Spielzeug-Hype
Alle Kinder wollen Squishies – doch wie gefährlich sind sie?
Erst waren es die Labubus, jetzt sammeln Kinder Quetschfiguren. Doch manche der beliebten "Squishy Dumplings" können gefährlich werden. Worauf Eltern beim Kauf achten sollten
Nadja Kupsa
Ob als Stück Butter, Käse, Tier oder kleine Teigtasche: Sogenannte "Squishies" sind derzeit der Renner in vielen Kinderzimmern.
Die weichen Figuren lassen sich nach Herzenslust drücken, ziehen und kneten und nehmen danach wieder ihre ursprüngliche Form an.
Besonders begehrt sind gerade die sogenannten "Squishy Dumplings", die wie kleine asiatische Teigtaschen mit niedlichen Gesichtern aussehen. Auf Tiktok und Youtube werden sie in unzähligen Videos präsentiert und gesammelt. Nach dem riesigen Hype um die Labubus, scheint damit schon das nächste Spielzeug gefunden, das viele Kinder unbedingt haben wollen.
Doch Verbraucherschützer warnen inzwischen vor einzelnen Produkten. Manche "Squishies" enthalten bedenkliche Schadstoffe, bei anderen können sich kleine Teile lösen, die besonders für Kleinkinder gefährlich werden. Auch die deutsche Stiftung Warentest macht auf unsichere Varianten aufmerksam.
Spielzeug ohne Herstelleradresse
Dass mit manchen Quetschspielzeugen etwas nicht stimmt, haben auch zwei Mütter aus der STANDARD-Redaktion erlebt. Eine berichtet von einem "Squishy Dumpling", der auffällig stark nach Lack rieche. Bei einer anderen platzte eine der kleinen Teigtaschen auf. Die Kügelchen aus dem Inneren verteilten sich und das Kind spielte anschließend damit.
Merkwürdig ist außerdem, dass sich bei einzelnen an Wiener Marktständen gekauften Figuren nicht nachvollziehen ließ, wer sie hergestellt hat. Eine Herstelleradresse oder eine eindeutige Produktkennzeichnung war auf der Verpackung nicht zu finden.
Das ist durchaus problematisch. Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass auch bei mehreren im europäischen Schnellwarnsystem Safety Gate gemeldeten "Squishies" die Anbieteradresse auf der Verpackung fehlt. Betroffen sind unter anderem Produkte mit den Namen „Steamed Bun“, „Squishy Dumpling“, „Squeezy Dumplings“ und „Happy Buns“. Ohne solche Angaben lässt sich kaum feststellen, wer für die Sicherheit des Spielzeugs verantwortlich ist.
Wer findet den goldenen "Dumpling"?
Der STANDARD fragt in einem Wiener Spielzeuggeschäft nach, das für sein sorgfältig ausgewähltes Sortiment bekannt ist. Werden die Quetschspielzeuge auch hier verkauft?
"Wir haben die Dumplings auch, aber derzeit sind alle ausverkauft", sagt Rafaela Kathan-Kupfner vom "Wilden Böckle" im zweiten Bezirk. Besonders bei Schulkindern sei die Nachfrage enorm.
Zum Erfolg tragen auch die sozialen Medien bei. Auf Tiktok oder YouTube werden die Figuren in kurzen Videos immer wieder zusammengedrückt oder aus Überraschungsverpackungen ausgepackt. Bei diesen sogenannten "Blind Boxes" erfahren Kinder erst nach dem Öffnen, welche Variante sie bekommen haben. Besonders begehrt bei den "Squishy Dumplings" sei der goldene Knödel, erzählt Kathan-Kupfner.
Beim Einkauf achtet die Händlerin allerdings genau darauf, woher ihre Ware stammt. Sie bezieht die "Squishies" von einem deutschen Lieferanten und arbeitet grundsätzlich nur mit Lieferanten innerhalb der Europäischen Union zusammen. "Schließlich muss ich wissen, an wen ich mich wenden kann, wenn mit einem Produkt etwas nicht stimmt", sagt sie. Spielzeuge ohne nachvollziehbare Kennzeichnung würde sie nicht verkaufen.
Schadstoffe und gefährliche Kügelchen
Wie wichtig das sein kann, zeigen die Warnungen aus anderen europäischen Ländern. Britische Behörden wiesen etwa in einem Produkt namens „Squeezy Dumplings“ Benzol nach. Der Stoff gilt als krebserregend.
Besonders problematisch sind aber die Wasserperlen im Inneren der Teigtaschen. Werden sie verschluckt, können sie im Verdauungstrakt aufquellen und im schlimmsten Fall einen Darmverschluss verursachen. Auch bei "Squishies" mit Sandfüllung gab es bereits Warnungen vor möglichen Asbestbelastungen. Darauf weisen sowohl die Stiftung Warentest als auch die deutschen Verbraucherzentralen hin.
Was sagen die Behörden in Österreich?
Mittlerweile beschäftigen die kleinen Quetschfiguren auch die österreichischen Behörden. Wie das Sozialministerium auf STANDARD-Anfrage mitteilt, werden "Squishy Dumplings" im Rahmen der laufenden Marktüberwachung kontrolliert. Anlass dafür seien unter anderem Beschwerden über unangenehme Gerüche gewesen.
Bei den bisherigen Untersuchungen in Österreich habe man allerdings keine Sicherheitsgefährdung festgestellt. Dem Ministerium sind vier konkrete Produkte bekannt, bei denen der Verkauf beschränkt, beziehungsweise Angebote auf Online-Marktplätzen entfernt wurden. Die Fälle sind im europäischen Schnellwarnsystem Safety Gate erfasst.
Eine generelle Warnung vor "Squishy Dumplings" gibt es dennoch nicht, betont das Ministerium. Die Kontrollen würden fortgesetzt werden.
Worauf Eltern beim Kauf achten sollten
Die deutschen Verbraucherzentralen empfehlen, "Squishies" möglichst im seriösen Handel zu kaufen und auf die Angaben zum Hersteller oder Importeur zu achten. Auch eine CE-Kennzeichnung und die Altersangabe sollten vorhanden sein. Fehlen die vorgeschriebenen Angaben, rät das österreichische Sozialministerium ausdrücklich vom Kauf ab.
Für Kinder unter drei Jahren seien die mit Kügelchen gefüllten "Dumplings" jedenfalls nicht geeignet, erklärt auch Spielwarenhändlerin Kathan-Kupfner. "Kleinkinder könnten Teile der Hülle abbeißen und verschlucken." Darauf weise sie ihre Kundinnen und Kunden beim Kauf hin.
Auch bei älteren Kindern sollten Eltern regelmäßig kontrollieren, ob die Hülle noch intakt ist. Beschädigte "Squishies" gehören in den Müll. Von Produkten, die auffällig chemisch riechen, raten die Verbraucherzentralen vorsorglich ab.
Und noch eine Warnung gibt das Sozialministerium mit: "Squishies" dürfen keinesfalls in der Mikrowelle erwärmt werden. In sozialen Medien kursieren Videos, in denen genau das gemacht wird, um die Figuren noch weicher zu bekommen. Platzt die Hülle, kann die heiße Füllung jedoch schwere Verbrennungen verursachen.
Wer ein verdächtiges Produkt gekauft hat, kann sich an die Lebensmittelaufsicht des jeweiligen Bundeslandes wenden. Dort können Beschwerden geprüft und gegebenenfalls Untersuchungen veranlasst werden.
Grundsätzlich sind also nicht alle "Squishy Dumplings" gefährlich. Bei einem Spielzeug, das Kinder immer wieder kräftig zusammendrücken, lohnt sich wohl ein genauer Blick auf Herkunft, Kennzeichnung und Verarbeitung. (Nadja Kupsa, 22.10.2026)
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