Stand: 04.08.2026, 08:00 Uhr
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Das Techno-Festival Widefield Open Air hat am Wochenende über 2.000 Besucher nach Altheim gelockt. Um Mitternacht ist aber Schluss – sonst würden die Beschwerden exponentiell steigen.
Altheim – Als am Samstagabend Nebelschwaden bei Altheim auf die B 26 ziehen, wundert sich vielleicht so mancher Autofahrer, ob der Herbst schon Einzug hält. Jene, die die Scheiben wegen der Hitze unten haben, vernehmen satte Bässe vom Freigelände des TSV Altheim und reimen sich gewiss schnell zusammen, dass der Dunst von Nebelmaschinen kommt.

Mit über 2.000 Besuchern schrieb das Widefield Open Air am Wochenende seine bisherige Erfolgsgeschichte fort. Die Techno-Veranstaltung, deren Aufbau sich auf sieben Tage verteilte, hatte erneut zugelegt: Die Hauptbühne kam noch größer und beeindruckender als 2025 daher, dazu bekam der Biergarten mehr Platz. Im vergangenen Jahr wurde bereits das Altheimer Freizeitzentrum als zusätzlicher Chill-Bereich integriert. Seit dem Waldbrand 2023 wummern die Bässe im kleinen Ortsteil Altheim anstatt im Münsterer Freizeitzentrum. Der 150 Mitglieder zählende Harvey Club, der in Münster eingetragen ist und hinter Widefield steht, hat sich mit dem Umzug bestens arrangiert. Will heißen: In Altheim fühlt man sich pudelwohl. Dazu trug ganz wesentlich die Unterstützung des verstorbenen Bürgermeisters Joachim Schledt bei. Dessen unverhoffter Tod traf die Musikfreunde dementsprechend hart. Der Club drückte seine Anteilnahme vor wenigen Wochen mit einem riesigen Kranz vor dem Rathaus aus.
Anwohner tolerieren Lautstärke
„In anderen Kommunen waren wir immer die mit der lauten Musik und erfuhren meist Abwehr. Schledt hat uns von der ersten Stunde an unterstützt und stets Lösungen gefunden, selbst da, wo er sich vielleicht in die Nesseln hätte setzen können”, erklärt Hobby-DJ Tim Petersen. Doch auch in diesem Jahr haben die Genehmigungen vom Rathaus keinerlei Probleme bereitet. Der Erfolg des Festivals, bei dem mittlerweile 20 DJs – dieses Mal sogar aus Mannheim – auflegen, beruht nicht unwesentlich auf der Rückendeckung durch die Altheimer Bevölkerung. Die begegnet dem Event tolerant und akzeptiert die durchgehende Beschallung von 13 bis 24 Uhr. Einmal im Jahr sei das hinnehmbar.

Dafür machen die Festival-Veranstalter auch pünktlich um Mitternacht Schluss. „Natürlich wollen einige Gäste länger machen. Das gäbe aber nur Ärger mit den Anwohnern”, weiß Petersen. „60 Minuten Zugabe würden die Beschwerden exponentiell nach oben treiben. Da hätten wir nichts gewonnen”, betont der 34-Jährige. Wenn die Polizei käme, wäre ohnehin ein abrupter Schluss vorprogrammiert: „Die ziehen den Stecker, und wir könnten kein Outro spielen“. Gerade ein beeindruckendes Finale sei aber für die Köpfe wichtig. Dass die Altheimer fast wohlwollend hinter Widefield stehen, liegt wohl zum Teil am Family Friday. Seit drei Jahren bespaßt man mit professioneller Kinderbelustigung junge Familien kostenfrei und zeigt neugierigen Nachbarn, wie es auf dem Gelände aussieht.
„Ich bin erstaunt und beeindruckt. Es ist schon toll, was hier auf die Beine gestellt wird”, sagt der 67-jährige Heinz Neff. Auch wenn es nicht seine Musik ist, schickt er hinterher: „Schön, dass sich Leute bereit erklären, sowas zu machen.” Für Neff lässt sich die positive Einstellung der Anwohner gegenüber Widefield noch mit zwei anderen Ansätzen erklären. Zum einen freue man sich, dass der kleine Ort einmal im Mittelpunkt steht. Zum anderen würden sogar Parallelen zum Festival in Wacken gezogen. Zwar ließen sich die 80.000 Besucher in Norddeutschland dann doch nicht ganz mit Altheim vergleichen, aber die Einwohnerzahl von Wacken und Altheim sei mit rund 2.500 fast identisch. Und dass bei Widefield nahezu ein Besucher auf einen Altheimer kommt, sei doch auch etwas.