Microsoft will weitere Teile der Windows-11-Oberfläche nicht nur optisch überarbeiten, sondern auch deren alten Unterbau vollständig durch WinUI ersetzen. Das hat March Rogers, Partner Director of Design bei Microsoft, am Beispiel des neu gestalteten Eigenschaften-Dialogs bestätigt. Das Fenster sei von Grund auf mit WinUI 3 neu entwickelt worden und keine bloß neugestaltete Version des bisherigen Win32-Dialogs.
Der neue Eigenschaften-Dialog für Dateien unterstützt den Dark Mode und verwendet aktuelle Bedienelemente von Windows 11. Sein Vorgänger basiert im Kern auf einer Technik, deren Grundkonzept bis zu Windows 95 zurückreicht. Bislang war jedoch nicht offiziell bestätigt, ob Microsoft lediglich das Aussehen modernisiert oder den alten Code tatsächlich ersetzt hatte. Nun besteht Klarheit.
"Der Eigenschaften-Dialog wurde in WinUI 3 neu entwickelt", erklärte Rogers. An einigen anderen Stellen habe Microsoft den Dunkelmodus zunächst als risikoarme Zwischenlösung in ältere Oberflächen integriert. Langfristig wolle das Unternehmen jedoch weitere Bereiche der Windows-Oberfläche auf WinUI umstellen.
Nicht jedes alte Fenster verschwindet sofort
Einen konkreten Zeitplan für den vollständigen Umbau nennt Microsoft nicht. Der neue Eigenschaften-Dialog ist bislang lediglich in einer experimentellen Version von Windows 11 versteckt und erscheint dort nur für Dateien im Papierkorb. Für normale Dateien und Ordner öffnet sich weiterhin das bekannte Eigenschaftenfenster.
Der eingeschränkte Test dürfte technische Gründe haben. In den alten Dialog können installierte Programme eigene Registerkarten einfügen, beispielsweise für Cloud-Synchronisation, Dateiformate oder Berechtigungen. Microsoft muss solche Erweiterungsmöglichkeiten beim Neubau berücksichtigen, damit vorhandene Software keine Funktionen verliert.
Weitere Kandidaten für die Modernisierung stehen bereits fest: Microsoft arbeitet unter anderem an neuen Dialogen für das Kopieren sowie das Öffnen und Speichern von Dateien. Auch das Ausführen-Fenster wurde mit WinUI umgesetzt. Laut Microsofts Telemetriedaten öffnet sich die neue Variante mit 94 Millisekunden sogar etwas schneller als der alte Dialog mit 103 Millisekunden.
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WinUI muss erst seine eigenen Probleme lösen
Der technische Neustart garantiert allerdings nicht automatisch eine schnellere oder stabilere Oberfläche. WinUI-Anwendungen fallen bislang teilweise durch einen höheren Speicherbedarf und längere Ladezeiten auf. So reagiert die WinUI-basierte Startseite des Datei-Explorers langsamer als die klassische Ansicht "Dieser PC". Beim Skalieren moderner App-Fenster können zudem sichtbare Artefakte auftreten. Ältere UWP-Anwendungen zeigen dieses Problem nicht; Microsoft hat bereits eine Korrektur angekündigt.
Microsoft optimiert deshalb unter anderem die Speichernutzung und bindet WinUI stärker an den Windows-System-Compositor an. Erst danach soll auch das Startmenü konsequenter auf die native Technik umgestellt werden. Die neue Windows-Suche setzt dagegen weiterhin auf Webview2.
Für Nutzer ist der Umbau somit mehr als ein neuer Dark Mode: Microsoft beginnt, jahrzehntealte Bestandteile tatsächlich zu ersetzen. Ob Windows 11 dadurch konsistenter und schneller wird, entscheidet sich jedoch nicht am Aussehen der neuen Dialoge, sondern daran, ob WinUI bei Speicherbedarf, Reaktionszeit und Kompatibilität mit dem alten Win32-Unterbau mithalten kann. Zugleich könnte der Austausch veralteter Komponenten den über Jahre angewachsenen Code entschlacken. Dessen hohe Komplexität erschwert bislang die Weiterentwicklung und erhöht die Fehleranfälligkeit von Windows.
Meinung
- Windows-11-Nutzer könnten künftig von einheitlicheren Dialogen, besserem Dark Mode und einem leichter wartbaren System profitieren.
- Für Software-Entwickler ist entscheidend, dass Erweiterungen wie zusätzliche Registerkarten auch in den neuen WinUI-Fenstern weiterhin funktionieren.
- Ob der Umbau einen praktischen Vorteil bringt, hängt davon ab, ob Microsoft Speicherbedarf, Ladezeiten und Darstellungsfehler von WinUI spürbar reduziert.
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Quellen: March Rogers auf X