Stand: 22.08.2026, 08:13 Uhr
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Blutmond, Kernschatten, Kupferrot: Wie entsteht eine Mondfinsternis – und wann ist die nächste in Deutschland zu sehen? Die Physik hinter dem Himmelsschauspiel.
Frankfurt – Der August 2026 wird Himmelsgucker in Deutschland doppelt beschäftigen. Am 12. August hat sich der Mond vor die Sonne geschoben – eine partielle Sonnenfinsternis, bei der je nach Standort bis zu 93 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt wurden. Nur 16 Tage später, in den frühen Morgenstunden des 28. August, dreht sich das kosmische Spiel um: Diesmal taucht der Mond selbst in den Schatten der Erde ein. Fast 93 Prozent der Mondscheibe werden dann vom Kernschatten verschluckt.

Der Haken: Das Maximum um 6.13 Uhr MESZ fällt genau mit dem Monduntergang zusammen – wer es sehen will, braucht freie Sicht nach Westen und muss früh aufstehen. Wer dagegen den vollen Blutmond-Effekt erleben möchte, muss sich bis zum 31. Dezember 2028 gedulden – dann färbt sich der Mond am Silvesterabend leuchtend rot. Doch wie kommt es überhaupt zu diesen faszinierenden Phänomenen?
Mondfinsternis 2026: Wie der Blutmond entsteht – und wann er über Deutschland zu sehen ist
Er leuchtet, er glüht, er verwandelt sich in tiefes Kupferrot – und dann, langsam, kehrt er zurück: Der Mond bei einer totalen Mondfinsternis gehört zu den eindrucksvollsten Ereignissen, die der Nachthimmel zu bieten hat. Doch hinter dem mystischen Schauspiel steckt keine Magie, sondern präzise Himmelsmechanik.
Eine Mondfinsternis entsteht, wenn Sonne, Erde und Mond exakt auf einer geraden Linie stehen – in dieser Reihenfolge, wie die NASA erklärt. Die Erde befindet sich dabei in der Mitte und wirft einen langen Schatten in den Weltraum. Tritt der Mond in diesen Schatten ein, spricht die Astronomie von einer Mondfinsternis.
Das klingt simpel – und ist es im Prinzip auch. Allerdings passiert es längst nicht bei jedem Vollmond: Die Mondbahn ist um etwa 5,1 Grad gegen die Erdumlaufbahn (die Ekliptik) geneigt. Deshalb zieht der Mond meist oberhalb oder unterhalb des Erdschattens vorbei – um bis zu 37.000 Kilometer. Nur wenn Vollmond nahe an einem der beiden sogenannten Knotenpunkte stattfindet, also den Schnittpunkten beider Bahnebenen, kommt es zur Finsternis. Das ist weltweit etwa zwei- bis dreimal pro Jahr der Fall.
Kernschatten, Halbschatten, Umbra: So funktioniert der Schatten der Erde bei einer Mondfinsternis
Der Schatten der Erde ist kein einfacher, gleichmäßiger Kegel. Er besteht aus zwei Zonen:
- Kernschatten (Umbra): Der zentrale, vollständig abgedunkelte Bereich. Kein direktes Sonnenlicht dringt hier durch.
- Halbschatten (Penumbra): Der äußere Ring, in dem die Sonne nur teilweise verdeckt wird.
Totale, partielle, Halbschatten: Die drei Arten der Mondfinsternis im Überblick
Je nachdem, welche Zone der Mond durchquert, unterscheiden Astronomen drei Typen:
Totale Mondfinsternis: Der Mond taucht vollständig in den Kernschatten ein. Der Kernschatten der Erde ist in Höhe der Mondbahn etwa zweieinhalbmal so groß wie der Mond selbst – genug Platz für ein vollständiges Eintauchen. Diese Art ist die spektakulärste.
Partielle Mondfinsternis: Nur ein Teil des Mondes gerät in den Kernschatten. Der Schattenrand der Erde ist als deutlicher Kreisbogen auf der Mondoberfläche zu sehen – ein sichtbarer Beweis, den schon die antiken Griechen als Hinweis auf die Kugelgestalt der Erde deuteten.
Halbschattenfinsternis: Der Mond streift nur den äußeren Halbschatten. Diese Verdunkelung ist so gering, dass sie mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar ist und nur in der Fachastrononomie mitgezählt wird.
Blutmond: Warum der Mond bei einer Mondfinsternis rot leuchtet
Warum leuchtet der Mond während einer totalen Mondfinsternis in sattem Rot, anstatt einfach zu verschwinden? Die Antwort liegt in der Erdatmosphäre.
Auch wenn der Mond vollständig im Kernschatten liegt, fällt er nicht ins völlige Dunkel. Die Erdatmosphäre wirkt wie eine riesige optische Linse: Sie bricht das Sonnenlicht und lenkt einen Teil davon in den Kernschatten um. Dabei wird kurzwelliges blaues Licht stärker gestreut und herausgefiltert – das gleiche Prinzip, das uns rote Sonnenuntergänge beschert. Übrig bleibt das langwellige, rötliche Licht, das den Mond in diesem charakteristischen Kupferrot erstrahlen lässt.
Wie intensiv das Rot ausfällt, hängt vom Zustand der Erdatmosphäre ab. Nach großen Vulkanausbrüchen, wenn Asche und Schwefelverbindungen die Atmosphäre trüben, kann der Mond bei einer Finsternis deutlich dunkler oder sogar bräunlich erscheinen. Die sogenannte Danjon-Skala – benannt nach dem französischen Astronomen André-Louis Danjon – klassifiziert die Helligkeit totaler Mondfinsternisse von 0 (fast unsichtbar dunkelgrau) bis 4 (hell kupferrot).
Der Saros-Zyklus: Finsternisse können vorhergesagt werden
Bereits in der Antike erkannten babylonische Astronomen, dass sich Finsternisse mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit wiederholen. Das Geheimnis: Nach 223 synodischen Monaten (etwa 18 Jahre und 11 Tage) kehren Sonne, Erde und Mond annähernd in die gleiche geometrische Konstellation zurück, wie eine Studie in der Wiley Online Library erklärt.
Dieser Zeitraum wird Saros-Zyklus genannt und ermöglicht bis heute präzise Langzeitvorhersagen für Finsternisse. Das Standardwerk der modernen Finsternisforschung, der „Canon der Mondfinsternisse“ von Jean Meeus und Hermann Mucke, listet alle Mondfinsternisse von 2002 v. Chr. bis 2526 n. Chr. auf.
Ein entscheidender Unterschied zur Sonnenfinsternis: Eine Mondfinsternis ist von der gesamten dem Mond zugewandten Erdhälfte gleichzeitig sichtbar – also theoretisch von Milliarden Menschen. Eine Sonnenfinsternis dagegen ist nur auf einem schmalen Streifen der Erdoberfläche als totale zu erleben. Wer also eine Mondfinsternis verpassen will, muss sich schon besonders ungeschickt anstellen. Quellen: onlinelibrary.wiley.com, science.nasa.gov, eclipse.gsfc.nasa.gov (bk)