Zwei Jahre nach der Flut: Gottsbüren kämpft sich zurück

Stand: 03.08.2026, 06:05 Uhr

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Leserfoto - Unwetter in Nordhessen - 02.08.2024GottsbürenFoto: Thomas Thiele

Wassermassen überall: In der Wochenendausgabe vom 3./4. August war dieses Foto auf dem Titel. © Thiele, Thomas

Ein Unwetter vor zwei Jahren, in der Nacht vom 1. auf den 2. August, erwischte vor allem den Trendelburger Stadtteil Gottsbüren heftig. Wir erinnern daran heute in Teil 2 unserer Serie zum Themenkomplex Hochwasser.

Gottsbüren – „Es kamen richtige Flutwellen die Straßen herunter“, erinnert sich Andreas Haupt. Der Ortsvorsteher von Gottsbüren war am 1. August 2024 auch als Feuerwehrmann im Einsatz. Was zunächst mit einem überschwemmten Straßenabschnitt am Gasthaus „Am Anker“ begann, entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer Katastrophe. Straßen wurden zu reißenden Strömen, Autos und sogar ein Gastank wurden von den Wassermassen mitgerissen. „So hilflos habe ich mich als Feuerwehrmann noch nie gefühlt. Selbst wir als Feuerwehr kamen nicht mehr durch und konnten zunächst nur zusehen.“

Als am nächsten Morgen das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar wurde, stand für Haupt fest: „Das Unterdorf ist Schrott.“ Gleichzeitig erinnert er sich vor allem an den außergewöhnlichen Zusammenhalt in den Tagen danach. „Vor allem in den ersten zehn Tagen war die Hilfsbereitschaft enorm.“

Erinnerungen, die verschwinden

Zwei Jahre nach dem Hochwasser, liegt keine Asphalt-Platte mehr über dem Bachlauf.

Zwei Jahre nach dem Hochwasser, liegt keine Asphaltplatte mehr über dem Bachlauf. © Foto: Wanda Curic

Von dieser Unterstützung profitierten auch die betroffenen Familien. Heute, nach zwei Jahren, ist das Haus der Familie Wiegand wieder bewohnbar. Das Erdgeschoss war durch die Flut komplett zerstört worden, viele Erinnerungsstücke gingen verloren. Weil kurz zuvor keine Elementarschadenversicherung abgeschlossen worden war, musste die Familie trotz Spenden rund 35.000 Euro selbst investieren. „Wir waren froh, dass wir vieles selbst machen konnten und Unterstützung von Bekannten bekommen haben“, sagt Daniel Wiegand. Noch heute werde seine Frau unruhig, wenn es stärker regnet.

Wie zerbrechlich ein Neuanfang sein kann, zeigt das Schicksal der Familie Nebe. Nach zwei Jahren Arbeit war ihr Haus nach dem Hochwasser fast vollständig saniert – bis im März ein Brand das rund 250 Jahre alte Gebäude unbewohnbar machte. „Erinnerungsstücke, die wir nach dem Hochwasser noch retten konnten, sind jetzt auch weg“, sagt Tim Nebe. Trotz des erneuten Rückschlags erinnert er sich vor allem an die vielen Helfer nach der Flut. Gleichzeitig gebe es im Ort noch immer zahlreiche Häuser, die leer stünden oder zum Verkauf angeboten würden.

Gottsbüren: Vieles umgesetzt, manches fehlt noch

Während viele Bewohner ihre Häuser wieder aufgebaut haben, arbeitet auch die Stadt Trendelburg weiter an der Infrastruktur. „Brücken, die nicht mehr da sind. Die immense Kraft der Wassermassen – das sind die Bilder, die einem im Kopf bleiben“, erinnert sich Michael Wörner, Erster Stadtrat. Sichtbar werde der Wiederaufbau vor allem an der sanierten Mühlenstraße. Gleichzeitig seien Einlaufbauwerke und Durchlässe verbessert, Starkregengefahrenkarten erstellt und Planungen für einen besseren Wasserrückhalt vorangetrieben worden. Eine der größten Aufgaben bleibt jedoch der Neubau der zerstörten Brücke „Am Nacken“, deren Planung weitergeführt werden soll.

Bis zum Strich auf der Tafel stand das Wasser bei Daniel Wiegand vorm Haus. Vor der Garage stappelten sich vor zwei Jahren die Autos.

Bis zum Strich auf der Tafel stand das Wasser bei Daniel Wiegand vor dem Haus. Vor der Garage stapelten sich vor zwei Jahren die Autos. © Foto: Wanda Curic

Auch im Ortskern kehrt langsam wieder Normalität ein. Die Ortsdurchfahrt sollte Ende Juli fertiggestellt werden, öffentliche Plätze werden neu gestaltet und die Grundstruktur des Dorfes ist wiederhergestellt. „Wir haben zwar noch zwei bis drei Jahre intensiv mit dem Wiederaufbau zu tun“, sagt Haupt. Zwei Jahre nach der Flut ist Gottsbüren weit gekommen – abgeschlossen ist der Wiederaufbau aber noch nicht.

Der Landkreis Kassel liegt auf Platz 123 von 402 beim Hochwasser-Risiko. Dabei wurden kleinere Flüsse und Bäche nicht berücksichtigt – genau die hatten 2024 im Altkreis Hofgeismar die stärksten Schäden verursacht.