Bauturbo im Landkreis Verden: Erleichterungen für Wohnprojekte beschlossen

Stand: 24.08.2026, 19:20 Uhr

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Luftbild: Emtinghausen, Juli 2025.

Sollen in Emtinghausen Wohnungen gebaut werden, geht das künftig auch nach den weniger strengen Regeln des Bauturbos. © Christian Walter

Emtinghausen beschließt Leitlinien für den „Bauturbo“: Im Siedlungskern sind künftig maximal zwei Vollgeschosse erlaubt – fürs Bauen mit Dorfcharakter.

Emtinghausen – Aufwendige Planungs- und Genehmigungsverfahren beim Wohnungsbau verkürzen, bürokratische Hürden abbauen und Neubauten ermöglichen, ohne in komplizierten Schritten neue Bebauungspläne erarbeiten oder bestehende ändern zu müssen – das ist die Idee hinter dem sogenannten „Bauturbo“. Ende Oktober 2025 haben Bundestag und Bundesrat das „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“, wie das rechtliche Instrument in voller Schönheit betitelt ist, als erweiterte Möglichkeit zur Zulassung von Wohnbauvorhaben erlassen – befristet bis Ende 2030. Damit werden zentrale Regelungen des Baugesetzbuches geändert. Mit dem neuen Instrument befassen sich nun nach und nach die Kommunen – in der Samtgemeinde Thedinghausen in Niedersachsen, deren Verwaltung sich frühzeitig mit der Umsetzung befasst hat, am vergangenen Donnerstag zuerst der Rat der Gemeinde Emtinghausen.

Theoretisch wäre es damit möglich, hinter der Mühle ein Hochhaus zu bauen. Zwölf Geschosse. Könnten wir jetzt machen.

Da der Bauturbo eine Regelung auf Bundesebene ist, ist er entsprechend weit gefasst und sowohl für ländliche Räume als auch für große Städte anwendbar. Das führt in der Theorie zu skurrilen Szenarien: „Theoretisch wäre es damit möglich, hinter der Mühle ein Hochhaus zu bauen. Zwölf Geschosse. Könnten wir jetzt machen“, malte Bauamtsleiterin Alexandra Kim Schwede auf Nachfrage von Ratsherr Lars Beckefeld (WGE) ein anschauliches Bild in die Bahlumer Schützenhalle. Deswegen hat sich die Samtgemeinde, angepasst an die Strukturen ihrer Mitgliedskommunen, selbst beschränkt und in einem Arbeitskreis aus Fraktionsspitzen und Verwaltungsfachleuten einen Leitlinienkatalog erarbeitet, über den hinaus trotz „Turbo“-Erleichterungen nicht gebaut werden darf. Diese Leitlinien galt es nun, per Grundsatzbeschluss des Rates politisch zu verankern.

Rat Thedinghausen am Zug

Als nächstes Gremium in der Samtgemeinde befasst sich der Thedinghauser Rat mit dem Bauturbo – an diesem Donnerstag, 27. August, ab 19.30 Uhr in der Gudewill-Schule.

Für Emtinghausen regeln sie, dass bei Vorhaben, die auf der rechtlichen Grundlage des Bauturbos zugelassen werden sollen, im Siedlungskern höchstens zwei Vollgeschosse plus Dachgeschoss realisiert werden dürfen. Außerdem sind maximal vier Wohnungen je Gebäude auf mindestens 200 Quadratmetern Grundstücksgröße pro Wohneinheit zulässig. Anders als in anderen Mitgliedskommunen gibt es für Emtinghausen nur eine sogenannte Dichtezone. „Die ländliche Dichte und lockere Bebauung soll auch weiterhin dem Ortsbild entsprechend gewährleistet bleiben“, erklärte die Bauamtsleiterin. Für weniger zentrale Bereiche seien Einzelfallentscheidungen zu treffen. Auch gebe es Regelungen darüber, wo der Bauturbo keinesfalls angewendet werden könne: etwa für Vorhaben, die ausschließlich dem Wohnkomfort dienen; im Falle von Bebauungsplänen, die jünger als von 2020 sind, oder auch bei Gewerbe- und Industriegebieten.

Das Ganze wird evaluiert, und theoretisch bleibt es dem neuen Rat auch unbenommen, die Regelungen wieder aufzuheben.

„Bei unserer dörflichen Ortslage finde ich es optisch angemessen, dass man immer noch eine gewisse Durchgrünung hat, und dass wir nicht so komplex bauen, wie man es zum Beispiel im Ortskern von Riede sehen kann“, kommentierte Ratsherr Harald Hemmje (Grüne) die zurückhaltenden Emtinghauser Leitlinien. In der Debatte gab es auch detaillierte Nachfragen, etwa zu Begrifflichkeiten, Abständen oder Nachbarkonflikten. Angesichts der Vielzahl an Wortmeldungen schaltete sich Gemeindedirektor Roland Link ein: „Ich will mal die Angst nehmen, dass Sie heute etwas beschließen, was für alle Ewigkeiten bindend wäre: Das Ganze wird evaluiert, und theoretisch bleibt es dem neuen Rat auch unbenommen, die Regelungen wieder aufzuheben.“

Bei einer Gegenstimme angenommen

Zustimmung war neben dem wohlwollenden Beitrag Harald Hemmjes auch von Gesa Engelke (SPD), Johann Wendt (CDU) und Jan Schäfer (WGE) zu hören. Ein Grund dafür war auch, dass sonst über jeden Antrag nach dem Bauturbo vom Rat selbst statt im Rathaus entschieden werden müsste. „Ich halte diese Leitlinien für sehr sinnvoll, sonst würden wir hier im Dorf viel Unfrieden produzieren“, so Wendt. Ablehnung indes äußerte Jörg Schümann (WGE): „Ich erkenne keine Vorteile für Emtinghausen.“ Seine Gegenstimme zum Beschlussvorschlag der Verwaltung blieb die einzige: Der Rest des Rates votierte für den Grundsatzbeschluss.

Für Gerold Bremer (stehend) war die Ratssitzung am 20. August 2026 die letzte als amtierender Bürgermeister der Gemeinde Emtinghausen.

Für Gerold Bremer (stehend) war die Ratssitzung am Donnerstagabend die letzte als amtierender Bürgermeister. © Christian Walter

Der Emhuser Rat hat noch über einige weitere Themen gesprochen. Mehr dazu an anderer Stelle. Noch zu erwähnen ist, dass es für Bürgermeister Gerold Bremer (CDU) die letzte Ratssitzung im Amt war – er tritt bei der Wahl nicht erneut an. „Ich möchte mich herzlich bedanken für das rege Interesse an den ganzen Sitzungen, die ich leiten durfte. Ich bin gerne Bürgermeister gewesen. Aber irgendwann ist die Zeit, da muss man noch mal was anderes machen. Und meine Susanne wird gar nicht so vergrellt sein, wenn ihr Mann auch mal zu Hause ist.“