Wirtschaft: Wie Vietnam ein Jahr nach Trumps Zollkrieg zum Gewinner Asiens wurde

In Ho-Chi-Minh-Stadt: Vietnam, das Land mit 100 Millionen Einwohnern, zieht ausländische Investoren an. Foto: Peer/Handelsblatt, Getty Images

Wirtschaft: Wie Vietnam ein Jahr nach Trumps Zollkrieg zum Gewinner Asiens wurde

Vietnam galt als einer der größten Verlierer des US-Zollkriegs. Ein Jahr später boomt das Land wie keine andere große Volkswirtschaft in Asien – und wird zur Chance für deutsche Unternehmen.

Haiphong, Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Ventilatoren, die die neuen KI-Rechenzentren amerikanischer Tech-Konzerne kühl halten sollen, stapeln sich reihenweise in Kartons in einem Lager nahe der vietnamesischen Ho-Chi-Minh-Stadt. Mittendrin steht Alexander Reich, Leiter der Niederlassung des baden-württembergischen Herstellers Ziehl-Abegg in dem südostasiatischen Land.

Der Ventilatorenhersteller ist für einen Großauftrag verantwortlich, der für die KI-Infrastruktur von Amazon gedacht ist. Richtig losgehen soll es damit in den kommenden Wochen. „Wir werden dann jede Woche rund acht Schiffscontainer mit Ventilatoren in die USA schicken“, sagt Reich.

Der Manager, der vor seinem Umzug nach Vietnam in China lebte, läuft durch die 14.000-Quadratmeter-Fabrik des deutschen Familienunternehmens. Im kommenden Jahr würden 60 Prozent der Produktion des vietnamesischen Werks an die USA geliefert, sagt er. Ventilatoren, die an Rechenzentrumszulieferer in Malaysia gehen und anschließend nach Amerika verschifft werden, seien da noch nicht einmal mit eingerechnet.

Ziel-Abegg-Manager Alexander Reich: „Der Kampf um gutes Personal wird immer härter.“ Foto: Peer/Handelsblatt

„Vietnam ist eigentlich mit allen Ländern gut vernetzt und hat für uns den entscheidenden Vorteil, dass man von hier problemlos in die USA liefern kann“, sagt Reich. „Von China aus wäre das schon deutlich schwieriger.“ In China hat Ziehl-Abegg sein größtes Werk in Asien.

Mit dem Wunsch, die Abhängigkeit von der Volksrepublik zu reduzieren, eröffnete das Unternehmen aus Künzelsau vor zwei Jahren die neue Fabrik in der vietnamesischen Provinz Dong Nai – mit dem Auto knapp eine Stunde entfernt von Ho-Chi-Minh-Stadt. Der deutsche Mittelständler ist damit Teil eines massiven Andrangs von internationalen Konzernen, die derzeit mit Milliardensummen ihre Präsenz in Vietnam ausbauen.

Was bedeutet das für China? Und welche Chancen bieten sich deutschen Unternehmen?

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