Zwölf Millionen Euro Ersatzzahlungen für gefällte Bäume: Was passiert damit?

Einnahmen 2025

Zwölf Millionen Euro Ersatzzahlungen für gefällte Bäume: Was passiert damit?

Für gefällte Bäume in Wien können Ersatzbäume gepflanzt oder eine Abgabe geleistet werden. Was mit dem Geld passiert, wurde nicht dokumentiert. Das soll sich nach Kritik ändern

David Krutzler

Drei Personen bauen ein Holzstützgerüst um einen frisch gepflanzten Baum auf einer Verkehrsinsel in einer städtischen Umgebung auf. Im Hintergrund sind Gebäude, geparkte Autos und ein Restaurant zu sehen.
Die Wiener Stadtgärten haben im Vorjahr 5190 Bäume gepflanzt: 3357 Bäume waren Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume, dazu kamen 1833 Neupflanzungen. Kann nachgewiesen werden, dass eine Ersatzpflanzung nicht möglich ist, kann auch eine Ausgleichsabgabe in Höhe von 5000 Euro an die Stadt gezahlt werden.

Sie geben Schatten, kühlen die unmittelbare Umgebung durch Verdunstung und verbessern die Luftqualität. Bäume im Stadtgebiet sind unverzichtbar: Ihre Bedeutung nimmt angesichts zunehmender Hitzewellen und heißer werdender Sommer immer weiter zu. Auch Wien ist stark vom Klimawandel betroffen, die Anzahl von Hitzetagen und Tropennächten steigt signifikant. Wer in der aufgeheizten Stadt unterwegs ist, merkt einen großen Unterschied, ob Bäume entlang von Straßen oder auf Plätzen gepflanzt sind oder nicht.

Die rot-pinke Wiener Stadtregierung hat sich im Regierungsprogramm zum Ziel gesetzt, neben der Schaffung von neuen Park- und Grünflächen in dieser Legislaturperiode auch mindestens 20.000 neue Bäume zu pflanzen. Das Ziel ist, eine möglichst hohe Beschattung der versiegelten Flächen zu erreichen.

Rund 100.000 Straßenbäume

Insgesamt verwalten die Wiener Stadtgärten (MA 42) im gesamten Stadtgebiet inklusive Grünflächen und Parks mehr als 500.000 Bäume. Rund 100.000 davon fallen unter die Kategorie Straßenbäume. Allein die Wiener Stadtgärten pflanzten nach Eigenangaben im Vorjahr 5190 Bäume, wie ein Sprecher von Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) auf STANDARD-Anfrage mitteilt.

Dabei handelt es sich aber nicht nur um Bäume an neuen Standorten: 3357 Bäume waren behördlich vorgeschriebene Ersatzpflanzungen für bewilligte gefällte Bäume, dazu kamen 1833 Neupflanzungen.

Straßenszene in einem urbanen Viertel im 5. Bezirk von Wien (Margareten). Die Straße ist von Bäumen, Grünflächen und Geschäften gesäumt. Am Straßenrand sind Fußgänger zu sehen, und eine Ampel zeigt grün. Klarer blauer Himmel im Hintergrund.
Rund 100.000 Straßenbäume gibt es in Wien. In Zeiten des voranschreitenden Klimawandels und häufiger werdender Extremtemperaturen werden diese immer wichtiger.

Das Wiener Baumschutzgesetz sieht vor, dass bei bewilligten Baumentfernungen verpflichtend Ersatzbäume gepflanzt werden müssen. Die Fällungen können wegen Bauprojekten notwendig werden – oder wenn von Bäumen eine Gefahr ausgeht, diese alt oder krank sind und ihre ökologische Wirksamkeit nicht mehr entfalten können.

Im Jahr 2024 wurden etwa 11.738 Baumfällungen behördlich bewilligt und 12.471 Ersatzpflanzungen vorgeschrieben. Im Vorjahr standen 9122 gefällten Bäumen 11.913 Ersatzpflanzungen gegenüber. Die höhere Anzahl an Ersatzbäumen ist darauf zurückzuführen, dass bei größeren Bäumen gesetzlich mehr als nur ein Ersatzbaum vorgeschrieben wird. Die Ersatzpflanzungen müssen entweder vor Ort, im Umkreis von 300 Metern oder innerhalb des Bezirks vorgenommen werden.

Zwölf Millionen Euro Einnahmen im Vorjahr

Kann nachgewiesen werden, dass eine Ersatzpflanzung nicht möglich ist, kann auch eine Ausgleichsabgabe an die Stadt gezahlt werden. Im Vorjahr kam es etwa in 1545 Fällen zur Zahlung einer Ausgleichsabgabe.

Bis zum Jahr 2024 betrug der Einheitssatz 1090 Euro pro Baum, seit der Novelle des Baumschutzgesetzes sind es 5000 Euro. Mit der massiven Abgaben-Erhöhung können auch einige Entwicklungen in den vergangenen Jahren erklärt werden: Zum einen machten seit der Gesetzesänderung etwas weniger Personen davon Gebrauch, sich von der Verpflichtung für Ersatzpflanzungen "freizukaufen". Zum anderen stiegen die Einnahmen der Stadt aus dieser Abgabe deutlich an: 2024 waren es nach Angaben der Stadt 8,8 Millionen Euro, im Vorjahr fast 12,1 Millionen Euro.

Die Einnahmen sind gesetzlich im Sinne der Ziele des Wiener Baumschutzgesetzes zweckgewidmet – etwa für die Anpflanzung von Bäumen oder für Schutzmaßnahmen. Wofür die Mittel aber konkret verwendet werden, wird von der Stadt nicht ausgeschildert: Dass die Stadt Wien keine Aufzeichnungen darüber führt, bemängelte Anfang des Jahres der Stadtrechnungshof in einem Bericht explizit.

Die Wiener Grünen kritisieren, dass "die Gelder einfach im maroden rot-pinken Stadtbudget verschwinden", wie es die grüne Umweltsprecherin Tina Wirnsberger formuliert. Die Oppositionspartei fordert, dass die Gelder aus der Ausgleichsabgabe direkt den Bezirken zur Verfügung gestellt werden sollen. Laut den Grünen braucht es 100.000 neue Bäume in Wien bis zum Jahr 2030.

Eine Person sitzt mit ihrem Hund unter einem Baum im Schatten in einem Park in Wien. Im Hintergrund sind weitere Bäume und ein Zaun sichtbar. Sommerliche Atmosphäre.
Wie wichtig große, kühlende und schattengebende Bäume sind, wird vor allem bei andauernden Hitzewellen in der Stadt spürbar.

Geld auch für bestehende Bäume

Klimastadtrat Czernohorszky verweist darauf, dass die Einnahmen aus der Ausgleichsabgabe schon immer im Rahmen der Zweckwidmung für die Begrünung der Stadt eingesetzt worden seien, wie es aus seinem Büro in einer Stellungnahme zum STANDARD heißt. "Mit der Novelle des Wiener Baumschutzgesetzes wurde erreicht, dass die Ausgleichsabgabe nicht mehr nur für Baumpflanzungen selbst verwendet werden kann, sondern ebenso für Standortverbesserungen bestehender Bäume."

Das bedeutet, dass die Ausgleichsabgabe für gefällte Bäume nicht nur neuen Bäumen zugutekommt. Mit dem Geld können nach Angaben der Stadt auch Schutzmaßnahmen für bestehende Bäume oder nachträglich errichtete Bewässerungsanlagen finanziert werden. Damit soll der Baumbestand, der in Zeiten des Klimawandels größerem Druck ausgesetzt ist, besser abgesichert werden. Mit dem Geld aus der Ausgleichsabgabe können auch Flächen, auf denen künftig Bäume gepflanzt werden sollen, beschafft und ausgestaltet werden. "Aus diesem Grund fließen die Mittel der Ausgleichsabgaben an mehrere Dienststellen."

Die Stadt reagiert aber auf die Kritik des Stadtrechnungshofs: Ab dem Finanzjahr 2026 werde es "eine detaillierte Aufstellung" darüber geben, was mit den Geldern aus der Ausgleichsabgabe konkret passiert. Ab 2027 werde die widmungsgemäße Verwendung auf einer ausführlichen Basis dargestellt. (David Krutzler, 18.7.2026)

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