Gert-Uwe Mende (SPD) hat im März vergangenen Jahres die Stichwahl gegen den parteilosen Thilo von Debschitz gewonnen, nicht etwa gegen einen Kandidaten der CDU. Während die Wiesbadener CDU unter Führung des hessischen Landwirtschaftsministers Ingmar Jung von Debschitz und sein respektables Ergebnis für sich vereinnahmte, fand der frühere Wiesbadener Oberbürgermeister Achim Exner damals die für ihn so typischen klaren Worte: „Ich habe das Ergebnis so erwartet. Da kandidierte jemand, der den Laden gut kennt, gegen jemanden, der sicher ein guter Unternehmer in seinem Fach ist, aber von Politik und Verwaltung null Ahnung hat.“
Ganz im Stil seiner Jahre in der aktiven Politik und mit der ihm eigenen Lust am politischen Streit fügte er hinzu: Es sei „peinlich“, dass CDU und FDP niemanden in ihren Reihen gefunden hätten, der bei der Oberbürgermeisterwahl habe kandidieren können.
„Keine Marionette und auch kein Papiertiger“
Taktieren und Zurückhaltung sind nicht die ersten Verhaltensweisen, die einem einfallen, wenn man an Achim Exner denkt. Er folgte vielmehr konsequent und manchmal ohne große Rücksicht auf sich und andere seinen Überzeugungen. 1985 wurde er zum Oberbürgermeister gewählt und 1991 noch einmal — zum letzten Mal von der Stadtverordnetenversammlung. Trotz guter Chancen verzichtete er darauf, zur ersten Direktwahl des Oberbürgermeisters in der Landeshauptstadt anzutreten. Er wolle keine Marionette und auch kein Papiertiger sein, sagte er damals. Für ihn war demnach eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung die notwendige Basis für eine gestaltende Arbeit als Oberbürgermeister.
In einem anderen Fall sorgte Exners konsequentes Durchsetzen dessen, was er für richtig hielt, dafür, dass der Oberbürgermeister von Wiesbaden in ganz Deutschland bekannt wurde. Er legte 1991 eine Babypause ein. Das tat Jahrzehnte später beispielsweise auch der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (ebenfalls SPD), aber die Voraussetzungen waren gänzlich andere. Denn Exner war nicht mit der Mutter der gemeinsamen Tochter Marie Valentine, der damaligen Kulturdezernentin Margarete Goldmann, verheiratet. Die Auskunft des Innenministeriums war eindeutig: Erziehungsurlaub sei nicht möglich, weil Exner als außerehelicher Vater gar kein Sorgerecht habe. Daraufhin beantragte Exner erfolgreich eine Teilzeitbeschäftigung beim Magistrat. Und so konnte Papa Exner für ein halbes Jahr in Teilzeit arbeiten — bei halbierten Bezügen. Er erntete damals viel Lob, musste aber auch heftige Anwürfe hinnehmen. So hielten ihm Kritiker vor, es gehe ihm nur um Publicity. Er hätte ja auch stillschweigend weniger arbeiten können, lautete die dubiose Argumentation.
Citybahn eine „gigantische anachronistische Fehlinvestition“
Auch nach seiner Amtszeit meldete sich Exner immer wieder zu aktuellen Fragen zu Wort und wurde gehört. So votierte er offen gegen die Citybahn, die er mit anderen Kritikern als „eine gigantische anachronistische Fehlinvestition“ bezeichnete. Die ehemalige Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) aus Wiesbaden appellierte dagegen an die Sozialdemokraten, bei den Menschen für ein Ja zur Citybahn zu werben.
Exner hatte nie Hemmungen, auch gegenüber Genossen seinem Ärger öffentlich Luft zu machen. Als etwa in den Achtzigern der damalige SPD-Landesgeschäftsführer die Wiesbadener Dyckerhoff-Deponie als Ersatz für den Müll anbot, der in die Grube Messel verbracht werden sollte, ohne vorher mit der Wiesbadener Kommunalpolitik zu sprechen, bescheinigte Exner ihm „eine fast schon dämliche Art und Weise, Politik zu machen“.
Der Wiesbadener Autor und Chronist Manfred Gerber weist auf ein weiteres großes Verdienst hin, das sich Exner noch in seiner Zeit als Juso in den Siebzigerjahren erworben hatte: Zusammen mit anderen Jungsozialisten war er maßgeblich an der Organisation des Protestes beteiligt, der den Abriss des historischen Bergkirchenviertels und des großen Villengebietes der City Ost verhinderte.
Exner führte Gespräche mit einfachen Leuten genauso empathisch wie mit Weltstars wie Audrey Hepburn oder hochrangigen Staatsgästen. Gewiss auch deshalb grüßten ihn viele Wiesbadenerinnen und Wiesbadener bis zuletzt herzlich, wenn der stets erst einmal freundlich lächelnde Mann in der Stadt unterwegs war. Am Donnerstagabend ist Exner an den Folgen einer Krebserkrankung im Alter von 81 Jahren gestorben.