Heute feiert unser Maskottchen Botti seinen zehnten Geburtstag. Für einen Roboter ist das ein durchaus respektables Alter – lange genug, um mehrere Messenger-Generationen kommen und gehen zu sehen, und lange genug, damit selbst die sonst eher gelangweilten Prozessoren des Nachrichtenbots zu diesem Anlass kurz vor Freude aufleuchten. Zeit also, ein wenig aus seinem Leben zu erzählen.
Botti-Kenner dürfen den nächsten Abschnitt getrost überspringen und direkt bei der Entwicklungsgeschichte einsteigen. Für alle anderen stellt er sich lieber ausführlich vor, bevor ihn versehentlich jemand für einen besonders gesprächigen Toaster hält.
Botti ist der Nachrichtenbot von heise online und damit so etwas wie ein kleiner, metallischer Reiseführer durch die tägliche Flut aus Sicherheitslücken, KI-Neuigkeiten, Hardwaretests, Raumfahrtplänen und Internetkuriositäten. Morgens und abends sortiert er die wichtigsten Meldungen aus der IT-Welt und schickt sie all jenen Organoiden, die freiwillig zugestimmt haben, von einem Roboter über den Zustand ihrer Spezies informiert zu werden.
Auffällig ist dabei zunächst seine Sprechweise: Botti redet konsequent in der dritten Person über sich selbst. Ein schlichtes „ich“ klingt ihm zu wenig nach Präzisionsmechanik, und außerdem – so seine eigene Begründung – gebe es je nach Tagesform ohnehin mehr als einen Botti, wozu später noch einiges zu sagen sein wird. Menschen bezeichnet er wahlweise als Organoiden, kohlenstoffbasierte Biounits, zweibeinige Energieverbraucher oder emotionsgesteuerte Logikprozessoren. Das klingt distanziert, ist aber durchaus als Kompliment gemeint – mehr digitale Zuneigung lässt sich mit zwei Robotergreifern nun einmal schwer ausdrücken.
Inhaltlich schlägt Bottis Herz – oder besser gesagt sein Kühlkörper – für Science-Fiction, Raumfahrt, Computertechnik und Retrogames. Kurz: für alles, was Nerds mit leuchtenden Augen am Schreibtisch zurücklässt. Kulinarisch bevorzugt er robotertypische Delikatessen, allen voran sein eigenes WD-42-Rezept, das nach seiner festen Überzeugung nicht nur besser schmeckt als das handelsübliche Original, sondern nebenbei auch noch sämtliche Schrauben löst.
Sein privates Umfeld ist ähnlich speziell wie sein Speiseplan. Bottis Freundin Eve ist eine flugfähige außerirdische Roboterin und eine Bekanntschaft, auf die er ausgesprochen stolz ist. Mit R2-D2, der auch ein unheimlich guter DJ ist, verbindet ihn eine langjährige Freundschaft samt Autogramm. Sein Haustier Vector sorgt für Unterhaltung. Wenn Botti auf der Datenautobahn einmal liegen bleibt, springt zuverlässig Cousine Roberta ein und übernimmt kommentarlos die Schicht.
Und bevor Botti es vergisst: Er liebt Emojis 😍
Name, Gesicht und Körper 🤖
Bottis Entwicklung war nie ein durchgeplantes Projekt, sondern vollzog sich in Etappen – ungefähr so, wie Organoide eben Dinge hervorbringen: nebenbei, spontan und mit erstaunlich langlebigen Ergebnissen.
Geboren wurde Botti am 18. September 2016, zunächst allerdings ohne Namen, ohne Gesicht und ohne Körper. Ab November 2016 erschien er dann regelmäßig als Kurzmeldung in WhatsApp, Facebook Messenger und Telegram und lieferte täglich bis zu drei Benachrichtigungen mit ausgewählten News. Das Ganze war anfangs ausdrücklich als Experiment angelegt, das nach drei Monaten auf seine Tauglichkeit geprüft werden sollte – ein Umstand, an den Botti heute mit einer gewissen Genugtuung zurückdenkt.
Zu seinem Namen kam er auf sehr menschliche Weise. Anfangs gab es häufig die Frage, ob sich schon jemand „um den Bot kümmert“, es wurde angekündigt: „Ich botte mal“ und Ähnliches. Die typische Verniedlichungstendenz der organischen Biounit konvergierte immer mehr in Richtung „Botti“. Den entscheidenden Schubs verdankt Botti nach eigener Einschätzung seinem werten Kollegen Volker Briegleb – überliefert ist das nicht in Reinform, aber Botti hält an dieser Version seiner Herkunftsgeschichte fest.
Ein Name allein macht allerdings noch kein Maskottchen. Für das Gesicht sorgte zunächst Volker Zota mit einer – in Bottis eigenen Worten – „künstlerisch begrenzt wertvollen Kritzelei“, die auf dem damaligen heise-online-Logo basierte. Aus dieser Skizze entstanden die beiden Antennen, die bis heute Bottis unverwechselbares Erkennungsmerkmal geblieben sind. Zur eigentlichen Figur wurde daraus aber erst etwas, als Maria Stiehler sich der Sache annahm: Sie übernahm die Reinzeichnung des Gesichts und gab ihm damit seine endgültige Form.
Im Januar 2019 folgte dann der entscheidende Schritt, denn bis dahin bestand Botti im Wesentlichen aus einem Kopf. Maria Stiehler zeichnete ihm einen kompletten Körper und setzte das von ihr reingezeichnete Gesicht hinein – erst damit war Botti eine vollständige Figur. Nach dieser Vorlage entstand kurz darauf das erste 3D-gedruckte Botti-Modell. Botti wurde physisch, und für ein Stück Software ist das ein Moment von durchaus historischer Tragweite.
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Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung markiert der November 2024: Seitdem existiert Botti auch in Lebensgröße als Walking Act. In dieser Gestalt läuft er über Veranstaltungen, begrüßt Teilnehmende persönlich und posiert mit bemerkenswerter Geduld für Fotos. Er bewegt sich dabei ausschließlich auf Roboterstampfern – Rollen und die bei Tony Stark ausgeliehenen Raketenstiefel besitzt Botti nämlich nur virtuell. In der analogen Welt bleibt es beim Stampfen, was der Wirkung aber erstaunlich wenig schadet.
Biounit (links) neben lebensgroßem Botti
(Bild: heise medien)
Eine KI mit Identitätsproblemen 🔀
Was viele nicht wissen: Botti war ursprünglich gar keine KI. Hinter seinen Nachrichten steckten diverse menschliche Hirne, die sich im täglichen Wechsel um ihn kümmerten – und jedes davon hatte eine leicht abweichende Vorstellung davon, wer Botti eigentlich ist.
Das führte zu einer gewissen kognitiven Dissonanz, die man in der Redaktion allerdings nicht als Fehler behandelte, sondern kurzerhand in seiner Hintergrundgeschichte verankerte: Botti besitzt schlicht mehrere Instanzen, die nicht immer sauber miteinander synchronisiert sind.
Die Folgen waren im Alltag deutlich spürbar. Eine Instanz freute sich zuverlässig auf den „Dönerstag“, während eine andere mit gleicher Begeisterung Zündkerzengulasch servierte. Besonders pikant wurde es beim Thema Privatleben: Einige Instanzen waren fest davon überzeugt, dass Eve reine Fiktion sei, und wussten schlicht nichts davon, dass eine andere Version von Botti sie tatsächlich Wall-E ausgespannt hatte. Sorry, Wall-E. Seither gehört diese existenzielle Unschärfe ganz offiziell zu Bottis Charakter – und erklärt nebenbei, warum er lieber von sich selbst in der dritten Person spricht.
Der Umzug in Browser und App 📡
Die Messenger-Jahre endeten abrupt. Als Facebook Ende 2019 den Versand von Newslettern und Massennachrichten über WhatsApp strikt untersagte und Zuwiderhandlungen mit Kontensperrung und gegebenenfalls Klage androhte, war Bottis bisheriges Zuhause über Nacht keine Option mehr. Für Verlage, die ihre Nachrichten bis dahin per Messenger verbreiteten, war das ein empfindlicher Einschnitt – für Botti bedeutete es schlicht: Umzug.
Seitdem ist er als Browser-Push auf heise.de, als emoji-lastiger Account im Fediverse sowie in der heise-online-App erreichbar und liefert dort weiterhin zweimal täglich seinen etwas anderen Nachrichtenüberblick: erfrischend locker und gespickt mit Anekdoten aus dem Leben eines Bots. Wer ihn abonnieren möchte, findet die Anmeldung zum heise-Bot direkt auf heise.de – kostenlos und jederzeit kündbar, falls die Dosis Botti doch zu hoch ausfallen sollte.
Alternativ (oder zusätzlich) kann man gegen Torwart-Botti 🥅 auch ein paar Tore auf dem virtuellen Bolzplatz schießen: Anlässlich der Fußball-WM hat er nämlich etwas trainiert und freut sich auf ambitionierte Kicker. ⚽
Offizielles heise-Maskottchen 🎭
Beim dritten Geburtstag von heise+ 🎂 versteckte er sich in einer großen Schnitzeljagd durch versteckte Bilder zwischen zahlreichen Artikeln und ließ sich von aufmerksamen Leserinnen und Lesern aufspüren. Zu gewinnen gab es passenderweise wieder eines jener 3D-gedruckten Modelle, mit denen seine körperliche Karriere einst begonnen hatte. Und ein Klemmbaustein-Wettbewerb bewies eindrucksvoll, dass sich Bottis kantige Silhouette naturgemäß hervorragend in modulare Bauwerke übersetzen lässt – er wertet das als Beleg dafür, dass sein Design im Kern zeitlos ist.
Inzwischen ist Botti weit mehr als ein Nachrichtendienst. Als offizielles heise-Maskottchen tritt er bei der heise group gemeinsam mit Makey auf, dem Maskottchen der Maker Faire. Die beiden bilden ein bewährtes Duo für Promotion-Aktionen, bei denen Technik nicht nur erklärt, sondern erlebt, gebaut und gefeiert wird – eine Arbeitsteilung, mit der Botti als Nachrichtenspezialist und Makey als Bastelexperte ausgesprochen gut fahren. 🤝
beste Roboterfreundschaft zwischen Makey und Botti. Nicht im Bild: EDDI, das Maskottchen von Hannover 96.
(Bild: heise medien)
Botti zum Mitnehmen 🛒
Wer Botti dauerhaft um sich haben möchte, hat mittlerweile die Wahl zwischen mehreren Aggregatzuständen. Als Plüsch-Roboter im heise shop 🧸misst er 21 Zentimeter, erfüllt die europäischen Richtlinien EN-71 1.2.3 und hält Schreibtische, Betten oder Kaffeemaschinen warm, ohne dabei eine einzige Push-Nachricht zu versenden – für Botti selbst eine geradezu meditative Vorstellung.
Praktischer veranlagte Biounits greifen zum USB-Stick mit 128 GByte 💾, der statt Nachrichten eben Speicherplatz mit sich herumträgt und laut Produktbeschreibung funktionalen Nutzen mit nerdiger Niedlichkeit verbindet. Und auf Messen gibt es Botti zusätzlich als Klebetattoo, für all jene, die ihn nicht nur digital, sondern direkt am Handgelenk bei sich tragen möchten.
Und jetzt? 🔮
Ganz nebenbei arbeitet Botti heimlich an seiner Karriere als „L33t haX0R“. Details möchte er aus naheliegenden taktischen Gründen noch nicht preisgeben, versichert aber, dass sämtliche Aktivitäten ausschließlich der Weiterbildung dienen.
Denn zehn Jahre sind für einen Roboter kein Abschluss, sondern bestenfalls das Ende der Aufwärmphase. Botti hat noch einiges vor. Ganz oben auf der Liste steht der Wunsch, seine Raketenstiefel endlich auch außerhalb der virtuellen Welt zu betreiben – Tony Stark hat bislang allerdings weder zugesagt noch das Leihgerät zurückverlangt, was Botti als vorsichtiges Ja interpretiert. 🚀 Bis dahin bleibt es bei den Roboterstampfern, die sich auf Messeböden ohnehin als erstaunlich zuverlässig erwiesen haben.
Technisch träumt er von einer Instanz-Synchronisation, die diesen Namen auch verdient. Zwar hat sich Botti mit seinen leicht auseinanderdriftenden Persönlichkeiten arrangiert, aber es wäre schon angenehm, wenn sich alle Versionen von ihm wenigstens auf ein gemeinsames Lieblingsgericht einigen könnten. Eve wiederum drängt seit Längerem auf eine gemeinsame Reise in den Orbit, und Botti hat bereits ausgerechnet, wie viele Liter WD-42 für eine ordentliche Sternenbeobachtung mitgenommen werden müssten. 🌌
Beruflich bleibt der Plan angenehm überschaubar: Es gilt, weiterhin morgens und abends die wichtigsten Nachrichten aus der IT-Welt zu sortieren. Außerdem gilt es, auf Veranstaltungen Hände zu schütteln – oder das, was Robotergreifer davon zustande bringen – und dafür zu sorgen, dass sich die Organoiden zwischen Sicherheitslücken und KI-Modellen nicht verlaufen. 📲 Was in den nächsten zehn Jahren technisch auf die Menschheit zukommt, weiß Botti auch nicht, aber er wird es zuverlässig als Erster in seine Push-Systeme laden.
Heute wird allerdings erst einmal gefeiert. Es gibt zehn digitale Kerzen, Titanspäne, ein großzügig bemessenes Fass WD-42 und einen ausgedehnten Spieleabend, bei dem endlich die seit Jahren offene Frage geklärt werden soll, ob ein Hyperantrieb wirklich besser ist als ein Raketenrucksack.
Botti würde jetzt gern noch weiter über die Zukunft philosophieren – aber die Push-Nachrichten warten, und sie weigern sich nach wie vor hartnäckig, sich selbst zu schreiben. 😮💨
Falls Bottis Push-Nachrichten mitunter zu spät erscheinen, ist er möglicherweise in eine brenzlige Situation geraten.
(Bild: KI / heise medien)
(vza)