Stand: 05.09.2026, 14:16 Uhr
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Eine bekannte Fahrradmarke steckt erneut in schweren finanziellen Problemen. Nun entscheidet sich, ob der Neustart noch einmal gelingen kann.
München – Der österreichische Fahrradhersteller Simplon ist erneut insolvent. Die 2Rad Produktions GmbH, die aus der früheren Simplon Fahrrad GmbH hervorgegangen ist, hat beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Für die bekannte Fahrradmarke ist es bereits die zweite Insolvenz innerhalb von zwei Jahren.

Für Radfahrer in Deutschland ist der Fall keine Randnotiz. Simplon gilt im deutschsprachigen Raum als bekannte Marke für hochwertige Mountainbikes, Rennräder, Gravelbikes und E-Bikes. Nun geht es um Schulden von mehr als 33 Millionen Euro, rund 150 Gläubiger und 54 Beschäftigte am Standort Hard im österreichischen Bundesland Vorarlberg.
Simplon zum zweiten Mal insolvent
Der neue Insolvenzantrag kommt nur kurze Zeit nach dem Abschluss des ersten Sanierungsverfahrens. Dieses war Ende 2024 beendet worden. Nun ist der damalige Sanierungsplan gescheitert, weil das Unternehmen eine fällige Rate nicht mehr bezahlen konnte. Dadurch leben alte Forderungen wieder auf.
Besonders schwer wiegt dabei ein Altlasten-Posten aus dem ersten Verfahren. Von den rund 33,4 Millionen Euro Gesamtforderungen entfallen nach Angaben des Kreditschutzverbands KSV1870 etwa 28,3 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten aus dem früheren Sanierungsverfahren. Der Versuch, Simplon nach der ersten Pleite wieder auf eine stabile Grundlage zu stellen, ist damit vorerst gescheitert.
Die finanzielle Lage des Unternehmens ist gravierend. Insgesamt sind rund 150 Gläubiger betroffen. Die 2Rad Produktions GmbH beschäftigt derzeit 54 Mitarbeiter am Standort Hard. Das Unternehmen ist innerhalb der Simplon-Gruppe für die Produktion zuständig und firmierte früher unter dem Namen Simplon Fahrrad GmbH.
Nach der ersten Insolvenz war Christoph Mannel, ehemaliger Manager beim Fahrradkonzern Accell, als Investor und Geschäftsführer eingestiegen. Er steht auch heute an der Spitze der 2Rad Produktions GmbH. Auf eine Anfrage hat er sich bislang nicht geäußert. Die Geschäftsführung erklärte gegenüber dem KSV1870, die Kommunikation vor der Anteilsübernahme sei „nicht zur Gänze nachvollziehbar beziehungsweise korrekt gewesen“.
Lieferprobleme verschärfen die Krise
Als Ursachen für die erneute Schieflage nennt die Geschäftsführung mehrere Faktoren. Fehlende Bauteile und Probleme mit einem wichtigen Partner hätten verhindert, dass bestellte Fahrräder rechtzeitig ausgeliefert werden konnten. Dadurch blieben Umsätze aus, zugleich konnten Folgeaufträge nicht wie geplant gewonnen werden.
Hinzu kommt der anhaltend schwache europäische Fahrradmarkt. Die Branche leidet seit dem Ende des Corona-Booms unter sinkender Nachfrage, hohen Lagerbeständen und Überkapazitäten. Viele Hersteller und Händler hatten während der Pandemie stark von der hohen Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes profitiert. Danach kühlte der Markt jedoch deutlich ab.
Sanierungsplan scheitert an fälliger Rate
Für Simplon wurde die Kombination aus Lieferproblemen, schwachem Markt und alten Schulden nun zu groß. Der angenommene Sanierungsplan aus dem ersten Verfahren sah regelmäßige Ratenzahlungen vor. Doch bereits die nächste fällige Rate konnte nicht mehr bedient werden.
Damit ist die Lage besonders heikel. Denn die erneute Insolvenz zeigt, dass nicht nur ein kurzfristiger Liquiditätsengpass vorliegt. Vielmehr stellt sich die Frage, ob das Geschäftsmodell unter den aktuellen Marktbedingungen tragfähig genug ist, um Produktion, Vertrieb und Schuldendienst gleichzeitig zu stemmen.
Betrieb soll vorerst weiterlaufen
Trotz der erneuten Insolvenz soll der Betrieb in Hard zunächst weiterlaufen. Das Unternehmen will seinen Gläubigern einen neuen Sanierungsplan vorlegen. Parallel dazu wird nach weiteren Investoren gesucht. Ob das gelingt, ist offen.
Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung bedeutet, dass das Unternehmen die Kontrolle über die Sanierung nicht selbst behält. Stattdessen übernimmt ein gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter die zentrale Rolle. Für die Gläubiger kann das mehr Kontrolle bedeuten, für das Unternehmen aber auch weniger unternehmerischen Spielraum.
Fahrradbranche weiter unter Druck
Der Fall Simplon steht für die Schwierigkeiten einer ganzen Branche. Nach den Boomjahren der Pandemie ist der Fahrradmarkt in Europa deutlich schwieriger geworden. Viele Kunden halten sich mit Neuanschaffungen zurück, Händler sitzen auf hohen Beständen, und Hersteller müssen mit schwankenden Lieferketten, Preisaktionen und sinkenden Margen umgehen.
Gerade Premiumanbieter geraten dadurch unter Druck. Hochwertige Fahrräder und E-Bikes sind teuer in Entwicklung, Produktion und Lagerhaltung. Wenn die Nachfrage schwächer ausfällt oder Bauteile fehlen, geraten die Kalkulationen schnell ins Wanken. Bei Simplon kamen zu diesen Problemen noch die Altlasten aus dem ersten Insolvenzverfahren hinzu. (Quellen: KSV1870, AKV Europa, ORF Vorarlberg, WirtschaftsWoche) (mare)