Internationale Pressestimmen zu CSD-Anschlag
"Das kommt zu einem für Deutschlands Schicksal heiklen Zeitpunkt"
Von dpa
Aktualisiert am 27.07.2026 - 13:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Anschlag auf den Christopher Street Day findet auch im Ausland Beachtung. Internationale Medien ziehen unterschiedliche Schlüsse.
Die internationale Presse hat auf den Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day reagiert. Der Fokus ist dabei sehr unterschiedlich. Dabei geht es um Auswirkungen auf die AfD, den Umgang mit jungen Islamisten und die Situation der LGBTQI+-Bewegung.
Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" sieht in dem Anschlag insbesondere Auswirkungen auf den Erfolg der AfD. So schreibt die Zeitung am Montag, der Anschlag "kommt zu einem für Deutschlands Schicksal äußerst heiklen Zeitpunkt". Ein Grund sei die Forderung der AfD nach "Remigration", auch für Menschen mit deutschem Pass, wie den Tatverdächtigen Abdul Ballout.
Ein anderer Grund seien die anstehende Wahl zum Abgeordnetenhaus im September in Berlin, wo die AfD in manchen Umfragen vorn liege: "Seit einigen Tagen ist sie sogar in der traditionell 'roten' Hauptstadt, der Stadt von Willy Brandt und Bertolt Brecht, die jahrzehntelang von den Sozialdemokraten regiert wurde, die stärkste Kraft. Ein Schock."
"Größte Gefahr kommt aus dem dschihadistischen Lager"
Zum Anschlag beim CSD in Berlin meint die niederländische Zeitung "De Telegraaf" am Montag: "Der Anschlag in Berlin zeigt, dass die größte Gefahr für Europa nach wie vor aus dem dschihadistischen Lager kommt." Die Zeitung verweist darauf, dass der Tatverdächtige sich bereits in jungen Jahren radikalisiert habe.
"Die Sicherheitsdienste warnen schon seit Längerem davor, dass immer mehr Jugendliche durch das in den sozialen Medien weit verbreitete dschihadistische Gedankengut beeinflusst werden", heißt es weiter. Zum Vorgehen der Justiz, Ballout auf Bewährung freizulassen und ihn an einem Deradikalisierungsprogramm teilnehmen zu lassen, schreibt das Medium: "Dieser therapeutische Ansatz, ihn von Extremisten loszulösen, erwies sich als Farce."
Das Aufkommen immer jüngerer Dschihadisten stelle viele europäische Länder vor die Frage, ob das Jugendstrafrecht noch zeitgemäß sei. "Milde Strafen können potenzielle Attentäter von solchen Taten ebenso wenig abhalten wie Therapien."
"Angriff auf Freiheit und Toleranz"
"El País" aus Spanien meint dagegen, der Anschlag "ist ein Angriff auf Freiheit und Toleranz – und eine Mahnung, welche Gefahr Fanatismus für das Zusammenleben in demokratischen Gesellschaften darstellt". Der Angriff richte sich gegen das, "was unsere Gesellschaften ausmacht: den Kern menschlichen Fortschritts und der Freiheit".
Es ist beunruhigend genug, dass in einem EU-Mitgliedstaat wie Rumänien ein CSD verboten wird – wie an diesem Wochenende in der Stadt Oradea. "Noch schwerer wiegt jedoch, dass die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung im Jahr 2026 in einer europäischen Hauptstadt mit dem Leben bezahlt werden kann."
Sollte sich der islamistische Hintergrund bestätigen, sei dies ein Beleg dafür, dass die Gefahr der Ideologie nicht verschwunden sei. "Die einzige Antwort darauf kann nur sein, uns weder einschüchtern noch spalten zu lassen. Alles andere wäre ihr größter Sieg – und die Niederlage der Demokratie."