Die Stimmung im Handwerk der Region Frankfurt-Rhein-Main ist gespalten. Einerseits bewerten 37 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage noch als gut – trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds. Andererseits zeigen nahezu alle Konjunkturindikatoren des zweiten Quartals 2026 einen Abwärtstrend. Der Geschäftsklimaindikator der Kammer, der die aktuelle und künftige Geschäftslage auf einer Skala von null bis 200 Punkten abbildet, sank von 136 Punkten im Vorquartal auf 131,7 Punkte – und liegt damit auch deutlich unter dem Vergleichswert des zweiten Quartals 2025, der 139 Punkte betrug.
Am deutlichsten zeigt sich der Stimmungswandel bei den Investitionen. Nur noch knapp 64 Prozent der Handwerksbetriebe investierten im zweiten Quartal mindestens auf dem bisherigen Niveau – nach 66,2 Prozent im Vorquartal. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 70,4 Prozent. Für das dritte Quartal erwartet lediglich noch jeder zweite Betrieb, seine Investitionen stabil zu halten. Vier von zehn Unternehmen kündigten an, ihre Ausgaben weiter zu reduzieren. Als wesentlicher Hemmschuh gilt nach Angaben der Kammer das gestiegene Zinsniveau, das Finanzierungen verteuert und damit notwendige Modernisierungen sowie Zukunftsinvestitionen erschwert.
Lichtblick bei der Preisentwicklung
Auch die übrigen Kennzahlen zeichnen ein verhaltenes Bild. Der Auftragseingang entwickelte sich schlechter als im Vorjahreszeitraum: 65 Prozent der Betriebe verzeichneten zumindest einen konstanten Eingang – vor einem Jahr waren es noch 70,5 Prozent. Bei den Beschäftigtenzahlen hielten rund 84 Prozent der Betriebe das Personal mindestens stabil; 2025 lag dieser Wert noch bei gut 87 Prozent. Zwar verbesserte sich die Umsatzlage gegenüber dem Vorquartal leicht, dennoch überwiegt die Zahl der Betriebe mit Umsatzrückgang jene mit einem Plus.
Einen kleinen Lichtblick liefert die Preisentwicklung: Die Einkaufspreise stiegen bei mehr als 64 Prozent der befragten Betriebe – und damit etwas weniger stark, als von rund 72 Prozent der Unternehmen im Vorquartal befürchtet worden war.
Handwerkskammerpräsidentin Susanne Haus sieht das Handwerk in der Region dennoch nicht ohne Perspektive, mahnt aber zur Wachsamkeit: „Die wirtschaftliche Basis vieler Handwerksbetriebe ist nach wie vor solide. Gleichzeitig nehmen jedoch die Risiken und Unsicherheiten zu.“ Besonders die schwache Investitionsneigung mache deutlich, dass viele Unternehmen ihre wirtschaftlichen Perspektiven derzeit zurückhaltend einschätzten. „Sie benötigen dringend verlässlichere Rahmenbedingungen, um wieder mehr Vertrauen in die Zukunft zu haben“, äußerte Haus, die mehr als 33.000 Handwerksbetriebe mit knapp 170.000 Beschäftigten und rund 9000 Auszubildenden in der Metropolregion Rhein-Main vertritt.