30 Jahre auf derselben Bank – Weinfest erzählt viele Geschichten

Stand: 22.07.2026, 06:00 Uhr

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Thilo und Banyalak Dohm

Sitzt seit 30 Jahren auf demselben Platz. Der gebürtige Dietzenbacher Thilo Dohm ist Stammgast auf dem Weinfest. Am Wochenende kommt auch seine Frau Banyalak mit. © privat

Thilo Dohm besucht das Weinfest seit der ersten Ausgabe. Vom Eröffnungs- bis zum Schlusstag nimmt er jeden Abend denselben Platz vor demselben Weinstand ein.

Dietzenbach – Seit 30 Jahren sitzt Thilo Dohm beim Dietzenbacher Weinfest auf derselben Bank, vor demselben Weinstand und mit denselben Freunden. Für den 64-Jährigen gehört das Fest längst zum Sommer dazu. Vom ersten bis zum letzten Abend ist der gebürtige Dietzenbacher dabei – und hat in drei Jahrzehnten so einiges erlebt. Zum Jubiläum des Weinfestes blickt Dohm auf unzählige Erinnerungen zwischen Grauburgunder, Apfelwein und langen Sommerabenden zurück.

Weinbrüder Tobias Ricardo

„Die Weinbrüder“ zum ersten Mal dabei: Tobias Nowak (links) und sein bester Freund Ricardo verkaufen den Wein eines Winzers aus dem Rheingau. © privat

Von Freitag, 24. Juli, bis Sonntag, 2. August, verwandelt sich der Europaplatz zum 30. Mal wieder in ein gemütliches Weindorf. Neben Weinen aus verschiedenen Anbaugebieten und zahlreichen Essensständen erwartet die Besucher täglich zwischen 19 und 22 Uhr Live-Musik regionaler Bands. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr jedoch der runde Geburtstag des Festes. Zu diesem Anlass wird ein 2025er Heppenheimer Grauburgunder als Jubiläumswein mit Sonderetikett verkauft. Außerdem gibt es am Stand der Stadt Dietzenbach neben der Bühne Weingläser mit eingraviertem Jubiläumslogo.

Öffnungszeiten und Programm

Das Weinfest ist von Freitag, 24. Juli, bis Sonntag, 2. August, täglich von 17 bis 0 Uhr geöffnet. Freitags und samstag ist Ausschank bis 0 Uhr, an den anderen Tagen bis 23 Uhr. Live-Musik ist von 19 bis 22 Uhr. Traditionell eröffnet die Band Crossfire am Freitag das Weinfest. Mit Anna Schenk steht am Samstag, 25. Juli, ein neues Gesicht auf der Dietzenbacher Bühne. Nur einen Tag später, 26. Juli, tritt auch Peter Lorenz erstmals auf dem Weinfest auf. Zum Wochenstart steht am Montag, 27. Juli, das Duo CaRo auf der Bühne, ehe am Dienstag, 28. Juli, der Auftritt der ChiC Partyband folgt. Mit Big T & the Bassmen kehren am Mittwoch, 29. Juli, altbekannte Gesichter zurück auf die Bühne, einen Tag später, 30. Juli, spielt das Don‘t stop musictrio. Zum letzten Weinfest-Wochenende übernimmt am Freitag, 31. Juli, DJ Nize T die musikalische Unterhaltung. Am Samstag, 1. August, sorgt die Band Mo Soul für sommerliche Stimmung, ehe Doctor Blond das Fest am Sonntag, 2. August, ausklingen lassen.

Erinnerungen an Sitzkissen und Feuerwerk

Stammgast Thilo Dohm war schon bei der Premiere dabei. Gemeinsam mit seinen Freunden nimmt er jeden Abend auf derselben Bank vor dem Stand des Weinhandels Karl Kulick Platz. „Mit dabei ist auch immer ein Bekannter aus Stuttgart, aber auch sonst findet man immer jemanden, den man kennt. Auch meine Frau ist an manchen Tagen dabei, am Wochenende eigentlich immer“, erzählt der 64-Jährige.

Angefangen habe alles, weil seine Eltern große Weinliebhaber gewesen seien. In den Anfangsjahren sei das Fest deutlich kleiner gewesen. Nur wenige Stände, keine Pavillons und auf den Bierzeltgarnituren hätten noch Sitzkissen gelegen, erinnert sich der Dietzenbacher. „Mittlerweile stehen da auch nur noch blanke Bierbänke. Früher gab es noch Sitzkissen, allerdings wurden die immer wieder gestohlen, weshalb es heute keine mehr gibt“, berichtet Dohm. Auch das beliebte Feuerwerk sei längst Geschichte.

Und obwohl der gebürtige Dietzenbacher jedes Jahr vom Eröffnungs- bis zum Schlusstag an seinem Stammplatz sitzt, erlebt er immer wieder etwas Neues. „Vor einigen Jahren saßen wir im Sonnenschein auf unserer Bank, als es plötzlich immer dunkler wurde. Irgendwann sind Schirme durch die Luft geflogen, dabei sind auch einige Sachen zu Bruch gegangen. Wir haben uns in den Weinstand verzogen, die Rollläden zugemacht und sind erst wieder raus, als das Unwetter vorbei war.“

Doch nicht nur Stammgäste prägen das Jubiläumsfest. Für Tobias Nowak geht in diesem Jahr ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Seit rund zwölf Jahren besucht er regelmäßig das Weinfest, nun bewirtet er die Gäste erstmals selbst. Gemeinsam mit seinem besten Freund Ricardo betreibt der 29-Jährige den Stand der „Weinbrüder“, an dem die beiden Tropfen des Rheingauer Weinguts „Meine Freiheit“ ausschenken. Zum Angebot gehören außerdem alkoholfreie Getränke, Lillet, Aperol, Sarti und selbst gemachte Mispelchen. Bis zur Eröffnung gibt es allerdings noch viel zu tun. „Wir haben uns tagelang vorbereitet, sind zu verschiedenen Läden gefahren und mussten uns einen Wagen organisieren. Ständig fallen einem neue Sachen ein, die noch fehlen. Jetzt, wo alles näher rückt, will man am liebsten direkt loslegen“, sagt Nowak.

Neu präsentiert sich in diesem Jahr auch der Stand von Brezelbäcker Josef Rothmann. Der Saarländer gehört zu den Urgesteinen des Weinfests und ersetzt seine bisherige Brezelwerkstatt durch einen neu gebauten Verkaufsstand. Unterstützung bekommt er inzwischen von seinem Enkel, der den Betrieb später übernehmen soll.

Josef Rothmann Brezeln

Mitbegründer der Festlichkeiten: Seit 30 Jahren verkauft der Saarländer Josef Rothmann an seinem Stand selbst gemachte Brezeln und Schlemmerfladen. In diesem Jahr ist er mit einem neuen Verkaufswagen dabei. © privat

Rothmann setzt ausschließlich auf Handarbeit. „Die Brezeln rolle, lauge und backe ich vor Ort selbst in meinem Wagen“, sagt er. Ganz aufhören möchte er trotz seines Rückzugs nicht. „Ich bin trotzdem immer bei den Festen dabei. Die Leute kennen mich und suchen mich immer wieder. Ich kann ohne den Stand gar nicht leben, da würde etwas fehlen.“

Dass das Weinfest weit mehr ist als ein Ort für Wein und Essen, bekräftigt Stammgast Thilo Dohm. Für ihn ist es vor allem ein Treffpunkt für Freunde, Bekannte und vertraute Gesichter. „Ich hoffe, in Dietzenbach wird es noch jahrelang ein Weinfest geben“, sagt der 64-Jährige. Damit auch in Zukunft jeden Sommer Menschen auf derselben Bank zusammenkommen und neue Erinnerungen entstehen können. (Elias Mantwill)