"Schlimmste Zeit in unserem Leben" - Wenn Frühchen krank werden

Es ist eine Tragödie, die auf der Frühchenstation der St. Louise Frauen- und Kinderklinik in Paderborn passiert ist. Ein Neugeborenes ist nach einer Infektion mit einem sogenannten Enterobacter-Bakterium gestorben. Drei weitere Frühchen sind infiziert, eines davon schwebt in Lebensgefahr. Viele Eltern von Frühchen haben jetzt Angst, dass ihrem Kind so etwas auch passieren könnte.

Nach der Entbindung war es still

Ein Gefühl, das Celina Groneschild und Nicolas Hand zu gut kennen. Die beiden sind Eltern der kleinen Clara. Ihre Geburt war eine Not-OP und 16 Wochen zu früh. Nach der Entbindung war es im Kreißsaal ganz still, erinnert sich Claras Mama. Kein Schreien, nichts. Dann musste Clara mehrfach operiert werden - auch weil sie sich auf der Frühchenstation mit einem Virus infiziert hatte.

"Das war definitiv die schlimmste Zeit in unserem Leben." Nicolas Hand, Vater von Clara

Es sei ein ständiges Auf und Ab gewesen, sagt der junge Vater. "Man stand permanent unter Strom", fügt Mutter Celina Groneschild hinzu. Erst hatte Clara eine Hirnblutung, dann gelangte über eine Spritze ein Virus in ihren Kopf. Über Wochen musste Clara mit Antibiotika behandelt und mehrfach operiert werden. "Es war einfach Pech, dass es ausgerechnet bei ihr passiert ist."

Dieser Keim sei so tief im Gehirn des kleinen Mädchens gewesen, dass es relativ schwierig gewesen sei, ihn mit Antibiotika über die Vene zu behandeln. Die ersten sieben Wochen ihres Lebens habe Clara auf der Intensivstation verbracht.

Eltern fühlen sich oft hilflos

Was die Eltern der Frühchen in dem Krankenhaus in Paderborn gerade durchmachen, können Celina Groneschild und Nicolas Hand bestens nachempfinden. Als Angehöriger fühle man sich hilflos, weiß Vater Nicolas Hand.

Frühchen sind besonders empfindlich

"Frühgeborene sind eine besondere Patientengruppe: das Immunsystem ist noch nicht voll entwickelt." Heinz-Wilhelm Esser, Facharzt für innere Medizin

Das liege daran, dass Haut und Schleimhautbarrieren noch unreif seien, so der Mediziner. Viele Frühchen bekämen Atemunterstützung über Katheter und Sonden, die Eintrittspforten für Bakterien seien.

Clara hat die ersten schweren Monaten ihres Lebens hinter sich. Welche Folgeschäden sie aus der Zeit mitgenommen hat, wissen ihre Eltern noch nicht. Doch jeder Tag mit ihr sei ein Geschenk.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Celina Groneschild und Nicolas Hand
  • WDR-Gespräch mit Heinz-Wilhelm Esser, Facharzt für innere Medizin

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 22.08.2026, 18.45 Uhr