Manipulierter Autopilot, gefälschte Höhendaten: Boeing 737 lässt sich mit Mini-Chip für 100 Euro hacken

Winziges Gerät, große Gefahr: Boeing 737 lässt sich mit Mini-Chip für 100 Euro hacken

Stand: 17.08.2026, 13:34 Uhr

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Ryanair Boeing 737 bei der Landung auf dem Flughafen Köln-Bonn, NRW.

Eine Boeing 737 bei der Landung auf dem Flughafen Köln-Bonn, NRW (Archivbild). © Jochen Tack/Imago

Für unter 100 Euro lässt sich die Boeing 737 aus der Ferne manipulieren – ohne dass Piloten es merken.

San Diego / Frankfurt – Die Szenerie erinnert an einen Hollywood-Thriller, basiert jedoch auf realer Forschung: Für weniger als 100 Euro lässt sich eine potenzielle Sicherheitslücke in dem weitverbreiteten Passagierflugzeug Boeing 737 ausnutzen. Wie Forschende der University of California in San Diego und des Oberlin College herausfanden, genügt ein münzgroßes Gerät, um kritische Flugsysteme aus der Ferne zu manipulieren – direkt aus dem Elektronikabteil der Maschine, wie das Portal StudyFinds berichtet.

Die Schwachstelle befindet sich an den unverschlossenen Wartungsanschlüssen im sogenannten E&E-Raum (Electronics and Equipment) des Flugzeugs. Das Mini-Implantat verwendet den veralteten Kommunikationsstandard ARINC 429, um legitime Steuerungssignale zu überschreiben. Die möglichen Folgen sind gravierend: Die Software kann Eingaben des Flugmanagementcomputers verändern, den Autopiloten umleiten und Leistungsdaten manipulieren, ohne dass die Cockpit-Besatzung dies bemerkt.

In Sekundenschnelle installiert

In kontrollierten Labortests gelang es den Forschenden, Flugpläne zu verändern, Treibstoffanzeigen zu fälschen und falsche Höhendaten einzuspeisen. Für den Angriff ist zwar ein physischer Zugriff auf den Wartungsanschluss erforderlich, dieser ist jedoch ohne größere Hürden erreichbar. Laut einem Bericht von News.com.au könnte ein Bodenmitarbeiter das Modul bei einem routinemäßigen Zwischenstopp innerhalb einer Minute anbringen. An solchen Turnarounds sind regelmäßig Dutzende Personen beteiligt – vom Gepäckpersonal bis zu Wartungsteams.

Nach der Installation entfaltet das Gerät seine Wirkung über das bordeigene Wi-Fi-Netzwerk, das für Fernverbindungen genutzt wird. Wie die spanische Zeitung La Vanguardia hervorhebt, speist das System so starke Signale in den Datenbus des Flugzeugs ein, dass es die regulären Steuerbefehle der Flugsteuerung übertönt. Gleichzeitig werden die Manipulationen auf den Anzeigen der Pilotinnen und Piloten gezielt verschleiert.

Boeing verweist auf Flugsicherheit – Forschende mahnen zur Vorsicht

Der US-Flugzeugbauer Boeing wurde bereits im Jahr 2020 über die Forschungsergebnisse informiert und hatte den Forschenden die Erlaubnis erteilt, ihren Prototyp auf firmeneigener Hardware zu testen. Das Unternehmen relativiert jedoch die Gefährlichkeit der Ergebnisse: Die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen sowie die betrieblichen Schutzmaßnahmen reduzieren das Risiko eines derartigen Angriffs in der Praxis erheblich. Zudem sei das Design der betroffenen Schnittstellen überprüft worden, um der Bedrohung zu begegnen, zitiert StudyFinds den Konzern.

Sicherheitsexpertinnen und -experten warnen hingegen davor, das Szenario zu unterschätzen. Zwar erfordert die Attacke physischen Zugang, doch die Luftfahrtbranche dürfe sich nicht allein auf die physische Flughafensicherheit verlassen. Wie News.com.au betont, müsse die Luftfahrtgemeinschaft diese digitalen Schwachstellen konsequent beheben, bevor aus theoretischen Sicherheitslücken reale Gefahren im Passagierverkehr entstehen. (Redaktion)