Werder Bremens aktueller Weg bietet Siege – aber auch noch viel Raum für Verbesserungen

Stand: 02.08.2026, 17:41 Uhr

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Trotz vier Siegen in vier Testspielen: Werder Bremen hat in der Vorbereitung noch Arbeit vor sich und ist sich dessen bewusst. Die Details.

Bremen/Cottbus – Der strömende Regen in Cottbus ließ die Profis des SV Werder Bremen zwischenzeitlich ziemlich bedröppelt aussehen. Fast so, als sei es ein komplett gebrauchter Nachmittag in Sachsen gewesen. Doch dieser flüchtige Eindruck täuschte. Der 4:2-Testspielerfolg bei Zweitliga-Aufsteiger FC Energie Cottbus taugte jetzt zwar auch nicht dazu, um Jubelstürme auszulösen oder komplett unbesorgt gen Zukunft zu blicken – aber er steigerte doch ein wenig das eigene Wohlbefinden.

„Wichtig ist zunächst einmal, dass wir die Testspiele gewinnen. Letztes Jahr waren wir zwischenzeitlich in einer Situation, in der wir bis auf das erste Spiel keines gewonnen haben“, erinnert sich Marco Friedl ungern an den Sommer 2025. „Jetzt stimmen zumindest die Ergebnisse.“ In der Tat ist Werder Bremen noch immer ungeschlagen während der Vorbereitung – die Aussagen des Kapitäns legen aber auch unverblümt nahe, dass noch einiges vor dem Pflichtspielstart passieren soll. Und muss.

Werder Bremen hat auch das Testspiel bei Energie Cottbus gewonnen, hat trotzdem aber noch viel Arbeit vor sich.

Werder Bremen hat auch das Testspiel bei Energie Cottbus gewonnen, hat trotzdem aber noch viel Arbeit vor sich. © IMAGO/nordphoto GmbH / Trienitz

Testspiel-Ergebnisse stimmen, doch der Kader des SV Werder Bremen ist noch zu dünn

Denn der XXL-Test in der Lausitz über 2x60 Minuten zeigte auch, dass es an manchen Stellen bei Werder Bremen hakt. Allein personell. Insbesondere auf den Außenbahnen. Mitchell Weiser ist noch längst nicht wieder der Alte und fehlte ebenso wie der einmal mehr angeschlagene Felix Agu, zudem musste Olivier Deman krankheitsbedingt passen. Fertig war die totale Vakanz auf den Flügeln, die nur per Improvisation zu füllen war – was weniger als drei Wochen vor dem DFB-Pokal-Auftakt (22. August) kein sonderlich beruhigendes Gefühl vermittelt.

„Wir haben auf diesen Positionen sicherlich Bedarf. Wir sind da in der Arbeit beziehungsweise es ist im Prozess“, sagt Trainer Daniel Thioune. „Ich hoffe natürlich, dass wir die Problematik schnellstmöglich lösen können, weil das unabhängig vom System ist – wir brauchen einfach Bahnspieler. Der eine oder andere hat es zwar ganz ordentlich gemacht, dennoch mussten wir wieder mit Spielern positionsfremd agieren.“

Personal-Not bei Werder Bremen, aber junge Offensiv-Talente überzeugen

Darüber hinaus reißt der derzeitige Ausfall von Senne Lynen eine Lücke ins defensive Mittelfeld, eine zusätzliche Verstärkung für die Zentrale ist bislang ebenso wenig verpflichtet worden wie für den Angriff. Immerhin: In der neuen Woche greift bei Werder Bremen erstmals WM-Teilnehmer Cedric Itten ins Geschehen ein, wodurch das Bremer Puzzle weiter an Form gewinnt. Zudem präsentieren sich junge Talente wie Salim Musah und Paul Erevbenagie derzeit erfreulich treffsicher und abgezockt vor dem gegnerischen Tor – doch wie viel ist den Youngstern ab Pflichtspielstart zuzumuten? Wie viel Last des Gesamtdrucks sollten sie schon jetzt auf ihren Schultern tragen? Doch es sind Lichtblicke, die Mut machen. Wie auch Chuki, der sich schnell zurechtzufinden scheint.

Trotz nächsten Sieges im Testspiel: Wo Werder Bremen sich noch steigern muss

Aber die Cottbus-Reise hat eben auch gezeigt, dass das Gesamtkonstrukt noch immer etwas wacklig daherkommt. Schnell auch Schwächephasen auftauchen, in denen die ganzheitliche Ordnung zu einfach verloren geht und die Fehlerquote im Passspiel nach oben schnellt. Keine überraschende Erkenntnis für diesen Zeitpunkt der Vorbereitung, aber auch keine, vor der gänzlich die Augen verschlossen werden sollten. Und genau das tut Daniel Thioune dann auch nicht. „Man hat gesehen, dass der Gegner in Punkten wie Dynamik, Galligkeit und Griffigkeit vielleicht ein paar Schritte voraus war“, sagt der Chefcoach des SV Werder Bremen über die Ostdeutschen, für die schon am kommenden Wochenende wieder der Ligaalltag beginnt.

Am Osterdeich geht es dagegen in diesen Tagen noch um die Grundlagenarbeit. „Mir war klar, dass wir nicht die frischesten Beine haben werden. In der ersten Halbzeit hätten wir vielleicht einige Situationen sauberer zu Ende spielen können, da hat mir etwas Frische gefehlt. Da musst du vielleicht vier oder fünf Tore schießen, kannst aber gleichzeitig auch mehr Gegentore bekommen“, hat Thioune beobachtet und meint mit Blick auf das frühe 0:1, das aus einem Zuspielfehler von Torhüter Karl Hein resultierte: „Wir haben vorher an der Spieleröffnung gearbeitet – und heute nach sechs Minuten gesehen, dass wir daran weiterarbeiten müssen. Aber lieber passiert das jetzt als am ersten Spieltag in Freiburg. Da bin ich sehr fehlertolerant.“

Werder Bremen zieht positives Gefühl aus Testspiel-Sieg in Cottbus – und weiß doch, dass noch Verbesserungen nötig sind

Noch. Demnächst wird das anders aussehen, sobald es für Werder Bremen wirklich um etwas geht. Damit die Tristesse der Vorsaison nicht schneller nach Bremen zurückkehrt als einem lieb ist. „Wir wissen, dass wir eine gute Vorbereitung und eine stabile Basis brauchen, um in der Bundesliga bestehen zu können“, betont Marco Friedl. „Jeder war froh, dass wir die vergangene Saison rechtzeitig abschließen konnten und nicht noch in die Relegation mussten. Aber ich glaube nicht, dass das jetzt noch in den Köpfen steckt. In der Bundesliga geht alles sehr schnell. Wenn du im Sommer vieles richtig machst, gute Spieler holst und die Vorbereitung gut durchziehst, hast du gute Chancen. Ich glaube, da sind wir auf einem ordentlichen Weg. Natürlich gibt es noch einiges zu verbessern und viel Zeit bleibt nicht mehr, aber ich gehe mit einem guten Gefühl in die kommenden Wochen.“

Sein Coach wollte ihm da nicht widersprechen – ohne das erneute Erfolgserlebnis überzubewerten. „Ich fand den Auftritt grundsätzlich okay. In Summe war das ordentlich, weil man in der Vorbereitung auch mal bei einem Drittligisten stolpern kann – jetzt bei einem Zweitligisten zu gewinnen, ist da positiv“, meinte Werder Bremens Daniel Thioune. „Der aktuelle Stand ist daher okay. Aber wir sind noch nicht fertig.“ (mbü)