Lehrkräfte zu oft absent: Jede zweite Schule mit Problemen – Verband fordert jetzt stärkeren Beamtenstatus

Abwesende Lehrkräfte: Jede zweite Schule mit Problemen – Verband fordert „attraktive Arbeitsbedingungen“

Stand: 30.09.2026, 13:57 Uhr

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Schule

Bildungsministerin Karin Prien legt ihr Augenmerk vor allem auf die frühe Bildungsphase. (Symbolbild) © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

55 Prozent der deutschen Schüler besuchen Schulen, an denen fehlende Lehrkräfte das Lernen beeinträchtigen. Ein neuer OECD-Bericht zeigt Deutschlands Baustellen.

Berlin – Deutschland ist in der Bildungskrise: Drei Wochen nach den schwachen Pisa-Ergebnissen zeichnet ein neuer OECD-Bericht ein gemischtes Bild des deutschen Bildungssystems. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellte fest, dass der Lehrkräftemangel hierzulande besonders dramatische Auswirkungen hat. Demnach besuchen 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler Schulen, an denen die Abwesenheit von Lehrkräften nach Angaben der Schulleitung das Lernen beeinträchtigt. Im OECD-Vergleich ist das hinter Belgien der zweithöchste Wert – und etwa doppelt so hoch wie der OECD-Schnitt von 27 Prozent.

18,6 Prozent der Lehrkräfte sind zudem nicht vollständig qualifiziert. Nur in Chile, Estland und Dänemark liegen diese Werte im OECD-Vergleich noch höher. „Solange Fachkräfte knapp bleiben, werden die Bildungssysteme weiterhin mit anderen Sektoren um Talente konkurrieren“, so die Analyse der Fachleute. Der Deutsche Lehrerverband (DL) sieht sich in seiner Forderung bestätigt, den Lehrkräftemangel nicht durch eine Absenkung von Ausbildungsstandards zu bekämpfen, sondern die Attraktivität des Lehrerberufs nachhaltig zu stärken, wie es in einer Mitteilung heißt. Dazu gehöre unter anderem die Stärkung des Beamtenstatus.

Deutschland unter OECD-Schnitt: Lehrerverband fordert höhere Investitionen

Statt Ausbildungsstandards zu senken, sollte Deutschland aber weiter auf eine fundierte fachliche, didaktische und pädagogische Ausbildung setzen, betont der Lehrerverband. Das gelte auch für Quereinsteiger. „Schülerinnen und Schüler haben Anspruch auf professionell ausgebildete Lehrkräfte, unabhängig davon, auf welchem Weg diese in den Beruf gelangen“, so der Verband. Lehrerinnen und Lehrer sollten von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Das gehe über die Einstellung von zusätzlichen Fachkräften, etwa für Verwaltung, Schulsozialarbeit oder IT. „Wenn Lehrkräfte dauerhaft überlastet sind und zahlreiche Aufgaben übernehmen müssen, die nichts mit Unterricht zu tun haben, schwächt das die Attraktivität des Berufs“, kommentiert DL-Präsident Stefan Düll.

Auch die Infrastruktur ist im Fokus: „Ebenso wichtig sind moderne und sanierte Schulgebäude mit zeitgemäßer digitaler Infrastruktur und verlässliche Unterstützungssysteme für Schulleitungen.“ Der Lehrkräftemangel lasse sich „nicht durch kurzfristige Notmaßnahmen beseitigen. Notwendig sind nachhaltige Investitionen in Ausbildung, Personalgewinnung und attraktive Arbeitsbedingungen“, fordert der DL weiter. Tatsächlich gibt Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern weniger für Bildung aus.

4,4 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes waren es hierzulande, während der OECD-Schnitt bei 4,7 Prozent lag, wie die OECD-Studie zeigt. Allerdings: Pro Schüler liegt die Investition in Deutschland mit rund 14.200 Euro deutlich über dem OECD-Schnitt von 11.970 Euro. Wie die Kultusministerkonferenz mitteilte, sinkt die Zahl der Schüler und Schülerinnen ab dem Jahr 2030 in Deutschland. Doch die OECD-Studie macht ausdrücklich deutlich: „Die Zahl der Lehrkräfte, die ein Bildungssystem benötigt, wird nicht allein durch die Zahl der Schülerinnen und Schüler bestimmt.“ Anders gesagt: Weniger Schüler lösen den Lehrermangel nicht von allein.

Wo Deutschland mit Blick auf die Bildung stark ist

Es gibt aber auch gute Nachrichten. In Deutschland haben 86 Prozent der Erwachsenen entweder die Hochschulreife oder eine berufliche Ausbildung. Das ist überdurchschnittlich gut, denn der OECD-Schnitt liegt bei 82 Prozent. Diese Abschlüsse hätten einen sehr großen Einkommensvorteil, kommentierte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung der OECD-Studie mit Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Besonders stark ist die Bundesrepublik im Bereich der beruflichen Bildung. Dort erreichen die Investitionen im Schnitt pro Schüler ein Niveau von 24.580 Euro, im OECD-Schnitt sind es rund 14.180 Euro.

Das zahlt sich aus: In Deutschland sind 89 Prozent der 25- bis 34-Jährigen mit beruflichem Abschluss beschäftigt und nur 3,4 Prozent arbeitslos. Zum Vergleich: Im OECD‑Schnitt sind es in dieser Personengruppe 83 beziehungsweise 6,8 Prozent. Außerdem ein großes Plus: 34 Prozent der Hochschulabsolventen in Deutschland erwerben ihren Abschluss in einem Fach der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik, kurz MINT. Damit liegt die Bundesrepublik im OECD-Vergleich auf Platz 1. Auch wenn die öffentliche Diskussion oft einen anderen Eindruck vermittelt, ist der Schnitt bei den Kleinsten ebenfalls positiv: Auf einen Erzieher in Kitas kommen hierzulande 7,5 Kindern, im OECD-Schnitt sind es 9,4 Kinder. (Quellen: OECD-Studie, DL, AFP, Kultusministerkonferenz) (bme)