Erst Herzklopfen, dann anklopfen, so schildert Axel Mosler, heute ein 72-jähriger Fotograf aus Dortmund, die Entstehung der kuriosesten Fotos seiner Karriere. Als Student traf er auf Salvador Dalí.
"Mehr als rausschmeißen kann er mich nicht"
Eigentlich war er mit seiner Freundin und dem VW-Käfer nur in Südfrankreich im Urlaub. Aber es zog Axel Mosler erst an die spanische Grenze, dann rüber bis an die Costa Brava nach Port Lligat bei Cadaqués. Um Dalís Wohnhaus wenigstens einmal zu sehen. Erst beobachteten sie das Anwesen, dann fasste sich Mosler ein Herz.
"Ich klingel da jetzt an. Mehr als rausschmeißen kann er mich doch gar nicht", hat er sich damals gedacht. Zu seinem größten Erstaunen fand die Haushälterin das ganz normal und erklärte ihm nach kurzer Nachfrage, dass der "Meister" sich im Garten befinde und er doch einfach mal durchgehen möge.
15 Minuten mit Meister Dalí
Und da saß Dalí. Auf einem Kussmund-Sofa. "Photograph, Student, allemand", mit ein paar internationalen Sprachbrocken hatte sich Mosler vorgestellt und bekam die Ansage: "You have fifteen minutes." Eigentlich hatte der Student nicht so richtig an seinen Erfolg geglaubt und hatte jetzt Stress: 15 Minuten Zeit und zehn Rollfilme, dazu der Respekt vor dem Weltstar.
Ein Moment - eine Aufnahme
"Can you please look like Dalí?", traute sich Mosler dann zu fragen. "Der hat die Brille nach oben gemacht und riss die Augen auf." Die berühmte Miene mit dem besonders starren Blick. Der Moment war so kurz, dass Mosler davon eine einzige Aufnahme gelang, die er heute noch stolz zeigt. Der Künstler hatte wie Dalí geschaut.
Offensichtlich war zu dem Zeitpunkt an diesem Sommertag des Jahres 1974 das Mittagessen noch nicht fertig und der Meister gewährte noch weitere zehn und dann noch einmal fünf Minuten für weitere Bilder im Garten Dalí.
Statt Lob gab es Kritik für die Bilder
Voller Stolz kehrt der Dortmunder Mosler an die Fachhochschule zurück. Die Portraits von Dalí im Gepäck. Mosler erhofft sich von seinem Professor Lob. Doch statt ihn für diese seltenen Werke zu feiern, mäkelte der Lehrer: "Dann meinte er, das sei nix. Der hat die richtig abgemeiert." Seine goldenen Regeln zur Lichtsetzung bei Portraits habe der Schüler ignoriert, soll er gegrantelt haben.
Der junge Student behielt die Bilder erstmal enttäuscht für sich. Statt Portraits folgten danach hauptsächlich Landschaftsbilder. Erst Jahrzehnte später, lange nach dem Tod des kritischen Gelehrten erfuhr Mosler den Grund für die rüde Ablehnung: "Der Professor war im gleichen Jahr auch bei Dalí. Er wurde aber gar nicht reingelassen." Dass stattdessen "der kleine Fotostudent Mosler" Dalí fotografieren durfte, passte dem Professor nicht.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Fotograf Axel Mosler
- Fotos aus dem Archiv von Axel Mosler
- Stadt Dortmund