Raubfisch-Invasion: Griechenland kämpft gegen den gefrässigen Kugelfisch

Darüber spricht Chania: Bloss weg mit dem Kugelfisch

Der Raubfisch aus dem Indischen Ozean macht sich vor Kreta breit. Er frisst so ziemlich alles, was sich ihm in den Weg stellt. Die Fischer sind wütend, die Badegäste vorsichtig.

Chrissa Wilkens09.08.2026, 05.30 Uhr

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Beisskräftig und giftig: der Haselkopf-Kugelfisch.

Beisskräftig und giftig: der Haselkopf-Kugelfisch.

Sakis Lazarides / Getty

Im kleinen, malerischen Hafen von Nea Chora, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum von Chania an der Nordwestküste Kretas entfernt, liegt der Geruch von gebratenem Fisch aus den Tavernen in der Luft. Dimitris Koletis sitzt an einem Tisch vor seinem kleinen Boot, mit dem er täglich auf das Meer hinausfährt. Der 64-jährige Fischer hat in diesem Sommer ein Ziel: Er will möglichst viele Kugelfische fangen und töten.

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Dieser Haselkopf-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus) kommt ursprünglich aus dem Indischen Ozean und ist über den Suezkanal ins Mittelmeer gelangt. Ein unangenehmer Besucher, der offenbar bleiben will. Mit seinen scharfen Zähnen und dem Nervengift Tetrodotoxin kann er auch für Menschen gefährlich werden. Βereits in den vergangenen Jahren machte er in den Gewässern rund um Kreta Probleme. Doch in diesem Jahr hat sich die Zahl der Kugelfische nach Beobachtungen von Koletis verdreifacht.

Dimitris Koletis ärgert sich über die Kugelfisch-Invasion.

Dimitris Koletis ärgert sich über die Kugelfisch-Invasion.

Chrissa Wilkens

«Die Kugelfische zerreissen die Fischernetze, sie fressen die Fische, sie fressen die Fischeier und auch die Oktopusse. Sie sind wie ein Krebsgeschwür für das Meer», sagt er wütend. Die Regierung will Fischern in bestimmten Regionen in Griechenland eine Fangprämie von über fünf Euro pro Kilogramm zahlen. Koletis wartet auf den Beginn des Programms. «Ich würde auch für drei Euro pro Kilo losfahren!», sagt er. Tut er aber noch nicht.

Ein paar Meter weiter, am Sandstrand, ist die Atmosphäre entspannt. Man hat den Eindruck, dass die Nachrichten über den giftigen Fisch die Badegäste kaum erreicht haben. Antonia, eine 80-jährige Einheimische, hat zwar schon von Begegnungen zwischen Badenden und dem Kugelfisch im Meer vor Kreta gehört. Die Tatsache, dass es an diesem Strand bisher keinen Vorfall gegeben hat, beruhigt sie. «Wenn wir ins Wasser gehen, schauen wir zuerst auf den Meeresboden, damit wir sicher sind.» Christos, der Mann, der die Liegestühle betreut, bleibt ebenfalls gelassen. «Die Kugelfische sind in deutlich tieferem Wasser zu finden. Dort arbeiten die Fischer, die versuchen, sie auszurotten.»

Das stimmt offenbar so nicht ganz. An den Stränden in Attika oder auf Rhodos sind Kugelfische in einem Meter oder gar nur 20 Zentimeter Tiefe gesichtet worden. Dort sollen sie auch zugebissen haben.

Dimitris Koletis macht sich jedenfalls schon Sorgen um die Zukunft seines Berufs. «Ich komme aus einer Fischerfamilie und mache diesen Job seit 50 Jahren. Aber ich sehe keine Zukunft mehr in dieser Arbeit.» Die Zahl der Fische nimmt jedes Jahr weiter ab. Und nun kommt auch noch der Kugelfisch hinzu. Der Staat tue nicht genug, um die Situation unter Kontrolle zu bringen, sagt er. «Ich schätze, dass wir in wenigen Jahren nur noch Fisch aus Aquakulturen essen werden.» So läuft das selbst schon mit dem Kugelfisch in Japan. Dort gilt er ja als Delikatesse.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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