Stand: 03.10.2026, 15:08 Uhr
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FWG und CDU fordern das endgültige Aus für den geplanten Neubau des Hallenbades in Borken. Allein die jährlichen Betriebskosten werden auf 1,8 Millionen Euro geschätzt.
Borken – Die Borkener FWG und CDU fordern nach Jahren der Diskussion politische Klarheit und das Aus für den geplanten Neubau des Hallenbades. „Die Politik muss sich an finanziellen Realitäten orientieren und das Hallenbad ablehnen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Altes Bad wurde vor vier Jahren abgerissen
Das Borkener Hallenbad war ab 1964 das erste Hallenbad in der Region und ein Pionier in Sachen Schwimmunterricht. Es war damals als Mittelpunkt-Bad für den gesamten Schwalm-Eder-Kreis vorgesehen und fast sechs Jahrzehnte eine wichtige Einrichtung. Anfang Oktober 2022 wurde es abgerissen, weil das Gebäude marode war: Der Neubau wurde vor vier Jahren mit 15 Millionen Euro veranschlagt, bis 2026 hatte er fertig sein sollen.
Neue Förderzusagen hatten das lange Schweigen ums Projekt gebrochen. Nach endlosen Debatten, Planungen und Gutachten und Untersuchungen hatte der Neubau seit Monaten nicht mehr auf der Tagesordnung des Parlaments gestanden. FWG und CDU fordern nun „endlich eine abschließende politische Entscheidung“.
Hallenbad sei zwar wünschenswert, aber zu teuer
Natürlich sei ein Hallenbad wünschenswert, gerade was die Schwimmausbildung angehe. Alle Stadtverordneten, gleich welcher Partei, stünden hinter dem Bad. Aber es stelle sich die Frage, ob eine Stadt wie Borken es sich dauerhaft leisten kann.
Die Zuschüsse seien wichtig und gut, hälfen aber nicht wirklich weiter: Für das Bad seien 1,7 Millionen Euro Bundesmittel und eine Million Euro vom Land zugesagt, die aber nicht die gestiegenen Zinsen und die Baukosten abfederten. Auch dass der Landkreis an seiner Beteiligung an Investitions- und ungedeckten Betriebskosten festhalte, bedeute eine wichtige Unterstützung, beantwortete aber nicht die entscheidende Frage, was das Bad langfristig koste. In jedem Jahr stünden allein für die Stadt Borken Betriebs-, Unterhaltungs-, Reparaturkosten von geschätzten 1,8 Millionen Euro an. Allein die Investitionskosten beliefen sich auf mindestens 26 Millionen Euro.
Belastung für die Einwohner zu hoch
Eine solch hohe Investition bedeute eine hohe Verantwortung: Sie belaste nicht nur die heutigen Einwohner, sondern auch die nächsten Generationen, so die Fraktionsvorsitzenden Dennis Döring und Julian Bachmann. Borken habe in schwierigen Zeiten viele weitere Aufgaben zu finanzieren. Die Schlüsselzuweisung des Landes sinke 2027 um eine Million Euro, die Schul- und Kreisumlage steige voraussichtlich.
„Eine ehrliche und verantwortungsvolle Kommunalpolitik bedeutet, dass man Prioritäten setzt“, heißt es. Für CDU und FWG lägen sie beim Neubau des Feuerwehrstützpunkts, beim Viaduktausbau und bei Pflichtaufgaben. Die Position von CDU und FWG bedeute keine Absage an den Schwimmsport oder an die Schwimmausbildung: „Wir nehmen die Bedürfnisse von Kindern, Schulen, Vereinen und Familien ernst. Aber es gilt, alternative Möglichkeiten zu finden.“
Döring und Bachmann sind sich einig: „Die Borkener haben das Recht darauf, zu wissen, wie es weitergeht. Das Thema darf nicht stets verschoben und durch die nächste Förderzusage verlängert werden.“ Man müsse erkennen, dass sich Projekte im Laufe der Zeit veränderten.
Die Positionen der CDU und FWG
Die Borkener Fraktionen von CDU und FWG lehnen einen geplanten Neubau des Hallenbades ab. Das teilen Dennis Döring (CDU) und Julian Bachmann (FWG) mit. „Wir brauchen eine Entscheidung, die den tatsächlichen finanziellen Möglichkeiten unserer Stadt Rechnung trägt – und anschließend auch Bestand hat“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die Politik muss sich an finanziellen Realitäten orientieren und das Hallenbad ablehnen.“
Politik müsse auch den Mut haben, eine unbequeme Entscheidung zu treffen, wenn die Folgen nicht verantwortbar seien: „Damit wollen wir einen Schlussstrich unter die Debatte ziehen. Borken braucht jetzt Klarheit“, heißt es im Text.
Die Position der AfD
Die AfD sei nicht erstaunt, dass das lang diskutierte Neubau-Projekt des Bades nun wohl abgeschrieben werde, sagt Sprecher Peter Völker. Die politische Stimmungslage habe bereits daraufhin gedeutet, dass das Projekt nicht realisiert werden könne. Es sei gut, wenn nun Klarheit gefordert werde, denn das Projekt erfordere im Fall, dass Fördergeld fließe, auch konkrete Zeitpläne. Die Zuschüsse aber seien angesichts der „gigantischen Summen“, die im Raum stünden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Nein der Fraktionen sei für viele Menschen enttäuschend. Dennoch habe die Stadt Borken mit dem Ausbau der Fahrbahn am Viadukt eine „weitere enorm wichtige Aufgabe“ – und zwar eine, die anders als das Hallenbad, auch keine Folgekosten beinhalte. Die AfD-Fraktion werde das weitere Vorgehen diskutieren.
Die Position der SPD
Die SPD stehe weiter hinter der 2019 getroffenen Grundsatzentscheidung zum Ersatzbau, sagt Sonja Lehmann. Ihre Fraktion hätte sich gewünscht, dass sich in der neuen Legislaturperiode alle Fraktionen an einen Tisch setzen, um alle Mandatsträger auf den Stand zu bringen – und zwar bevor CDU und FWG Stellung bezogen. Die SPD halte weiter am Neubau fest: Die Förderanträge seien gestellt, die Baukosten gesichert. Jetzt müsse aber die Betriebskostenanalyse noch einmal überarbeitet werden, denn die errechneten hohen Folgekosten seien es, die die Debatte anheizten. Der Vorwurf der SPD: Bürgermeister Marcel Pritsch habe nicht die notwendige Priorität auf das Vorhaben gelegt und damit Möglichkeiten verpasst.
Bürgermeister Pritsch hatte sich gestern noch nicht äußern wollen, er verwies auf laufende Gespräche.