Aschenbrenner-Kollaps: Die nächsten Opfer des KI-Hypes sind wir
Das Scheitern des KI-Wunderkinds Leopold Aschenbrenner ist ein Warnsignal. Die Börse ist blind für die Risiken der KI-Revolution.
09.08.2026, 05.30 Uhr
2 Leseminuten

Leopold Aschenbrenner hat seinen Kultstatus schnell wieder verloren.
PD / Bearbeitung NZZaS
Die Schadenfreude erfahrener Investoren war gross, als der Fonds von Leopold Aschenbrenner vergangene Woche kollabierte. Der 24-Jährige hatte an der Wall Street in kurzer Zeit Kultstatus erlangt und wurde als «KI-Wunderkind» gefeiert. Früh setzte der ehemalige Open-AI-Mitarbeiter auf wenig bekannte KI-Aktien wie Bloom Energy, Nebius oder Sandisk. Nicht wie alle anderen auf den Chiphersteller Nvidia.
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Zwei Jahre lang funktionierte das hervorragend. Aschenbrenner vervielfachte das Volumen seines Fonds namens Situational Awareness von einigen hundert Millionen Dollar auf 45 Milliarden Dollar. Im Juli gab es jedoch ein kleines Beben bei Tech-Aktien. Aschenbrenners Fonds implodierte und verlor zwei Drittel seines Werts, auch weil der Jüngling mit viel geliehenem Geld spekuliert hatte. Letztlich musste er seine Aktien zum Discountpreis dem Wall-Street-Fuchs Ken Griffin verkaufen.
Alle sind von der KI-Erfolgsstory abhängig
Aschenbrenner für diesen Flop zu belächeln, ist einfach: Der Börsennovize hatte überhaupt keine «situational awareness». Doch seine blinde, bedingungslose Wette auf KI ist kein Einzelfall. Fast alle Anleger glauben mittlerweile an den Erfolg von KI. Ein Extremfall sind die Koreaner. Die dortige Börse ist fast vollständig von den KI-Chip-Zulieferern Samsung und SK Hynix abhängig. Die jüngste Kurskorrektur bei diesen Chipaktien hat jüngst das ganze Land in die Krise gestürzt.
Schweizerinnen und Schweizer sind ebenso von der KI-Erfolgsstory abhängig. In der beruflichen und privaten Vorsorge dominieren Anlagen in USA- und Welt-Indizes. Diese sind mit amerikanischen Tech- und KI-Firmen voll gepackt. Bei Privatanlegern gehören KI-Aktien zu den meistgehandelten. Bodenständige Schweizer Industriefirmen wie ABB oder Huber & Suhner gelten als «KI-Plays» und sind ähnlich hoch bewertet wie Tech-Firmen. Sogar im Portfolio der Schweizerischen Nationalbank sind neun der zehn grössten Positionen KI-Aktien wie Nvidia oder Meta.
Diese investieren jährlich Hunderte Milliarden Dollar in Datenzentren für KI. Ob sich diese Investitionen jemals rechnen werden, weiss niemand. Denn derzeit schafft sich KI ihre Nachfrage selbst: Tech-Firmen finanzieren sich gegenseitig und kaufen sich untereinander enorme Chip- und Rechenkapazitäten ab. Die Verschuldung wächst, die Cashflows der Tech-Konzerne sind mittlerweile negativ. Damit KI für sie aufgeht, müssen sämtliche Heilsversprechen der KI eintreffen und auch einmal rentieren.
Schock lässt sich nicht abfedern
Setzt sich die Einsicht durch, dass das unwahrscheinlich ist, fällt das Kartenhaus zusammen. Ein Absturz der wichtigsten US-Tech-Aktien würde die Weltbörsen mit sich in die Tiefe reissen. Diversifikation in defensive, KI-freie Sektoren wie Gesundheitswesen, Infrastruktur oder Nahrungsmittel könnte helfen, Verluste zu begrenzen. Auch Anlagen in gleich gewichtete Indizes dürften weniger leiden.
Ganz abfedern liesse sich der Schock aber nicht. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man das nächste Mal zufrieden in das Aktiendepot guckt. Leopold Aschenbrenner hat sich nach seinem Anlageflop jedenfalls nicht vom Investieren abbringen lassen. Offenbar hat er wenige Tage nach dem Kollaps 400 Millionen Dollar in eine seiner privat gehaltenen Firmen investiert. Darunter ist Anthropic, eine weitere Hoffnungsträgerin der KI-Revolution.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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