Stand: 22.10.2026, 08:00 Uhr
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Vier Verbände haben den Förderbedarf der freien Theaterlandschaft in Frankfurt berechnet. Die Stadt stellt bislang nur zwei Millionen Euro zusätzlich in Aussicht.
Frankfurt – Die freie Theater-, Tanz- und Performance-Szene in Frankfurt benötigt deutlich mehr Geld von der Stadt. Um Künstlerinnen und Künstler angemessen bezahlen, Spielstätten erhalten und Produktionen häufiger zeigen zu können, sind jährlich mindestens 11,725 Millionen Euro nötig. Das geht aus einer Bedarfsanalyse hervor, die vier Verbände am Mittwoch im Produktionshaus Naxis vorstellten. Derzeit fließen nach ihrer Berechnung rund 4,327 Millionen Euro. Es fehlten demnach knapp 7,4 Millionen Euro.

Infrastruktur und Spielstätten
„Wir werden nicht nur Künstlerinnen und Künstler verlieren, sondern auch Häuser, weil sie einfach schließen“, warnt Linus Koenig von der Frankfurter Theaterallianz. Er beschrieb eine Szene, in der Leitungs- und Verwaltungsaufgaben häufig ehrenamtlich oder weit unter üblichen Honoraren erledigt werden. „Wir reden nicht davon, dass wir uns auf einmal goldene Lampen dahinhängen“, sagte Koenig. Es gehe darum, bereits geleistete professionelle Arbeit angemessen zu bezahlen.
Die Verbände Frankfurter Theaterallianz, ID-Frankfurt, La-Prof und Paradiesvogel hatten den Bedarf in zwei Vollversammlungen und Arbeitsgruppen im September und Oktober ermittelt. Ihre Zahlen verstehen sie als Mindestbedarf. Bei den Spielstätten etwa sei die Erhebung unvollständig und wahrscheinlich sogar zu niedrig. Die Analyse übergab die Freie Szene auch an das Kulturdezernat und die Verwaltung.
Den größten Posten bildet die Förderung freier Spielstätten und ihrer Infrastruktur. Dafür setzen die Verbände 4,9 Millionen jährlich an, bisher sind es knapp über 2,62 Millionen Euro. Es fehlen aber rund 2,28 Millionen. Dabei gehe es nicht nur um Mieten, Technik und Probenräume, sagte Koenig. Viele Häuser finanzierten ihre Verwaltung aus künstlerischen Mitteln quer und könnten ihre Beschäftigten nicht angemessen entlohnen. Für eine lebendige Theaterszene müssten die Orte zudem eigene künstlerische Profile wahren können.
Für Ensembles und künstlerische Gruppen in der Dreijahresförderung veranschlagt die Analyse vier Millionen Euro statt bisher rund 1,3065 Millionen. Regina Busch vom Landesverband La-Prof erläuterte, dass eine Produktion neben den Menschen auf der Bühne auch Regie, Produktionsleitung, Bühnenbild, Kostüme, Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit und Technik benötige. Vieles davon bleibe für das Publikum unsichtbar. Das Modell sieht 40 geförderte Gruppen in sieben Förderstufen von 50.000 bis 250.000 Euro pro Jahr vor. In jeder neuen Förderperiode sollen vier weitere Gruppen hinzukommen können, ohne dass automatisch bisherige herausfallen.
Bei der Einzelproduktionsförderung beziffern Verbände den Jahresbedarf auf 2,6 Millionen Euro. Der Fördertopf umfasst derzeit etwa 400.000 Euro. Marieke Uhl von ID-Frankfurt verwies darauf, dass in den jüngsten beiden Förderrunden 23 von 41 beziehungsweise 19 von 46 Anträgen bewilligt wurden. Je nach Besetzung und Berufserfahrung koste eine professionell kalkulierte Produktion 33.000 und 141.000 Euro.
Aus Versprechungen Taten folgen lassen
Die Stadt solle davon bei Debüts 75 Prozent, bei anderen Projekten 60 Prozent tragen. „Wir rechnen hier am absoluten unteren Limit“, erklärte Uhl. Unterhalb dieser Fördersätze würden die Projekte ansonsten keine Unterstützung beispielsweise vom Bund erhalten. „Zudem müssten die Förderfristen von Stadt, Land und Bund besser aufeinander abgestimmt werden“, sagte Uhl.
Weitere 225.000 Euro fordern die Verbände für Wiederaufnahmen und Gastspiele. Célestine Hennermann vom Netzwerk Paradiesvogel kritisierte, dass viele Stücke nach nur drei Vorstellungen wieder verschwänden. „Es kann doch nicht sein, dass eine Produktion nach dreimal Zeigen komplett abgespielt ist.“ Die Rechnung sieht 30 Wiederaufnahmen zu je 7.500 Euro vor, etwa für Proben, Umbesetzungen und Honorare. Einzelne städtische Zuschüsse von 2.000 bis 3.000 Euro seien bereits möglich; gefordert werde aber ein eigener, verlässlicher Förderbereich. Die Szene fordert außerdem eine vertiefte städtische Untersuchung ihrer Arbeitsbedingungen und eine regelmäßige Überprüfung der Förderentscheidungen.
Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hatte bei einer Diskussion im September angekündigt, sich für zwei Millionen Euro zusätzlich einzusetzen. La-Prof-Geschäftsführer Jan Deck bezeichnete das am Mittwoch als wichtigen ersten Schritt, auch wenn der ermittelte Bedarf deutlich höher liege. Angesichts der angespannten städtischen Haushaltslage müsse die Politik Prioritäten setzen. Ohne Aufwuchs drohten Künstler abzuwandern oder ihren Beruf aufzugeben. „Wir hoffen, dass aus den Versprechungen Taten werden“, sagte Deck.