„Wir kamen nicht für ein politisches Foto“: Bischöfe sehen sich nach Gebet mit Trump „instrumentalisiert“ und „manipuliert“

Einige katholische Bischöfe fühlen sich nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Oval Office wenige Wochen vor den Midterms offenbar ausgenutzt. Hintergrund ist ein gemeinsames Treffen mit Trump in Washington, auf das ein anschließendes gemeinsames Gebet folgte. Danach veröffentlichte der offizielle X-Account von Trumps Präsidentschaftskampagne Aufnahmen dieses Gebets, denen man ausdrücklich nicht zugestimmt habe, kritisierten die Geistlichen.

Am Sonntag veröffentlichte etwa der Erzbischof von Milwaukee, Jeffrey Grob, auf der Webseite der regionalen Erzdiözese eine „öffentliche Entschuldigung“, in der er zu den Hintergründen Stellung nimmt. Demnach sollen den Geistlichen nach der Veröffentlichung der Aufnahmen zahlreiche Zuschriften erreicht haben – „mit ernsthafter Besorgnis darüber, dass ich möglicherweise unwissentlich an einer politischen Veranstaltung teilgenommen hatte, weniger als zwei Wochen vor den nationalen Wahlen“, schreibt Grob.

Der Bischof schildert in seiner Stellungnahme, wie er zusammen mit zwölf weiteren Bischöfen Mitte September zu einem „vertraulichen Treffen“ und gemeinsamen Austausch in das Weiße Haus eingeladen worden sei. Dabei sei die Möglichkeit in Aussicht gestellt worden, dass es „eine Gelegenheit geben könnte, mit dem Präsidenten privat zu beten.“

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Die Geistlichen seien schließlich bei ihrem Besuch in das Oval Office geführt und darum „gebeten worden, hinter ihm [Donald Trump – Anm. d. Red.] zu stehen und zu beten. Dann wurden einige Fotos gemacht, und wir wurden hinausgeführt.“ Grob ergänzte, dass „ohne das Wissen der Bischöfe auch ein Video aufgenommen wurde“. Er betonte in seiner Stellungnahme: „Die Bischöfe hatten jedoch keine Erlaubnis zur Veröffentlichung des Videos oder der Fotos erteilt.“

Das Weiße Haus hätte uns niemals in diese Lage bringen dürfen.

Jeffrey Grob, Erzbischof von Milwaukee

Grob resümierte: „Ich empfinde tiefe Trauer darüber, dass etwas so Heiliges für eine Gruppe religiöser Führer – das Gebet zu unserem himmlischen Vater – auf diese Weise missbraucht wurde.“ Die Bischöfe seien demnach „in gutem Glauben gekommen, um uns für das Wohl unserer Mitmenschen einzusetzen, ihr Leid zu lindern, das Gemeinwohl zu fördern und mit einem Präsidenten zu beten – nicht, um für ein politisches Foto zu posieren“.

Der Bischof kritisierte ferner: „Das Weiße Haus hätte uns niemals in diese Lage bringen dürfen.“ Grob sei der Einladung eigenen Angaben zufolge nicht ohne Bedenken gefolgt. „Ich wünschte, ich hätte sie beachtet.“

Denvers Erzbischof bekam etliche kritische Kommentare

Auch Denvers Erzbischof James R. Golka, der das Gebet im Oval Office geleitet hatte, geht auf Distanz zum Weißen Haus. In einem Interview mit dem katholischen Portal „Denvercatholic.org“ sagte der Geistliche, dass er vor dem Treffen mit Donald Trump „besorgt“ darüber gewesen sei, wie die Zusammenkunft im Nachgang interpretiert werden könnte.

„Einerseits war es eine großartige Gelegenheit, wichtige Themen zum Wohle der Kirche anzusprechen. Andererseits wusste ich, dass sich manche Menschen darüber aufregen könnten“, so Golka. Schließlich habe er sich allerdings zu dem Treffen entschlossen. Danach habe ihn eine wahre Flut an Zuschriften und kritischen Kommentaren, selbst aus dem Freundeskreis, erreicht.

Ich wünschte, ich wäre klüger und weniger naiv gewesen - so wie jene, die unser Treffen für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert haben.

William Joensen, Bischof von Des Moines

Da die Aufnahmen vom Weißen Haus ausgerechnet zwölf Tage vor den Midterm-Wahlen veröffentlicht worden seien, könne er nachvollziehen, dass „viele Menschen das Video als Wahlempfehlung verstanden haben“. Das sei niemals seine Absicht gewesen, sagte der Bischof und betonte: „Die Bischöfe der Vereinigten Staaten lehren, dass die Kirche keinen Kandidaten oder keine Partei unterstützen darf. Daran halte ich fest.“

Er wolle weiterhin „für unseren Präsidenten, unseren Gouverneur und alle, die ein öffentliches Amt bekleiden, beten – unabhängig von ihrer Partei oder ihrer Haltung zu kontroversen Themen“, so der Bischof. Der Umstand, dass es Menschen gebe, „die diesen Moment bewusst nutzen, um Zwietracht zu säen“, breche Golka demnach das Herz.

Bischof von Des Moines sieht sich „instrumentalisiert“

Auch der Bischof der römisch-katholischen Diözese Des Moines, William Joensen, schloss sich der Kritik seiner Kollegen an. In einer Stellungnahme auf der Webseite der regionalen Diözese berichtete er, dass sich bei einem Besuch im Weißen Haus die Möglichkeit ergeben habe, „für und mit unserem Präsidenten zu beten, dass Gott sein Herz leiten und ihn dazu bewegen möge, das Land in einer Weise zu führen, die der Würde seines Amtes entspricht“. Er ergänzte: „Vieles an der jetzigen Regierung steht in eklatantem Widerspruch zu unserem katholischen Glauben.“

Rückblickend hätte Joensen eigenen Angaben zufolge gut daran getan, Eventualitäten zu bedenken: „Ich wünschte, ich wäre klüger und weniger naiv gewesen, so wie jene, die unser Treffen für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert haben.“