WMO Bericht: Ozonschicht auf Erholungskurs, aber UV-Strahlung nimmt zu

Antarktis - Blick aus dem Weltall

AUDIO: Wie geht es der Ozonschicht? (4 Min)

WMO Bericht

Stand: 16.09.2026 13:17 Uhr

Die Ozonschicht der Erde erholt sich weiter. Das geht aus dem neuen Ozon- und UV-Bulletin der Weltwetterorganisation (WMO) hervor. Während die UV-Belastung zunimmt, sprechen die Beobachtungen auch nach den ungewöhnlich ausgeprägten Ozonlöchern der vergangenen Jahre für einen langfristigen Erholungstrend der Ozonschicht. Entscheidend dafür ist das weltweite Verbot ozonschädigender Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) durch das Montreal-Protokoll.

von MDR WISSEN/MDR AKTUELL

Die WMO bezeichnet den Schutz der Ozonschicht als eine der größten Erfolgsgeschichten internationaler Umweltpolitik. Mehr als 99 Prozent der Produktion und Nutzung kontrollierter ozonabbauender Stoffe wurden inzwischen beendet. Nach Einschätzung der Organisation befindet sich die Ozonschicht auf einem Kurs zurück zu den Werten der 1980er-Jahre. Das Ozonloch über der Antarktis zeigte 2024 zudem eine geringere Ausprägung als im Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2020. Hinweise auf eine langsame Erholung seien inzwischen deutlich erkennbar.

Video: Entwicklung des Ozonlochs über der Antarktis im Sommer 2026 (1 Min)

Auch der Deutsche Wetterdienst bewertet die Entwicklung grundsätzlich positiv. "Die Hausaufgaben, das, was wir machen können, haben wir gemacht", sagt Wolfgang Steinbrecht, Leiter der Ozongruppe beim DWD im Gespräch mit MDR AKTUELL. Die FCKW seien weltweit verboten und würden nicht mehr produziert oder eingesetzt. Allerdings befänden sich diese Stoffe noch lange in der Atmosphäre. "Bis die ganz verschwunden sind, so wie es Anfang der 60er Jahre war, das wird erst nach 2100 sein."

Ozonloch könnte in wenigen Jahrzehnten verschwinden

Von einer vollständigen Erholung kann nach Ansicht der Forschenden dennoch noch keine Rede sein. Über der Antarktis bildet sich weiterhin jedes Jahr ein Ozonloch. Der Grund des erhöhten Ozonabbaus im Bereich der Pole und besonders über der Antarktis ist die enorme Kälte, die während der Polarnacht auftritt. Modelle gehen laut Steinbrecht davon aus, dass es etwa zwischen 2060 und 2070 verschwinden könnte.

"Die Ozonschicht ist eben nach wie vor geschwächt. Sie ist auf dem Weg der Besserung, aber erholt ist sie noch nicht", sagt der Atmosphärenforscher.

Der WMO-Bericht betont zugleich, dass die kurzfristigen Schwankungen der vergangenen Jahre den langfristigen Trend überdecken können. So wurden 2024 weltweit ungewöhnlich hohe Ozonwerte gemessen. In der Arktis war die Ozonschicht im Frühjahr zeitweise rund 14 Prozent dicker als im langjährigen Mittel. Verantwortlich dafür waren vor allem besondere atmosphärische Bedingungen und ein verstärkter Transport ozonreicher Luftmassen.

Sonne und Wolken

Atmosphärenüberwachung

Ungewöhnlich hohe Ozonwerte für diese Jahreszeit

An Tagen mit hohen Ozonwerten leiden manche Menschen an Husten, tränenden Augen oder Kopfschmerzen. Im Sommer kommen diese Werte häufiger vor, aktuell sind sie allerdings ungewöhnlich hoch.

Klimawandel beeinflusst die Ozonschicht

Der Klimawandel wirkt sich ebenfalls auf die Entwicklung aus. Nach Angaben von Steinbrecht rechnen Forschende damit, dass sich die Ozonschicht in mittleren Breiten, also auch über Europa, eher verstärken könnte. In den Tropen könnte sie dagegen etwas dünner werden.

Die Auswirkungen seien allerdings deutlich geringer als die direkten Folgen der globalen Erwärmung. "Der Einfluss auf das Ozon ist da, aber er ist nicht massiv", sagt Steinbrecht. Die größere Herausforderung bleibe der Klimawandel selbst.

Paradoxerweise kann der Klimawandel außerdem dazu beitragen, dass Menschen mancherorts stärker ultravioletter Strahlung ausgesetzt sind. Der WMO-Bericht verweist auf Untersuchungen aus Mitteleuropa. Demnach ist die bodennahe UV-Strahlung zwischen 1997 und 2022 deutlich gestiegen. Als wichtigste Ursache nennen die Forschenden nicht die Ozonschicht, sondern eine abnehmende Bewölkung. Besonders sonnige und trockene Jahre führten zu Rekordwerten bei der UV-Belastung. Das hatte bereits eine europaweite Studie unter Beteiligung des Bundesamts für Strahlenschutz gezeigt.

Blonde Frau mittleren Alters mit blondem Pony trägt Gesichtscreme mit dem Finger unter den Augen auf, schaut konzentriert in Richtung eines möglichen Spiegels

Erfolgsmodell für den Klimaschutz?

Für die WMO ist das Montreal-Protokoll auch deshalb bemerkenswert, weil es nicht nur die Ozonschicht schützt. Mit der späteren Kigali-Erweiterung wurden zudem starke Treibhausgase eingeschränkt, die als Ersatzstoffe eingesetzt worden waren. Die Organisation geht davon aus, dass dadurch bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu 0,5 Grad Celsius globale Erwärmung vermieden werden könnten.

Auch Steinbrecht sieht darin eine wichtige Lehre für die Klimapolitik. Das Montreal-Protokoll habe nicht nur die Ozonschicht gerettet, sondern auch das Klima geschützt. "Ungefähr ein halber Grad globale Erwärmung hat man durch die Maßnahmen vermieden", bestätigt er. Dennoch sei die Herausforderung bei Kohlendioxid deutlich größer, weil Energieversorgung, Industrie und Lebensstil viel stärker davon abhängen als einst von den FCKW.

Dass sich die Ozonschicht heute erholen kann, gilt deshalb vielen Forschenden als Beleg dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Zusammenarbeit globale Umweltprobleme tatsächlich lösen können. Die WMO spricht von einem Erfolg, der "von der Wissenschaft angetrieben" wurde und dessen Nutzen noch Generationen spüren werden.

gp/wmo/MDR AKTUELL