Altersvorsorgedepot 2027: Vier Fälle zeigen, ob sich die Riester-Nachfolge für Sie wirklich lohnt

Stand: 22.09.2026, 13:50 Uhr

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Ab 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente. Vier typische Fälle zeigen, für wen sich die neue Förderung mit bis zu 540 Euro Zulage wirklich rechnet.

Bis zu 540 Euro Grundzulage, 300 Euro je Kind und einmalig 200 Euro Startbonus für alle unter 25 Jahren: Am 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente. Der größte Unterschied zum alten Modell ist, dass keine Beitragsgarantie mehr vorgeschrieben ist. Das Geld darf vollständig in Aktien-ETFs fließen.

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit €uro-Finanzwissen.

Das klingt nach einem Angebot für alle, ist es aber nicht. Wie viel die Förderung bringt, hängt stark davon ab, wie alt Sie sind, ob Kinder im Haushalt leben und wie hoch Ihr Steuersatz ist. Vier typische Fälle zeigen, wo sich das Depot richtig lohnt und wo es ins Leere läuft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente ab. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter.
  • Die Grundzulage beträgt maximal 540 Euro im Jahr, dazu kommen 300 Euro je Kind und einmalig 200 Euro für Berufseinsteiger unter 25 Jahren.
  • Für die volle Grundzulage sind 1.800 Euro Eigenbeitrag nötig, das Minimum für einen Zulagenanspruch liegt bei 120 Euro im Jahr.
  • In der Ansparphase fallen keine Steuern auf Kursgewinne und Erträge an, besteuert wird erst die Auszahlung ab 65 Jahren.
  • Eine Beitragsgarantie ist nicht mehr Pflicht. Das bedeutet höhere Renditechancen, aber auch das Risiko von Kursverlusten.

So funktioniert das neue Depot

Sie zahlen in ein Wertpapierdepot ein und legen selbst an, in der Regel in ETFs. Der Staat legt Zulagen obendrauf. An das Geld kommen Sie frühestens mit 65 Jahren, spätestens mit 70 muss die Auszahlung beginnen. Versteuert wird dann nachgelagert mit Ihrem persönlichen Steuersatz. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fallen auf die Auszahlung nicht an.

Die Zulage ist gestaffelt: Auf die ersten 360 Euro Jahresbeitrag gibt es 50 Cent je Euro, auf jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro noch 25 Cent. Neu ist außerdem, dass auch Selbstständige mit Steuererklärung und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke unmittelbar förderberechtigt sind. Alle Details dazu finden Sie in unserem Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.

Fall 1: Die Familie mit zwei Kindern

Sandra, 36 Jahre alt, ist angestellt und hat zwei Kinder im Alter von 4 und 7 Jahren. Sie zahlt 150 Euro im Monat ein, also 1.800 Euro im Jahr.

Dafür bekommt sie 540 Euro Grundzulage plus zweimal 300 Euro Kinderzulage, zusammen also 1.140 Euro vom Staat. Auf jeden selbst eingezahlten Euro kommen damit rund 63 Cent Förderung. In ihrem Depot landen 2.940 Euro im Jahr, ohne dass sie mehr als 150 Euro monatlich abzweigen muss.

Wichtig für Familien: Die Kinderzulage gilt unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes. Bei Riester war sie für vor 2008 geborene Kinder niedriger, diese Unterscheidung fällt weg. Wer verheiratet ist, kann als mittelbar berechtigter Partner mit 120 Euro Jahresbeitrag zusätzlich bis zu 175 Euro Zulage mitnehmen.

Unterm Strich: Für Familien mit kleinen Kindern und langer Laufzeit ist die Förderquote so hoch, dass ein ungefördertes Depot kaum mithalten kann.

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Fall 2: Die Berufseinsteigerin mit 24

Lena hat gerade ihre erste Stelle angetreten und kann 100 Euro im Monat erübrigen, also 1.200 Euro im Jahr. Ihre Zulage: 180 Euro auf die ersten 360 Euro, dazu 210 Euro auf den Rest, zusammen 390 Euro. Im ersten Jahr kommt der einmalige Berufseinsteigerbonus von 200 Euro dazu, den es für alle unter 25 Jahren gibt.

Der größere Hebel liegt bei ihr aber nicht in den Zulagen, sondern in der Zeit. Lena hat rund 40 Jahre bis zur Auszahlung. In dieser Spanne braucht sie keine Beitragsgarantie, die Rendite kostet. Sie kann voll in einen breit gestreuten Aktien-ETF gehen und Kursrückgänge aussitzen. Dass Erträge in der Ansparphase steuerfrei bleiben, wirkt über vier Jahrzehnte deutlich stärker als über zehn.

Tipp: Wer jung anfängt und noch wenig verdient, zahlt heute wenig Steuern. Die nachgelagerte Besteuerung bleibt trotzdem meist günstig, weil das Gesamteinkommen im Ruhestand in der Regel niedriger liegt als im Berufsleben.

Fall 3: Der Gutverdiener ohne Kinder

Markus, 42, verdient gut und hat keine Kinder. Für ihn sind 540 Euro Grundzulage nett, aber nicht entscheidend. Sein Hebel ist der Sonderausgabenabzug: Er kann 1.800 Euro plus seinen Zulagenanspruch in der Steuererklärung angeben. Das Finanzamt prüft automatisch, ob der Steuervorteil größer ist als die Zulage, und erstattet gegebenenfalls die Differenz.

Bei einem Grenzsteuersatz um 42 Prozent ergibt das rechnerisch einen Steuervorteil im hohen dreistelligen Bereich pro Jahr. Dazu kommt ein Punkt, der in der Diskussion oft untergeht: In der Ansparphase fallen weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale an. Wer ohnehin ein freies ETF-Depot bespart, verschiebt damit Steuerzahlungen um Jahrzehnte nach hinten.

Der Haken: Einzahlen dürfen Sie höchstens 6.840 Euro im Jahr, gefördert wird davon nur der Anteil bis 1.800 Euro. Und das Geld ist bis mindestens 65 gebunden. Für Vermögen, das flexibel bleiben soll, bleibt das freie Depot der richtige Ort.

Fall 4: Der Spätstarter mit 58

Thomas hat noch sieben Jahre bis zur frühestmöglichen Auszahlung. Sieben Jahre sind an der Börse eine kurze Zeit: Ein Kursrutsch kurz vor Rentenbeginn lässt sich in dieser Spanne kaum aufholen. Er kann eine Garantiestufe von 80 oder 100 Prozent wählen, die kostet aber genau die Rendite, wegen der sich das Depot überhaupt lohnt.

Für ihn gilt: Die Zulagen nimmt er mit. Anlegen sollte er aber deutlich defensiver als ein 24-Jähriger. Und das Depot ersetzt keine Vorsorge, die in den vergangenen 30 Jahren nicht aufgebaut wurde.

Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, sollte ihn nicht vorschnell kündigen. Der Vertrag läuft nicht automatisch aus, es gibt drei Wege: weiterführen, beitragsfrei ruhen lassen oder ins Altersvorsorgedepot wechseln. Eine Kündigung dagegen führt dazu, dass Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.

Worauf Sie bei der Anbieterwahl achten sollten

Der Markt sortiert sich gerade. Elf Broker und Banken haben sich bislang positioniert, darunter Trade Republic, Scalable Capital, ING, comdirect, DKB, Consorsbank, Smartbroker+, finanzen.net Zero, Traders Place, flatex und quirion. Finale Konditionen hat allerdings noch kaum jemand veröffentlicht, ein vollständiger Kostenvergleich ist deshalb erst 2027 möglich.

Drei Punkte entscheiden später über Ihre Rendite: die laufenden Depotkosten, das Angebot an kostenlosen ETF-Sparplänen und die Frage, ob es ein Standardprodukt gibt. Bei Standardprodukten sind die Effektivkosten auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt. Wer selbst auswählt, kann deutlich darunter landen. Welcher Anbieter welche Konditionen angekündigt hat, zeigt unser Altersvorsorgedepot-Vergleich.

Fazit: Eine Frage des Zeithorizonts

Das Altersvorsorgedepot ist keine Lösung für jeden, für die meisten mit langem Anlagehorizont aber die attraktivere Riester-Nachfolge. Familien holen über die Kinderzulagen die höchste Förderquote heraus, junge Sparer profitieren vom Zinseszins und vom Startbonus, Gutverdiener vor allem vom Steuerstundungseffekt.

Wer dagegen kurz vor der Rente steht, sollte nüchtern rechnen. Für ihn ist das Depot eher ein Baustein als die Lösung, und die Wahl der Garantiestufe entscheidet darüber, wie viel von der Renditechance überhaupt übrig bleibt.

Stand der Angaben: 22. September 2026. Die Beispielrechnungen sind gerundet und vereinfacht. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.