Der Harald Schmidt macht’s, der Silbereisen macht’s auch, und die zwei sind nicht allein: Kreuzfahrten boomen, als gebe es weder Ölkrise, Klimakrise noch Hantavirus.
2,8 Millionen Deutsche haben 2025 laut dem Branchenverband Clia auf einem der schwimmenden Hochhaus-Vergnügungsparks eingecheckt. 1,5 Millionen davon begannen laut Statistischem Bundesamt ihre Schiffsreise an der Nord- oder Ostsee. Die Reedereien haben Wachstumszahlen, von denen andere Tourismusanbieter nur träumen können.
Dabei bietet das Traumschiff der Wahl immer öfter nicht nur das übliche Programm aus Essen, Trinken, Unterhaltung und Ausflügen, sondern ein Thema. Das wird an Bord und Land durchgezogen, um die Gäste dort abzuholen, wo sie eben gerade sind. Heavy Metal, LGTBQ oder Star Trek sind schon länger im Programm.
Ein neues Angebot aus Norwegen lässt nun die Finger von Strick-Aficionados kribbeln: Im April 2027, so die Veranstalter, werde ein „lange gesponnener Traum wahr“. Mit dem Hurtigruten-Schiff MS Kong Harald geht es auf der „Stricken & Meer“-Kreuzfahrt an der norwegischen Küste entlang. Strick-Workshops, Vorträge von Strickfluencern und Besuche von Wollläden auf abgelegenen Inseln stehen auf dem Programm, elf Tage lang. Wow.
Für Verwegenere gibt es Kreuzfahrten mit Tattoo-Workshops. Auch True-Crime-Fans kommen auf ihre Kosten. Und selbstverständlich FKK-Anhänger. Für solche bietet etwa Aida zwar keine eigenen Kreuzfahrten an, aber doch Bereiche auf einem Deck, wo die Nackten sich ungestört und vor Blicken geschützt sonnen oder in Whirlpools planschen können.

Wandern im Sommer
:Wasser? Marsch!Der Lech gilt als letzter Wildfluss im nördlichen Alpenraum. Auf dem Lechweg kann man ihm von Vorarlberg bis nach Füssen folgen. Ein Besuch in trockenen Zeiten.
Nun aber klagte ein Naturisten-Ehepaar, das auch wegen dieser Möglichkeit, alle Hüllen fallen zu lassen, eine Weltreise auf einem Aida-Schiff gebucht hatte. Kostenpunkt: 68 000 Euro. Die beiden monierten, dass der FKK-Bereich auf dem Schiff deutlich kleiner als angenommen war. Sie wollten einen Teil ihres Reisepreises zurückhaben, genauer: 15 000 Euro.
Den beiden war zum Verhängnis geworden, dass sie fast zwei Jahre im Voraus gebucht hatten. Zum Zeitpunkt der Buchung hätten die Deckpläne „einen großzügigen FKK-Bereich mit Whirlpool, Dusche und Sonnendach“ gezeigt. Aber als sie die Reise antraten, war das Schiff umgebaut worden. Aus dem FKK-Areal waren private Terrassen für Suitenbewohner geworden, zu denen sie nicht gehörten. Der Nacktbereich war verlegt und verkleinert worden, kein Sonnendach, keine Dusche, kein Whirlpool.
Ein Rostocker Gericht gab dem Ehepaar nun recht und entschied, dass es einen Teil des Reisepreises zurückverlangen dürfe, allerdings keine 15 000 Euro, sondern nur fünf Prozent. Schließlich, so das Gericht, stelle der FKK-Bereich „nur eines von zahllosen Unterhaltungsangeboten einer Kreuzfahrt“ dar.
FKK als Unterhaltungsangebot, nun ja, das ist eine zumindest interessante Einschätzung. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, die Reederei will weitere rechtliche Schritte prüfen.
Was lernen wir daraus? Besser gleich eine Themenkreuzfahrt machen! Da weiß man, was man kriegt, und das Schiff ist voller Gleichgesinnter. Zum Beispiel auf dem „Big Nude Boat“, das kommenden Februar wieder mit mehr als 2000 Gästen im Adam-und-Eva-Kostüm durch die Karibik cruist.
