte Straßen angehoben und später für die Ausstellung wieder abgesenkt werden. Andere fahren dagegen ein dauerhaft tiefes Fahrwerk – und müssen entsprechend vorsichtig unterwegs sein.

2.500 Bewerbungen für 250 Plätze

Stance Adria wurde 2018 erstmals veranstaltet. Die Premiere entstand nach Angaben der Organisatoren ziemlich spontan und wurde innerhalb von weniger als einem Monat auf die Beine gestellt. Rund 80 Fahrzeuge kamen damals nach Jadranovo.

Den heutigen Strand gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Die Autos standen am Wasser rund um die Grote Bar und entlang der Straße. Erst während der Corona-Pause wurde das heutige Badeareal aufgeschüttet.

Organisator Matej Marijanović zeigte am Freitag auf die Bucht. „Damals gab’s den Strand hier noch gar nicht“, sagte er.

Als Stance Adria 2023 nach der Pause zurückkehrte, änderte sich die Dimension der Veranstaltung. „Da ging’s ab“, erinnerte sich Marijanović. Drohnenvideos und Bilder der Fahrzeuge verbreiteten sich im Netz, die Veranstaltung wurde über Kroatien hinaus bekannt.

2025 wurde daraus erstmals ein zweitägiges Event mit DJ-Partys und Auftritten zweier bekannter kroatischer Rapper am Strand.

In diesem Jahr war das Interesse noch einmal größer. Rund 2.500 Autobesitzer hatten sich um einen Platz beworben. 250 wurden ausgewählt.

Mehr passten schlicht nicht hin.

Marijanović rechnete am Freitag für beide Tage zusammen mit rund 10.000 Besuchern. „Kommt ein bisschen aufs Wetter an“, sagte er.

Autos aus ganz Europa – Besucher sogar aus Brasilien

Der Strand ist ein wesentlicher Teil des Konzepts. Eine klimatisierte Messehalle könnte zwar angenehmer für empfindliche Lackierungen sein. Sie hätte aber weder die Adria im Hintergrund noch die Möglichkeit, nach dem Rundgang einfach ins Meer zu springen.

„Natürlich die Lage am Strand und das Meer“, sagte Marijanović auf die Frage, was Stance Adria von klassischen Tuningtreffen unterscheidet. „Man kann das Event sehr gut mit einem Urlaub verbinden. Viele Teilnehmer und Besucher sind rund um den Termin ein bis zwei Wochen hier.“

Das Publikum komme inzwischen aus weit entfernten Ländern. Besucher seien sogar aus Kanada und Brasilien angereist. Auch die Fahrzeuge kamen längst nicht nur aus Kroatien und den Nachbarländern. Teilnehmer waren beispielsweise aus Großbritannien oder Portugal angereist.

Einer von ihnen hatte einen etwas kürzeren Weg hinter sich – wenn auch immer noch einen ziemlich langen.

Jean-Noel war aus Miramas in Südfrankreich angereist. Mitgebracht hatte er einen Mini von 1991. Natürlich nicht mehr im Originalzustand.

Der vielleicht kleinste Star am Strand

Zwischen großen Limousinen, breiten Karosserien und mächtigen Rädern wirkte der kleine Brite beinahe wie ein Spielzeug. Neben einem alten Fiat 750 und einem Mofa dürfte Jean-Noels Mini zu den kleinsten Fahrzeugen auf dem Gelände gehört haben.

Unauffällig war er deshalb noch lange nicht, denn der Franzose hatte den Wagen tüchtig aufgemotzt.

Jean-Noel besitzt den Wagen seit 15 Jahren. Sämtliche Veränderungen daran habe er selbst vorgenommen. Wie viele Arbeitsstunden darin stecken?

„Unmöglich zu sagen. Viele.“

Er fährt mit dem Mini zu Treffen quer durch Europa. Großbritannien, Deutschland und Portugal standen bereits auf dem Reiseplan. In seiner Heimatregion hat er sogar einen eigenen Club gegründet.

Bei Stance Adria war er trotzdem zum ersten Mal.

Warum man Tausende Kilometer fährt, um sein Auto an einen kroatischen Strand zu stellen, beantwortete Jean-Noel deutlich: „Ich mache das aus Freude an der Sache. Es macht großen Spaß, einzigartig zu sein.“

Das könnte als inoffizielles Motto für einen erheblichen Teil des Parkplatzes durchgehen.

Drei Monate Arbeit – und dann kommt der Regen

Ein paar Autos weiter wischte Benjamin aus Ungarn über seinen BMW E60. Am Freitagmorgen war ein kurzer Regenschauer über Jadranovo gezogen. Für normale Autos wäre damit die Sache erledigt gewesen.

Für ein Ausstellungsauto begann danach die nächste Runde Putzen.

Drei bis vier Monate hatte Benjamin an seinem BMW gearbeitet. Tiefe Stoßfänger, Fahrwerk und zahlreiche kleinere Details hatte er verändert, bevor das Auto für seinen ersten Auftritt bei Stance Adria bereit war.

Auch ihn interessierte dabei nicht nur das eigene Fahrzeug.

„Ich habe hier viel gelernt“, sagte Benjamin. „Dieser Autolifestyle, den man hier sieht, der begeistert mich.“

Genau das ließ sich am Freitag auf dem Gelände beobachten. Die Besucher liefen langsam zwischen den Fahrzeugen hindurch, gingen in die Hocke und fotografierten Felgen, Motorraum, Innenausstattung oder Lackdetails. Besitzer begutachteten die Umbauten der anderen, diskutierten über Technik oder standen einfach neben ihren Autos und beantworteten Fragen.

Es ging um Individualität, aber erstaunlich viel davon fand gemeinsam statt.

Natalie und Maty aus Tschechien wussten inzwischen ziemlich genau, was sie erwartete. Sie waren zum dritten Mal in Folge bei Stance Adria. „Mir gefällt dieses ungewöhnliche Setting“, sagte Natalie. Maty besucht mit ihr regelmäßig Car-Shows in anderen Ländern. Trotzdem steche Jadranovo heraus: „Wir besuchen viele solche Treffen, aber dieses hier ist wirklich etwas Besonderes.“

Natalie schaute bei den ausgestellten Autos vor allem auf Felgen und Lackierung. Das Interesse ist nicht nur theoretisch: Zu Hause steht ein VW Scirocco, an dessen Design sie selbst arbeitet. Dass Tuning noch immer eine Männerdomäne sei, konnte sie zumindest hier nicht erkennen. Ihr Eindruck: Frauen und Männer seien bei Stance Adria ungefähr gleich stark vertreten. „Ich fühle mich hier komplett am richtigen Ort.“

Auch Marie und Pascal waren eigens für das Treffen angereist. Vier Tage verbrachten die beiden vom Bodensee in Kroatien. Marie gefiel vor allem die Mischung: „Hier treffen so viele unterschiedliche Autos, Nationen und Tuning-Kulturen aufeinander.“

Pascal schaute stärker auf den Aufwand hinter den Fahrzeugen. Gerade extremes Stance-Tuning sei alles andere als Standard. „Das ist sehr teuer, und am Ende macht man es eigentlich nur für die Optik“, sagte er anerkennend.

„Die Veranstaltung hat einen richtig guten Vibe, die Leute sind alle gut drauf und die Szenerie ist wirklich schön“, sagte Marie. Pascal sah vor allem einen Unterschied zu Veranstaltungen zu Hause: „Ich kenne keine andere Show, bei der die Autos so nah am Wasser stehen. Wir kommen vom Bodensee – dort würde niemand auf die Idee kommen, die Fahrzeuge so nah ans Ufer zu stellen.“

Für zwei Tage gehörte der Strand den Autos

Für Jadranovo war das ein deutlicher Kontrast zum normalen Septemberbetrieb. Noch immer verbringen Urlauber hier ihre letzten Sommertage, Einheimische aus Rijeka und den umliegenden Orten kommen am Wochenende ans Wasser.

Auch für die Gastronomie im Ort ist Stance Adria längst ein wichtiges Wochenende. „Wenn das Wetter gut ist, sind das die besten Tage der Saison“, sagte der Besitzer einer der Bars am Strand. Ganz mitspielen wollte das Wetter am Freitag zwar nicht: Immer wieder zogen kurze Regenschauer über Jadranovo. Die Gäste schien das kaum zu stören. Auf der Terrasse war trotzdem fast jeder Platz besetzt.

Abseits des Events eskaliert ein illegales Treffen

Während Stance Adria in Jadranovo friedlich verlief, sorgte ein davon unabhängiges, nicht angemeldetes Autotreffen in der Region für erhebliche Probleme. Nach einem Bericht der „Kleinen Zeitung“ versammelten sich Tausende Tuning-Fans unter anderem auf der Insel Krk und auf Cres, aber auch im Industriegebiet Kukuljanovo und entlang der Staatsstraße DC3 Richtung Rijeka.

Straßen, Tankstellen und Parkplätze wurden demnach zeitweise blockiert. Die Polizei sprach von äußerst mobilen Teilnehmern, die sich über ihre jeweiligen Standorte austauschten und immer wieder spontan an anderen Orten zusammenkamen. Gemeldet wurden unter anderem illegale Rennen, Verkehrsunfälle und Sachbeschädigungen. Bis Sonntagabend stellte die Polizei laut dem Bericht 365 Strafzettel wegen Verkehrsverstößen aus, 43 Fahrzeuge wurden stillgelegt. Auch zwei Polizeifahrzeuge wurden beschädigt.

Mit dem offiziellen Stance-Adria-Treffen hatte diese Eskalation nach Darstellung der Veranstalter nichts zu tun. Sie erklärten nach dem Wochenende auf Instagram, sie hätten bereits zuvor versucht, das illegale Treffen zu verhindern. Es habe E-Mails, Telefonate und Nachrichten an die Polizei gegeben. Auch die Person hinter dem nicht genehmigten Treffen sei aufgefordert worden, die Veranstaltung abzusagen. Die Organisatoren wandten sich gegen Vorwürfe, Stance Adria sei für die Vorfälle verantwortlich.

Auch der Autoclub AK Redline Rijeka hatte bereits vor dem Wochenende öffentlich vor illegalen Aktionen gewarnt. Rücksichtsloses Fahren, Driften und Rennen auf öffentlichen Straßen, übermäßiger Lärm oder Straßenblockaden hätten in der lokalen Autoszene keinen Platz. Die Botschaft: Wer wegen der Autos nach Kroatien kommt, soll Gesetze, Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer respektieren.

Die Folgen des illegalen Treffens könnten über dieses Wochenende hinausreichen. Nach Angaben der „Kleinen Zeitung“ plant das kroatische Innenministerium schärfere Regeln. Für die Organisation oder Teilnahme an solchen nicht genehmigten Autotreffen sollen Geldstrafen zwischen 1.320 und 2.650 Euro möglich werden, außerdem Fahrverbote von bis zu sechs Monaten.

„Stance Adria“ – Legal und begeisternd

Für Marijanović und die Organisatoren von Stance Adria ging es dagegen weiterhin um genau das Gegenteil: ein legales Treffen, bei dem die gemeinsame Begeisterung für Autos im Vordergrund steht.

Was sollten Besucher und Teilnehmer aus dem Wochenende mitnehmen?

„Am Ende sollen die Teilnehmer und Besucher sich hier gut unterhalten haben, den Vibe mitnehmen und Lust haben, nächstes Jahr wiederzukommen.“

Das klang zunächst nach klassischem Veranstaltersatz. Am Strand ergab es allerdings ziemlich genau Sinn.

Zwischen Bars, DJ, Merch-Ständen und 250 Autos mit zusammen reichlich Motorleistung wirkte Stance Adria am Freitag erstaunlich entspannt. Menschen fotografierten, fachsimpelten, tranken etwas und schauten aufs Meer. Die Besitzer polierten noch einmal über den Lack, andere suchten bereits das nächste Detail, das sie an ihrem eigenen Auto verändern könnten.

Und während manche Karosserien so tief lagen, dass zwischen Auto und Boden keine Hand mehr passte, war die Stimmung ausgerechnet hier ziemlich unangestrengt. Seit Sonntag gehört der Strand wieder den Badegästen. Bis nächsten September.