Uringeruch in Zürich: Nachwirkungen der Street Parade bleiben bestehen

Publiziert10. August 2026, 17:40

Street-Parade-WildpinklerZürich stinkt nach Urin – «das wird so bleiben, bis Regen kommt»

Auch zwei Tage nach der Street Parade erinnert ein starker Uringeruch noch an die Wildpinkler der Technoparty. Passanten ekeln sich – manche meiden deshalb sogar den See.

Lisa Arnold

Darum gehts

  • Zwei Tage nach der Street Parade in Zürich ist rund um das Seebecken und den Bahnhof Stadelhofen ein beissender Uringeruch wahrnehmbar.
  • Da der Regen vorerst ausbleibt, dürfte der Gestank noch länger anhalten. Passantinnen und Passanten reagieren unterschiedlich auf den unangenehmen Geruch.
  • Entsorgung + Recycling Zürich setzt auf Nassreinigung und Geruchssprays – und bittet um Meldungen via «Züri wie neu».

Rund um die Umzugsroute der Street Parade erinnert ein beissender Uringeruch an die Wildpinkler der grössten Technoparty der Welt. Weil es in den nächsten Tagen voraussichtlich auch nicht regnen wird, werden sich die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher vorerst wohl oder übel mit dem Uringeruch anfreunden müssen.

«Der Uringestank erinnert mich irgendwie ein wenig an Paris», erzählt Sara (28) mit einem Lachen. Die 28-Jährige lebt normalerweise in der französischen Hauptstadt und weilt nur für zwei Wochen in Zürich.

An der Street Parade war Sara (28) zwar selbst nicht, sie habe aber auch schon vom Wildpinkeln an der grössten Technoparty der Welt gehört.

An der Street Parade war Sara (28) zwar selbst nicht, sie habe aber auch schon vom Wildpinkeln an der grössten Technoparty der Welt gehört.20min/Lisa Arnold

«Zum Teil fällt mir der aggressive Geruch schon auf», sagt die junge Frau weiter. Da sie allerdings von ihrer Heimatstadt schon ein wenig daran gewöhnt sei, halte sie der Gestank nicht davon ab, an den See zu gehen.

«Gehe mindestens eine Woche lang nicht hier baden»

Ähnlich entspannt nimmt die Situation Christoph (26) aus Berlin. «Ich bin mich viel Schlimmeres gewohnt», erzählt auch er lachend. Am Montagnachmittag sitzt er am Seefeldquai, in Richtung Chinawiese, wo der Gestank ein wenig schwächer sei: «Es gibt schon Stellen, an denen es besonders stark riecht. Dort gehe ich dann einfach ganz schnell vorbei.»

Christoph (26) war am vergangenen Samstag nicht an der Street Parade. Der 26-Jährige sei geschäftlich für ein paar Tage in Zürich.

Christoph (26) war am vergangenen Samstag nicht an der Street Parade. Der 26-Jährige sei geschäftlich für ein paar Tage in Zürich.20min/Lisa Arnold

Gemäss Christoph ziehe der Geruch an Stellen mit vielen Bäumen und Gebüschen relativ schnell weg. «Wo es nur Beton gibt, bleibt der Geruch länger haften», so der Berliner.

Ebenfalls am Seefeldquai verweilen am Montagnachmittag Valerie und Leonie (beide 17) aus dem Kanton Zürich. Obwohl sie selbst nicht an der Street Parade waren, stört sie das Wildpinkeln stark.

«Ab und zu riecht man den Uringestank noch», so Valerie (links) und Leonie (rechts).

«Ab und zu riecht man den Uringestank noch», so Valerie (links) und Leonie (rechts).20min/Lisa Arnold

Weiter betont Leonie: «Zum Teil hört man auch von Leuten, die sich in den See übergeben. Deshalb würde ich hier jetzt sicher nicht im See baden gehen.» Dem stimmt Valerie zu und fügt an: «Ich auch nicht – mindestens eine Woche lang nicht.»

«Finde es grauenhaft»

Einen Schritt weiter geht dieser 24-jährige Mann aus Zürich: «Ich traue mich hier mindestens zwei Wochen nicht in den See.» Er ekle sich zu sehr, um jetzt im Zürcher Seebecken baden zu gehen.

Der 24-Jährige war selbst an der Street Parade.

Der 24-Jährige war selbst an der Street Parade.20min/Lisa Arnold

Zum Wildpinkeln sagt er: «Ich finde es grauenhaft und gar nicht geil, aber was will man dagegen schon tun?» Am Anfang des Seefeldquais rieche es sehr stark nach Urin, findet er. Aus Routine sei er dennoch am See spazieren gegangen.

Ebenfalls als «megagrusig» bezeichnet diese Gruppe junger Erwachsener den Uringestank in der Stadt nach der Street Parade. Dennoch seien sie für ein Picknick ans Seeufer gekommen: «Wir haben uns einen Platz ausgesucht, an dem es nicht zu stark stinkt.»

Diese Gruppe junger Erwachsener (19, 18 und 17) ekelt das Wildpinkeln.

Diese Gruppe junger Erwachsener (19, 18 und 17) ekelt das Wildpinkeln.20min/Lisa Arnold

Eine von ihnen wohne eigentlich in Deutschland. Sie sagt: «Zürich ist sonst aussergewöhnlich sauber – viel sauberer als Deutschland.» Es habe sie deshalb erstaunt, als sie nach der Street Parade zum Teil Abfallberge, die aus umgefallenen Eimern quellten, sah.

«Bis Regen kommt, müssen wir uns auf Uringeruch einstellen»

Auf Anfrage äussert sich Tobias Nussbaum, Leiter Kommunikation von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ), zum Wildpinkeln: «Wir wirken schlechten Gerüchen entgegen, indem wir rund um die Umzugsroute zum Schluss der Reinigung eine Nassreinigung durchführen.»

«Nach der Street Parade entfernen wir mit dieser Methode klebrige und schlecht riechende Rückstände vom Asphalt. Bis der erste Regen kommt, müssen wir uns wohl hier und da auf Uringeruch in der Stadt einstellen», so Nussbaum. Das wird aktuellen Wetterprognosen zufolge frühstens am Wochenende passieren.

«Dass an der Street Parade häufiger als sonst im öffentlichen Raum uriniert wird, erleben wir jedes Jahr», so Nussbaum.

«Dass an der Street Parade häufiger als sonst im öffentlichen Raum uriniert wird, erleben wir jedes Jahr», so Nussbaum.Reto Oeschger/Tamedia AG

Die Mitarbeitenden der Stadtreinigung seien auf ihren täglichen Touren durch die Stadt mit einem Spray ausgerüstet, den sie punktuell ausbringen können, um schlechte Gerüchte zu übertünchen. Um schlecht riechende Orte zu finden, helfe eine Meldung via «Züri wie neu». Dazu betont Nussbaum: «Die Stadtreinigung dankt für zweckdienliche Hinweise.»

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Lisa Arnold

Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.

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