Zentralisierung beim KSK in Calw?: Zweibrücker Kaserne droht ein großer Abzug von Elite-Fallschirmjägern

Zentralisierung beim KSK in Calw? Zweibrücker Kaserne droht ein großer Abzug von Elite-Fallschirmjägern

Zweibrücken/Strausberg /Merzig/Saarlouis · Die Bundeswehr prüft offenbar, für „Spezielle Operationen“ besonders ausgebildete Soldaten an einem Standort in Baden-Württemberg zu konzentrieren. Das könnte für das Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken den Verlust zweier Kompanien bedeuten.

30.07.2026 , 07:29 Uhr

Fallschirmjäger mit „Erweiterter Grundbefähigung“ (EGB) der Zweibrücker 3. Kompanie bei einer Übung.

Fallschirmjäger mit „Erweiterter Grundbefähigung“ (EGB) der Zweibrücker 3. Kompanie bei einer Übung.

Foto: Bundeswehr/Marco Dorow/Marco Dorow

Das Fallschirmjägerregiment 26 könnte durch eine Bundeswehr-Reform möglicherweise sein schlagkräftigstes Herzstück in Zweibrücken verlieren.

Das Sicherheits- und Verteidigungspolitik-Newsportal Hartpunkt berichtet: „Die derzeit zu den beiden Fallschirmjägerregimentern der Bundeswehr zugehörigen EGB-Kräfte (Spezialisierte Kräfte des Heeres mit Erweiterter Grundbefähigung für Spezielle Operationen, kurz EGB) sollen im Rahmen der Neustrukturierung des Heeres offenbar in einem eigenen Verband zusammengeführt und in räumlicher Nähe zum Kommando Spezialkräfte (KSK) stationiert werden.“ Also in Calw (Baden-Württemberg). Dies hätten „mehrere mit dem Sachverhalt vertraute Kreise“ bestätigt.

Wechseln zwei Zweibrücker Kompanien zum Kommando Spezialkräfte nach Calw?

Vier der bisherigen EGB-Kompanien seien bisher in Zweibrücken stationiert, und zwar die 2. und 3. Kompanie (die beiden anderen beim Fallschirmjägerregiment 31 im niedersächsischen Seedorf).

Hartpunkt schreibt: „Dem Vernehmen nach plant das Heer nun im Zuge der Umstrukturierung, die EGB-Kompanien der beiden Fallschirmjägerregimenter aus der Luftlandebrigade 1 rauszulösen, um diese in einem gemeinsamen Verband zusammenzuführen und dem Kommando Spezialkräfte zu unterstellen. Als möglicher Stationierungsort wird dem Vernehmen nach eine Liegenschaft in Baden-Württemberg in räumlicher Nähe zum KSK favorisiert.“

Heer will Veränderungen bei Fallschirmjägern weder bestätigen noch dementieren

Wie konkret sind die EGB-Veränderungspläne – und deren mögliche Folgen für Zweibrücken? Auf diese und weitere Anfragen der Merkur-Redaktion hat das Presse- und Informationszentrum des Heeres in Strausberg (bei Berlin) am Mittwoch geantwortet. Und dabei EGB-Reformvorhaben nicht dementiert.

Wörtlich schreibt ein Sprecher des Heeres: „Das Heer selber befindet sich derzeit im Planungsprozess zur zukünftigen Ausgestaltung seiner Strukturen. Diese Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Vor diesem Hintergrund bitten wir um Verständnis, dass wir das von Ihnen Angefragte weder bestätigen noch dementieren können. Nach Abschluss aller Planungen und Vorliegen entsprechender Entscheidungen wird das Heer über die Ergebnisse informieren.“

Das Fallschirmjägerregiment 26 hat laut dessen Internetseite elf Kompanien im pfälzischen Zweibrücken und im saarländischen Merzig. Die Zweibrücker Niederauerbach-Kaserne ist mit weitem Abstand der größere Standort.

Der Heeres-Sprecher schreibt auf Merkur-Anfrage zu den von Hartpunkt recherchierten Plänen, die 2. und 3. Kompanie aus Zweibrücken abzuziehen, zur Zahl der EGB-Soldaten in diesen Einheiten: „Fast alle der Dienstposten in den beiden Kompanien beim Fallschirmjägerregiment 26 sind mit dem Fähigkeitsprofil ,EGB’ hinterlegt.

Unsere Zeitung hatte natürlich auch nach genaueren Zahlen genannt, um die Dimension eines möglichen Teil-Abzugs aus Zweibrücken verdeutlichen zu können. Und wissen wollen, wo und wann die letzten Auslandseinsätze der EGB-Kräfte aus Zweibrücken waren.

Hierüber gab das Heer keine Auskunft, denn: „Bitte haben Sie Verständnis, dass aus Gründen des Eigenschutzes der Soldaten und der militärischen Sicherheit keine detaillierte Darstellung dieser Kräfte und auch keine detaillierte Auflistung von Zahlen und Standorten übermittelt werden kann.“

Evakuierung Deutscher weltweit aus Krisenlagen

Die Internetseite des Fallschirmjägerregiments 26 beschreibt dessen Kernaufgaben so: „Die Gliederung, Ausbildung und Ausrüstung befähigt es besonders für Luftlandeoperationen sowie zum eigenständigen Kampf inmitten von feindlichem Gebiet. Zusätzlich evakuieren die Fallschirmjäger deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger weltweit aus Krisenlagen.“

Öffentlich bekannt ist die tragende – und leider opferreiche – der Zweibrücker Fallschirmjäger beim 2021 plötzlich beendeten Afghanistan-Einsatz.

EGB-Kräfte verfügen über „besondere Durchsetzungs- und Überlebensfähigkeit“

Der Sprecher des Heeres in Strausberg erläutert wie folgt, worum es sich bei den EGB-Soldaten handelt: „Die Spezialisierten Kräfte der Bundeswehr mit erweiterter Grundbefähigung, kurz EGB-Kräfte, sind von ihrer Grundbefähigung her Fallschirmjäger, die aber durch eine intensive Zusatzausbildung über eine besondere Durchsetzungs- und Überlebensfähigkeit verfügen. Diese Fähigkeiten können sie gerade in isolierten Lagen, also ohne unmittelbare Bindung an eigene Truppen, auf dem Gefechtsfeld zur Wirkung bringen. Dabei können sie eigenständig im gesamten Einsatzspektrum konventioneller Streitkräfte, oder aber zur Unterstützung der Spezialkräfte der Bundeswehr, eingesetzt werden.“

Das „Fähigkeitsprofil“ der EGB-Kräfte sei nicht nur in den vier oben genannten Fallschirmjägerkompanien, „sondern punktuell auch in anderen Einheiten innerhalb der Division Schnelle Kräfte vorhanden. Dabei sollen verschiedene Truppengattungen außerhalb der Fallschirmjäger in einem gemeinsamen Fähigkeitsverbund zusammenwirken können.“

Bundeswehr und Staatsanwaltschaft ermitteln nach Vorfällen in Niederauerbach-Kaserne

Die Zweibrücker Niederauerbach-Kaserne ist seit Monaten bundesweit in den Schlagzeilen, weil dort nach zunächst internen Hinweisen von offenbar vor allem Kameradinnen wegen Drogenmissbrauch, sexueller Übergriffe und einer Party mit „Nazi-Uniformen“ und Hitlergruß ermittelt wird.

Zwar betrafen die Vorfälle nur eine kleine Minderheit der Soldaten – aber in beträchtlicher Anzahl: Im Juni (wir berichteten) gab es laut Heer 59 Beschuldigte, davon seien 20 Fälle bereits an die Staatsanwaltschaft übergeben und 16 Entlassungen ausgesprochen.

Stehen die EGB-Veränderungspläne auch in einem Zusammenhang mit dem infolge der Vorfälle in Zweibrücken initiierten Aktionsplan Luftlandetruppe? Diese Merkur-Frage ließ das Heer in seiner Antwort vom Mittwoch unbeantwortet.

Auch Auswirkungen aufs Saarland?

Ebenso ohne Antwort ist derzeit noch die Frage, ob die Reformpläne auch Auswirkungen auf die Kaserne in Merzig und/oder den Sitz der Luftlandebrigade 1 (auch als Saarland-Brigade bekannt) in Saarlouis haben könnten. Und ob Zweibrücken, Merzig oder Saarlouis als Standorte grundsätzlich in Gefahr geraten könnten – oder dies bereits auszuschließen ist.