Badetote in Bayern: „Es ist ein Glücksspiel, wo ein tödlicher Unfall passiert"

Stand: 10.08.2026, 05:31 Uhr

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Wasserwacht München am Feringasee

Für Sicherheit am Badesee sorgt der Kreisverband der Wasserwacht, wie hier am Feringasee. Die Schnelleinsatzgruppe musste heuer schon 21 Mal ausrücken. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es laut Kreischef Michael Welzel 20 Einsätze. © Wasserwacht

In Bayern sind in diesem Sommer bereits 54 Menschen beim Baden ertrunken. Der Kreischef der Wasserwacht München sieht vor allem Selbstüberschätzung von schlechten Schwimmern als Problem.

Landkreis – Der Badespaß am See hat in Bayern heuer schon 54 Mal tödlich geendet. Allein in Oberbayern gab es in diesem Jahr 18 Badetote zu betrauern. An den Seen im Landkreis München ist bislang glücklicherweise nichts passiert. Michael Welzel, Vorsitzender der Kreiswasserwacht München, verrät im Interview, was Badegäste tun können, damit es dabei bleibt.

Herr Welzel, Bayern verzeichnet in diesem Sommer viele Badetote. Warum ist die Lage im Landkreis München bislang so anders?

Wenn man sich die Gesamtzahl der Badegäste anschaut und die Anzahl der Seen, ist es vermutlich eher ein Glücksspiel, wo ein tödlicher Ertrinkungsunfall passiert und wo nicht.

Also eher Glück als eine erfolgreiche Präventionsstrategie?

Klar machen wir viel Präventionsarbeit. Wir konnten zum Beispiel in diesem Jahr mit Spenden zweier Stiftungen 2000 Schwimmlerntaschen finanzieren, die wir an Vorschulkinder verteilt haben. Das Projekt machen wir schon einige Jahre. Ich denke, dass das etwa Sicherheit bei den Kindern bringt. Und wenn man sich die Ertrinkungsfälle anschaut, sind zum Glück nicht mehr so häufig Kinder betroffen. Vor ein paar Jährchen war der Anteil höher. Mittlerweile, wobei das natürlich ein subjektives Gefühl ist, trifft’s leider doch die Erwachsenen und älteren Menschen öfter.

Welche Seen bereiten Ihnen die größten Sorgen?

Prinzipiell sind’s immer Seen, die stark frequentiert sind. Wo viele Leute sind, passiert am meisten. Das sind in unserem Gebiet der Langwieder See und Lusssee im Münchner Westen, der Riemer See – und der Feringasee.

Michael Welzel, Vorsitzender Kreiswasserwacht München

Michael Welzel, Vorsitzender Kreiswasserwacht München © Achim Schmidt

Was sind die häufigsten Ursachen für gefährliche Situationen im Wasser?

Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Man hat zum einen das Thema Kinder. Halten die Eltern ihre Aufsichtspflicht ein? Gehen die Kinder mit einer Schwimmhilfe ins Wasser? Auf der anderen Seite sind es ältere Personen. Da ist es natürlich häufiger der Fall, dass es normale medizinische Notfälle sind, die blöderweise gerade im Wasser passieren. Jemand, der ein Kreislaufproblem hat und vielleicht kurzzeitig bewusstlos ist, das ist – anders als an Land – natürlich im Wasser sofort ein Riesen-Riesenthema. Wenn da ein Mensch bewusstlos ist, geht er unter.

Sind erfahrenere Schwimmer weniger risikobehaftet?

Also zumindest bei uns kommt’s sehr, sehr selten vor. Wobei auch regelmäßige Schwimmer nicht gefeit davor sind, dass sie ein normales Kreislaufproblem bekommen, gerade bei diesen wahnsinnig hohen Temperaturen. Dazu gibt‘s gerade eine Aktion auch der Wasserwacht Bayern, die Langstreckenschwimmer und regelmäßige Schwimmer dazu motivieren möchte, eine aufblasbare Boje mitzunehmen, um einfach ein kleines Rettungsmittel für den Notfall dabei zu haben.

Sie haben die Temperaturen gerade angesprochen: Beobachten Sie, dass sich das Verhalten der Badegäste verändert hat durch die aktuellen Hitzewellen?

Ich war voriges Wochenende am Feringasee als Wachleiter am Sonntag, da war’s natürlich sehr, sehr warm und der See war einfach wahnsinnig voll. Für den Einzelnen wird‘s dadurch nicht gefährlicher, aber das Potenzial steigt natürlich, wenn mehr Leute ins Wasser gehen, dass dann vielleicht auch eher was passiert.

Welche Fehleinschätzung überrascht Sie bei Badegästen immer wieder am meisten?

Fehleinschätzungen sieht man häufig. Auch Situationen, bei denen man sich seinen Teil denkt. Ein Kind, das alleine im Wasser spielt, schlecht schwimmen kann, und die Eltern nicht darauf achten. Wenn man die Eltern anspricht, stößt man auch nicht immer auf Verständnis. Was wir ganz häufig sehen: Selbstüberschätzung von schlechten Schwimmern. Sie schwimmen unbegleitet eine lange Strecke und man sieht, wie ihnen die Puste ausgeht. Da fahren wir präventiv hin und fragen, ob derjenige Hilfe benötigt.

Woher kommt diese Selbstüberschätzung?

Das hat vielerlei Gründe. Gerade in den Nicht-Sommermonaten gehen immer weniger ins Schwimmbad und ziehen ihre Bahnen, sondern gehen ins Spaßbad. Das Schwimmen an und für sich leidet. Die Erwachsenen können sich dadurch nicht gut einschätzen. Beispiel Feringasee: Wie weit ist denn die Strecke vom Ufer zur Halbinsel? Schaffe ich das überhaupt?

Ich würde mir wünschen, dass alle Menschen vernünftig sind, dass sie auf die Basics, die Standardbaderegeln, achten.

Überrascht Sie die hohe Zahl der Badetoten in Bayern – oder ist das eine Entwicklung, die sich seit Jahren angedeutet hat?

Ich denke schon, dass sich das entwickelt hat, immer mehr geworden ist. Man merkt, wenn man sich die Badetoten in unserem Bereich anschaut, dass man einen größeren Anteil an Erwachsenen hat, die nicht mehr schwimmen können.

Was wünschen Sie sich von den Badegästen, damit die Saison zumindest im Landkreis ohne tödliche Unfälle endet?

Ich würde mir wünschen, dass alle Menschen vernünftig sind, dass sie auf die Basics, die Standardbaderegeln, achten. Ich gehe eben nicht alleine ins Wasser und habe ein Gespür dafür, dass das Wasser Gefahren birgt. Gerade für Nichtschwimmer.

Ehrenamtlicher Einsatz

Die Kreiswasserwacht München betreut im Landkreis den Feringasee, den Unterschleißheimer See und den Heimstettner See sowie das Unterhachinger Freibad und in der Landeshauptstadt den Lerchenauer See, den Feldmochinger See, den Riemer See, den Langwieder See, den Lußsee und den Flaucher. Allein in diesem Jahr haben die ehrenamtlichen Mitglieder über 35.000 Stunden investiert, um für die Sicherheit der Badegäste zu sorgen. „Es ist nicht allen Badegästen bekannt, dass die Wasserwacht und die DLRG-Kollegen alle ehrenamtlich an den Seen im Einsatz sind“, sagt Kreisvorsitzender Michael Welzl. „Daher möchte ich mich herzlich bei allen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz bedanken.“