Anleihen: Der Zins-Schock – und wie er die Märkte verändert

Steigende Anleiherenditen: Sie verschärfen die Schuldenprobleme von Staaten weltweit. Foto: Thomas Kuhlenbeck

Anleihen: Der Zins-Schock – und wie er die Märkte verändert

Wachsende Verschuldung, hartnäckige Inflation, verunsicherte Märkte – wie die neue Zinswelt sich in die Weltwirtschaft hineinfrisst und die Finanzstabilität gefährdet. Besonders betroffen einmal mehr: Europa.

  • Die steigenden Anleiherenditen bringen die Finanzmärkte weltweit unter Druck und stellen die hohe Verschuldung von Staaten auf die Probe. Besonders die USA geraten dabei ins Zentrum der Sorgen – mit Folgen weit über den Anleihemarkt hinaus.
  • Die folgenden Abschnitte erklären, wie sich die neue Zinswelt auf Europa und die USA auswirkt, warum das Vertrauen in die US-Finanzpolitik schwindet und welche Faktoren die Renditen weiter nach oben treiben.
  • Warum die Phase der niedrigen Zinsen vorbei ist und welche Folgen steigende Renditen für hochverschuldete Staaten, die EZB und die Finanzmärkte haben, können Sie im Handelsblatt-Interview mit Clemens Fuest lesen.

Berlin. Mohamed El-Erian ist so etwas wie der Bondökonom unter den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern. Keiner kennt die internationalen Anleihemärkte besser, kaum einer besitzt das große Talent, die Komplexität der Bondmärkte in derart griffigen Formulierungen wie er zu erklären.

Auch diese Woche gab der US-Ökonom eine Kostprobe seiner Kreativität. „Es sind unsere Schulden, aber es ist euer Problem“, sagte El-Erian in dem Podcast „One Decision“. Damit nahm er Bezug auf den legendären Spruch des ehemaligen US‑Finanzministers John Connally aus dem Jahr 1971, als die Vereinigten Staaten einseitig die Bindung des Dollars an Gold aufhoben und das globale Währungssystem erschütterten.

Was der Ökonom mit Bezug auf die aktuelle Lage meint:  „Amerika exportiert seine Schuldenkrise“ – und das ist noch eine ziemlich milde Umschreibung dessen, was an den Anleihemärkten in den vergangenen Tagen und Wochen los war.

Als „Bondbeben“ bezeichnen Finanzmarktakteure inzwischen den steilen Anstieg der langfristigen Kapitalmarktzinsen. Die Renditen der Staatsanleihen in vielen Teilen der Welt durchbrachen kritische Marken – und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Der US-Bond mit zehnjähriger Laufzeit, so etwas wie der Richtwert der globalen Kreditmärkte, übersprang die Fünf-Prozent-Hürde und steht inzwischen bei mehr als 5,33 Prozent, dem höchsten Stand seit fast 25 Jahren. Das deutsche Pendant liegt inzwischen bei 3,5 Prozent. Frankreich und Italien müssen ihre Anleiheinvestoren mit 4,9 beziehungsweise 4,7 Prozent bedienen. Für amerikanische Bonds mit dreißigjähriger Laufzeit ist sogar die Marke von sechs Prozent in Sichtweite.

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