Stand: 11.09.2026, 18:42 Uhr
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Blue Owl Capital (OWL) bietet aktuell rund 8,5 Prozent Dividendenrendite, während die Private-Credit-Branche mit Kreditausfällen und Rückgabestopps kämpft. Wie der Vermögensverwalter dasteht und ob sich ein Einstieg lohnt.
Eulen gelten als Sinnbild für Weisheit. Passend dazu können sie dort sehen, wo andere im Dunkeln tappen. Ist es Zufall, dass diese Fähigkeit einem Vermögensverwalter mit genau diesem Wappentier und Namensgeber gerade jetzt guttun dürfte?
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit BÖRSE am Sonntag.
Der Sektor, in dem die Blue Owl Capital Inc. (ISIN: US09581B1035, Symbol: OWL) zu den größten Namen zählt, der Markt für Private Credit, sorgt seit über einem Jahr für negative Schlagzeilen. Der Aktienkurs spricht Bände. Auf der anderen Seite winkt eine beachtliche Dividendenrendite. Ein genauerer Blick hinter die Kulissen zeigt, wo Chancen und Risiken liegen und ob es sich lohnt, mit der blauen Eule auf Renditejagd zu gehen.

Warum weckt der Loparex-Ausfall alte Sorgen?
Die Blue Owl Capital Inc. ist zwar der Hauptakteur in diesem Artikel. Es besteht aber Verwechslungsgefahr mit der Blue Owl Capital Corporation (ISIN: US69121K1043, Symbol: OBDC). Diese ebenfalls börsennotierte Gesellschaft fachte zu Wochenbeginn die Sorgen in dem Sektor erneut an. Das Unternehmen, das private Kredite an Firmen vergibt, schrieb einen solchen Kredit an den Folienhersteller Loparex nahezu vollständig ab. Eine geplante Rekapitalisierung war zuvor gescheitert. Die Ratingagentur Moody's stufte daraufhin die Ausfallwahrscheinlichkeit von Loparex herab und hält ein Insolvenzverfahren für möglich. Um zu verstehen, warum ein einzelner Ausfall wie dieser überhaupt für Schlagzeilen sorgt, muss man sich das Geschäftsmodell hinter Private Credit genauer ansehen.
Kredit vom Fonds statt von der Bank: was Private Credit so riskant macht
Unter Private Credit fallen Kredite, die nicht von Banken, sondern von spezialisierten Fonds direkt an Unternehmen vergeben werden. Möglich wurde das vor allem durch strengere Eigenkapitalvorgaben für die Geldinstitute nach der Finanzkrise 2008. Dadurch wurde ein Teil des klassischen Kreditgeschäfts für sie unattraktiv. In diese Lücke stießen Fonds, die Kapital von Pensionskassen, Versicherern und zunehmend auch Privatanlegern bündeln und daraus individuell zugeschnittene Kredite formen und diese oft auch noch schneller vergeben.
Der Haken an der Sache: Anders als bei börsennotierten Anleihen gibt es für solche Kredite keine täglichen Marktpreise. Die Bewertungen stammen von den Verwaltern der Fonds selbst. Und wie diese Bewertungen zustande kommen, ist nicht immer transparent, weshalb die Branche kritisch beäugt wird. Hinzu kommt, dass Anbieter wie Blue Owl klassische Bankfunktionen übernehmen, ohne der strengen Bankenregulierung zu unterliegen, was ihnen auch die Bezeichnung als Schattenbanken eingebracht hat.
Verschärft wird die Skepsis durch die hohe Konzentration vieler Kreditportfolios auf die Softwarebranche. Weil Anleger eine Störung der etablierten Geschäftsmodelle durch die Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz befürchten und damit potenzielle Ausfälle drohen, ist das ein Grund, weshalb die Unternehmen aus dem Private-Credit-Sektor seit Anfang 2025 einen Ausverkauf erlebten.
Zu den Befürchtungen kamen auch reale Ereignisse hinzu. Bei Branchenvertretern wie Blackstone verlangten Anleger bei einzelnen Fonds bereits deutlich mehr Geld zurück, als die vertraglichen Rückgabegrenzen vorsahen. Auch anderswo in der Branche wurden diese Grenzen aktiviert oder Rückgaben zeitweise beschränkt. Hinzu kam gegen Ende 2025 eine Reihe hochkarätiger Zahlungsausfälle im Leveraged-Loan-Markt. Das weckte böse Erinnerungen.
Die schiere Größe des Marktes als eigentliche Gefahr
Wie berechtigt diese Erinnerungen sind, zeigt sich auch an der schieren Größe, die der Private-Credit-Markt inzwischen erreicht hat. Verwerfungen im Sektor könnten deshalb nicht nur die Private-Credit-Anbieter selbst treffen, sondern auch Spuren an den Finanzmärkten insgesamt hinterlassen.
Die Ratingagentur Moody's schätzt das weltweit verwaltete Vermögen im Segment Private Credit für 2026 auf über 2 Billionen US-Dollar. Bis 2030 könnte sich das Volumen auf 4 Billionen US-Dollar verdoppeln. Zum Vergleich: Das ausstehende Volumen der Subprime-Hypotheken, die 2007 den Auslöser der globalen Finanzkrise bildeten, lag bei rund 1 Billion US-Dollar. Private Credit hat damit deutlich größere Dimensionen, was erklären könnte, warum die Finanzmärkte mit Argusaugen darauf schauen.
Ein Teil dieser Kredite landet zudem in den Büchern von Versicherern, die private Kredite gern als vermeintlich sichere, gut verzinste Kapitalanlage nutzen. Laut einer Analyse der Bank Barclays wuchsen die Private-Credit-Bestände US-amerikanischer Lebensversicherer allein 2025 um mehr als 20 Prozent auf rund 10 Prozent ihres Gesamtvermögens. Bei Versicherern mit engen Verbindungen zu Private-Credit-Anbietern wie Apollo oder KKR liegt dieser Anteil bereits bei mehr als 15 Prozent. Genau diese Verflechtung ist es, die eine Verwerfung im Sektor potenziell auf andere Teile des Finanzsystems übertragen könnte.
Als ein Warnsignal gilt dabei die Abkürzung PIK, kurz für Payment in Kind. Viele Kreditverträge sind so konzipiert, dass die Zinsen nicht regelmäßig zurückgezahlt werden, sondern der Schuldenlast zugeschlagen werden. Diese wächst somit immer weiter an. Für die Kreditgeber bedeutet das potenziell höhere Renditen bei gleichzeitig höherem Risiko. Durch den Zinseszinseffekt wächst die Schuldenlast des Kreditnehmers schneller, als die Ausgangszahlen vermuten lassen, und der Fonds verbucht die nicht gezahlten Zinsen häufig trotzdem als Ertrag. Ein Teil der eigenen ausgewiesenen Rendite existiert damit nur auf dem Papier. Dass diese Sorge nicht nur theoretischer Natur ist, zeigt der Fall des Krankenversicherungs-Vermittlers GoHealth: Das Unternehmen nutzte über Jahre PIK-Zinsen, um seine Liquidität zu schonen, ehe es im Juni 2026 mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar Schulden Insolvenz anmelden musste. Zu den Kreditgebern zählte auch OBDC, die Kreditgesellschaft aus dem Blue-Owl-Netzwerk. Ereignisse wie diese erklären, warum die gesamte Branche seit Monaten unter Beobachtung steht.
Die Blue-Owl-Aktie hat die Talsohle offenbar hinter sich
So zeigen sich bei Blue Owl Capital die Sorgen eindrucksvoll im Kursverlauf. Die OWL-Aktie verlor seit ihrem Allzeithoch im Januar 2025 bis zum Korrekturtief im April dieses Jahres rund 70 Prozent. Das Tief lag bei knapp unter 8 US-Dollar. Aktuell notiert das Papier bei 10,86 US-Dollar. Diese dynamische Erholung zeugt von einer gewissen Beruhigung. Bekommt sie nun durch den Loparex-Fall einen neuen Dämpfer, oder ist die Aktie sogar interessant als Investment?
Eine Bewertung mit Fragezeichen
Die Dividendenrendite liegt aktuell bei rund 8,5 Prozent. Das wirkt attraktiv. Hinzu kommt ein niedriges Kurs-Cashflow-Verhältnis von 5,7. Das ist deutlich weniger als der historische Durchschnitt von 9,5. Dieser Durchschnitt beruht allerdings auf einer noch kurzen Börsenhistorie von rund fünf Jahren. Basis für die aktuelle Bewertung ist außerdem der operative Cashflow von 2025. Dieser lag bei 1,256 Milliarden US-Dollar. Lässt sich das 2026 wiederholen? Hier ist ein Blick auf die Halbjahresbilanz hilfreich. Der operative Cashflow erreichte insgesamt 564 Millionen US-Dollar. Das waren rund 28 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Blue Owl scheint also auf Kurs. Entscheidend ist jedoch, ob der positive Trend im zweiten Halbjahr fortgesetzt werden kann. Außerdem stellt sich mit Blick auf die attraktiv wirkende Bewertung die Frage, ob darin sämtliche Risiken ausreichend eingepreist sind. Dafür lohnt sich ein Blick darauf, wie das Geschäftsmodell von Blue Owl eigentlich funktioniert und wie es sich von seinen eigenen Produkten unterscheidet.
Gebührenmaschine mit schlanker Bilanz
Blue Owl ist ein alternativer Vermögensverwalter mit rund 319 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen. Das Geschäft gliedert sich in drei Bereiche: Kredit, Sachwerte und Beteiligungen an anderen Vermögensverwaltern. Das eigentliche Kreditgeschäft mit Unternehmen wie Loparex läuft dabei nicht direkt über Blue Owl selbst, sondern über separate Gesellschaften wie OBDC. Blue Owl verwaltet diese Gesellschaften über verbundene Berater extern und kassiert dafür Management- und Erfolgsgebühren. Laut eigenen Angaben stammen sämtliche bereinigten Erträge aus solchen Zahlungen. Die eigene Bilanz hält das Unternehmen dabei bewusst schlank.
Ein Ausfall wie bei Loparex hat für Blue Owl selbst deshalb kaum unmittelbare finanzielle Folgen, eigene direkte Kapitalanteile an solchen Gesellschaften sind laut Geschäftsbericht bilanziell unwesentlich. Indirekte Risiken bleiben trotzdem: Sinken die Portfoliowerte der verwalteten Produkte, sinken mittelfristig auch die Gebühreneinnahmen von Blue Owl. Auch wiederholte Abschreibungen oder die Schließung von Private-Credit-Sammelstellen könnten das Vertrauen in die gesamte Plattform belasten.
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Wenn Anleger länger auf ihr Geld warten müssen
In diesem Zusammenhang zu nennen sind die Probleme rund um die nicht börsennotierte Gesellschaft Blue Owl Capital Corporation II (OBDC II). Diese schränkte im Februar 2026 die bis dahin übliche vierteljährliche Rückgabemöglichkeit für Anleger stark ein. Seither fließt das Kapital nur noch unregelmäßig zurück, verteilt über einen Zeitraum von möglicherweise mehreren Jahren. Ähnliche Fälle sind im weiter wachsenden Private-Credit-Markt nicht auszuschließen, zumal die Bewertungspraktiken der Branche weiterhin in der Kritik stehen.
Für Blue Owl selbst bleibt das Risiko dabei überschaubar: Rund 85 Prozent der laufenden Gebühreneinnahmen stammen aus langfristig gebundenem Kapital, das sich nicht kurzfristig abziehen lässt. Für die eigene Verschuldung erhält das Unternehmen zudem Investment-Grade-Ratings von Fitch, Moody's und S&P. Trotz der wiederkehrenden Unruhe im Sektor ist Blue Owl damit vergleichsweise solide aufgestellt.
Eulenblick auf ein neues Geschäftsfeld: Rechenzentren
Zugleich sucht das Management kontinuierlich nach neuen Erlösquellen. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass Blue Owl einen Immobilienfonds für Rechenzentren an die Börse bringen will, gespeist mit rund 6,5 Milliarden US-Dollar an eigenen Vermögenswerten. Das Vorhaben reiht sich in einen wachsenden Markt für börsennotierte Rechenzentren-REITs ein und zeigt, dass Blue Owl über das klassische Kreditgeschäft hinaus wächst.
Renditejagd mit Augenmaß
Zwischen der defensiven Gebührenbasis und der neuen Wachstumsfantasie im Rechenzentren-Geschäft bekommt die Aktie damit gleich zwei Argumente auf ihrer Seite. Als Depotwert bleibt sie aber vor allem für Anleger interessant, die die hohe Dividendenrendite schätzen und die verbleibende Unsicherheit im Sektor aushalten können, die für weitere Kurskapriolen sorgen könnte. Es gibt Gründe für den aktuell relativ niedrigen Kurs und die damit verbundene attraktive Bewertung und bemerkenswerte Dividendenrendite. Anleger, die mit der blauen Eule auf Renditejagd gehen, sollten das bei ihrer Positionsgröße und dem Risikomanagement berücksichtigen. Denn zur Weisheit an der Börse gehört auch, sich nicht von Gier leiten zu lassen.