Woran arbeiten Sie gerade...?: Schrift als Leidenschaft – HBK-Professorin lebt für Buchstaben und Typografie

Woran arbeiten Sie gerade...? Schrift als Leidenschaft – HBK-Professorin lebt für Buchstaben und Typografie

Serie | Saarbrücken · Indra Kupferschmid ist Professorin für Schrift und Typographie an der HBKsaar – und das seit rund zwei Jahrzehnten. Warum Schrift auch in ihrer Freizeit eine Rolle spielt.

21.07.2026 , 18:00 Uhr

Indra Kupferschmid unterrichtet Schrift und Typografie im Studiengang Kommunikationsdesign der HBKsaar.

Indra Kupferschmid unterrichtet Schrift und Typografie im Studiengang Kommunikationsdesign der HBKsaar.

Foto: Iris Maria Maurer

Wenn man mit Indra Kupferschmid, Professorin an der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken, der HBK Saar, über Schriften redet, kommt sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Die Schrift ist immer Teil der Gestaltung, egal ob bei Produkten, in der Werbung oder sogar im öffentlichen Raum. Gerade hier an der Grenze stoßen ganz verschiedene Schriftstile aufeinander und sind Teile der nationalen Eigenheiten. In Frankreich werden unterschiedliche Schriften genutzt, in Deutschland ist viel genormt. Das zu beobachten, ist sehr charmant“, erzählt sie.

Indra Kupferschmid begeisterte sich bereits in jungen Jahren für Schriften

Wer so begeistert von Schriften erzählt, hat sich auch schon in jungen Jahren dafür begeistern können. Bei Indra Kupferschmid, in Fulda geboren, war es eine Kunstlehrerin, die sie in ihrer Schulzeit auf die Unterschiede von Schriften aufmerksam machte. „Sie hatte Kataloge der Firma Letraset mitgebracht. Das waren Anreibebuchstaben, mit denen man vor der Einführung von Computern ordentlich aussehende Schriften auf Flächen aufbringen konnte. Und das hat meine Liebe zur Schrift geweckt“, erzählt sie.

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Bilder von der Projektions-Nacht „Rotationen Re:turn“ in der Ludwigskirche

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Foto: Tobias Keßler

Die Faszination für die Eigenarten der Schriften war auch der Grund dafür, dass sie im Jahr 1993 mit dem Studium der Visuellen Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar begann, wo sie nach dem Studium auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war. Lehraufträge in Leipzig und Bielefeld folgten, gleichzeitig arbeitete sie selbstständig als Typografin und Buchgestalterin in Hamburg. „Da ich die Lehre aber dann doch auch sehr interessant fand, führte mich eine Assistentinnenstelle nach Düsseldorf“, berichtet sie.

Seit 20 Jahren Professorin in Saarbrücken

Im Jahr 2006 bewarb sie sich schließlich auf die Professur für Schrift und Typografie im Studiengang Kommunikationsdesign der HBK Saar. Seit 20 Jahren ist sie nun schon Professorin für Typografie, ihr Forschungsgebiet sind dabei serifenlose Schriften, also Schriften, die keine kleinen Endstriche oder Füßchen an den Enden aufweisen, wie die sehr bekannte Schrift Helvetica.

 Auch in ihrer Freizeit arbeitet Indra Kupferschmid an Schriftgestaltungen.

Auch in ihrer Freizeit arbeitet Indra Kupferschmid an Schriftgestaltungen.

Foto: Iris Maria Maurer

Ihre Arbeit mag sie sehr, ihre Augen leuchten, wenn sie davon erzählt. Dabei arbeitet sie mit den Studierenden an verschiedenen Atelierprojekten, im Wintersemester war es das Projekt „Große Schrift“. Teile der Ausstellung der Gestaltungen der Studierenden sind dieser Tage noch im Foyer der Hochschule zu sehen. So hat Lorraine Bauer die Fenster mit einer großen, roten Schrift in Blockbuchstaben gestaltet, Maria Kopysheva hat dagegen eine schmale Wandfläche neben dem Eingang mit dunkelroten kyrillischen Schriftzeichen bemalt. Die zweite schmale Wand neben der Tür zeigt in einer sehr schönen, verspielten, aber nur recht schwer leserlichen Schrift die deutsche Übersetzung „Ruf deine Großeltern heute an“. „Das war ein sehr schönes Projekt“, erzählt Indra Kupferschmid, „denn es wurde fast alles von Hand gestaltet“.

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Fotos aus „Gedreht im Saarland. Filme. Fotos. Filmemacher“

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Foto: Moritz l. Reitmann

Kupferschmid erzählt, dass trotz digitaler Schriftgestaltung und der Arbeit am PC die handwerkliche Arbeit immer noch einen großen Teil der Lehre und der Arbeit ausmache. „Die Studierenden müssen mit einem Cutter umgehen können, genaues Arbeiten ist noch sehr wichtig und eine ordentliche Handschrift ist nötig“, sagt sie.

Auch im Privaten spielt Schrift eine wichtige Rolle

Trotz ihres erfüllenden Vollzeitjobs arbeitet Indra Kupferschmid auch in ihrer Freizeit an Schriftgestaltungen. „Ich will ja am Ball bleiben“, kommentiert sie lachend. Daher ist sie auch gerade dabei, für den Verein „Initiative Völklinger Hütte“ (IVH) ehrenamtlich historische Nummern verschiedener Lokomotiven, die sie auf Fotografien erhalten hat, zu digitalen Vorlagen zu verarbeiten. „Leider bin ich zu spät dran. Die Initiative benötigt die Ziffern schon nächste Woche. Das wird sportlich für mich“, gibt sie charmant zu.

Für Laien ist es etwas kompliziert, zu verstehen, was genau Indra Kupferschmid mit den Fotografien machen muss, um daraus digitale Ziffern zu erstellen, die dann auf Tastendruck im Computer zu nutzen sind. Es hört sich eher nach Zauberei an. Oder nach wirklich gutem handwerklichen Können. Dass sie sich so viel Mühe damit macht, liegt daran, dass Indra Kupferschmid es als Nachbarschaftshilfe versteht. „Wenn wir in unseren Ateliers in der Handwerkergasse in der Völklinger Hütte mal Hilfe brauchen, ist die Initiative auch für uns da“, sagt sie. Nach der Fertigstellung der digitalen Ziffern wird sie sich einem anderen Projekt widmen. „Einige internationale Schriftgestalterinnen und Schriftgestalter gründen gerade die Genossenschaft ‚Fontstand‘, da arbeite ich im Vorstand mit.“ Diese Genossenschaft mit Sitz in den Niederlanden arbeitet international, sie ist ein kooperatives Modell, gehört allen, die mitmachen und bietet daher viele Vorteile für Kreative.

Darüber hinaus interessiert sich Indra Kupferschmid auch sehr für die Geschichte der verschiedenen Schriften, arbeitet an Schriftklassifikationen für das Deutsche Institut für Normung (DIN), schreibt Publikationen über Schriften. Und ganz nebenbei geht sie auch gerne einfach nur mit offenen Augen durch den öffentlichen Raum spazieren, sieht Schriften, wie normierte deutsche, wechselnde französische, entziffert kyrillische Buchstaben. Und ihre Begeisterung dafür ist ansteckend. Sicherlich auch für ihre Studierenden. (ceh/jen)